Digitale Kunst:
Mädchen an Bahngleis

Bildelemente sollten auch bei digitaler Kunst zum Bild beitragen, anstatt vom Hauptbildgegenstand abzulenken.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Marcel Elwenholl).

Kommentar des Fotografen:

Mädchen an einem Bahngleise. Aufgenommen im Landschaftspark Duisburg Bearbeitet mit Gimp

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Marcel Elwenholl:

Dieses Bild stach aus der Menge der anderen heraus, die wir zur Beurteilung eingereicht bekomment hatten. Natürlich einmal wegen der Nachbearbeitung, aber durchaus auch wegen der ungewöhnlichen Pose des Modells. Das Bild ist insgesamt schön fotografiert, die Augen des Modells gut in Szene gesetzt. Durch die gewählte Blende kommt viel Tiefe ins Bild. Es gibt, was das Technische angeht, nicht viel zu kritisieren.

Ich habe allerdings – was zu Diskussionen Anlass geben dürfte – die Kategorie in „Digitale Kunst“ umgeändert – erstens, weil das jetzt geht, und zweitens, weil das Bild so sehr verfremdet ist, daß es für mich über ein „normales“ Porträt hinausgeht.

Als digitale Kunst ist es denn auch meines Erachtens ein gutes Bild, wenn ich auch die weißen Linien und den Randverlauf als störend empfinde. Sie lenken ab und tragen nichts wesentliches zum Gesamteindruck bei. Sie werden auch als Rahmen nicht gebraucht, weil die im Hintergrund sichtbaren Gleise das Mädchen genügend einrahmen. Ich hätte sie weggelassen.

Die hellen Haare des Mädchens heben sich gut von der schwarzen Lederjacke ab, und in dieser sind genügend Details, um sie nicht als schwarzen Fleck erscheinen zu lassen. Sie hat etwas Fragendes, aber auch etwas Melancholisches in ihrem Blick. So, als sei sie gerade aus einem Gedanken gerissen worden. Auch die Farbpalette unterstützt diesen Eindruck und ist insgesamt sehr ansprechend. Ich könnte mir dieses Bild gut als Buch- oder DVD-Cover vorstellen.

Ich möchte allerdings abschliessend noch kurz ansprechen, daß dieses Foto meines Erachtens diese Bearbeitung nicht nötig gehabt hätte.

Es ist so gut, daß ich es bestenfalls farbkorrigiert, wenn nicht sogar (etwa mit Silver Efex) in Schwarzweiß verwandelt hätte. Daß es auch mit der gewählten Bearbeitung so wirkt, wie es wirkt, spricht für die Qualität der Aufnahme.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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3 Antworten
  1. Christian Gruber says:

    Eine interessante Pose. Mit der geringen Schärfentiefe und dem reduziertem Bildinhalt ein gelungenes Bild.
    Allerdings:
    Die gewählte Linienführung mit dem schwarzen Kreuz entstehend aus den verblassenden weissen Linien der Nachbearbeitung weckt bei mir Assoziationen an den Tod. Das kann durchaus nur bei mir so sein, da ich als Briefträger dieses Muster eben von Trauer – Beileidbriefen kenne. Abgesehen von meiner Assoziation erkenne ich auch nicht den Sinn hinter dieser Nachbearbeitung, sofern nicht eine Bilderserie existiert, wo alle Bilder in dieser Art nachbearbeitet wurden.
    Weiter mit dem weissen Verlauf unten und vor allem links. Mich lenkt er nicht nur ab, er passt für mich auch nicht zu dem Schwarz rechts und oben. Weiters ist er vermischt mit den Linien und der Vignettierung des Rahmens. Der Rahmen liegt fast auf dem Kopf. Ein kleines „Etwas“ mehr Raum zum Atmen zwischen Rahmen und Kopf oder den Kopf steiler ausblenden. Der Rahmen scheint (bei der Auflösung schwer zu beurteilen) einen anderen und vor allem kleineren Linienabstand als das Kreuz zu haben. Wozu?
    Ich verwende Gimp sporadisch selbst seit einigen Jahren und es ist ein tolles Programm. In diesem Fall hast du eine Aufnahme, die von der Schlichtheit und Natürlichkeit lebt, in ein Tutorialbild für was Gimp nicht alles kann verwandelt. Verläufe, verschiedene Ebenen, verschiedene Ebenemodi. Eigentlich gehts doch um den Teenager.

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  2. augi says:

    Ich staune immer wieder, wie leichtfertig im „grossen Netz“ mit Fakten umgegangen wird.
    – Silver Efex Pro kostet nicht, wie behauptet, 200 Euro, sondern 160 Euro.
    – Das Plugin (monochromix) kostet zwar tatsächlich nur 25 Euro, muss aber in Verbindung mit fixfoto gekauft werden – und das schlägt alleine schon mit 60 Euro zu Buche. Man rechne…
    – Die jeweiligen Upgrades von Nik waren bis dato immer kostenlos.

    Nebenbei: Ich kenne beide Tools. Monochromix kommt qualititativ nicht einmal in die Nähe des Plugins von Nik. Ganz abgesehen davon, dass alleine die U-Point Technologie von Nik schon den Preis wert ist. Wer s/w Konvertierungen ernst nimmt, wird immer auf das Plugin von Nik zurückgreifen.

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  3. Endres Helbig says:

    Ich schliesse mich dem was die Autorin gesagt hat gern an. Nur gibt es einen wesentlich günstigeren und genau so guten und umfangreichen Schwarzweiss Konverter wie Silver Efex. Nämlich das Monochromix Plugin (25 Euro) von Fixfoto. Wer aufs Geld schauen muss und mit Qualität nicht geizen möchte schaut sich das doch mal an, oder informiert sich über andere Verfahren der Schwarzweiss Konvertierung. Ich sage dies, weil die Autorin schon einmal auf Silver Efex hingewiesen hat, aber nicht jeder von den Lesern gleich mal 200 Euro parat hat und für jedes Upgrate 95 Euro bezahlen möchte.

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