Konzeptbild:
Nur Licht am Ende des Tunnels

Ein spannendes Bildkonzept reicht noch nicht ganz für eine richtig gute Fotografie: Ohne inhaltliches Thema fehlt etwas.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Alexander Rieber).

Kommentar des Fotografen:

Ist eine Bahnunterführung. Wurde Tagsüber aufgenommen, als das Licht von vorne stark zu sehen war, und ich habe solange gewartet, bis eine Frau vorbeikam und auf die andere Seite ins Licht reinlief. Minimal bearbeitet, damit ich diese Stimmung ins Bild setzen konnte.

Profi Stuart Schwartz meint zum Bild von Alexander Rieber:

Ein Korridor im Gegenlicht, vielleicht eine Unterführung oder der Zugang zu einem Stadion. Wir blicken aus der Dunkelheit und einer starken Vignettierung ins Licht. Die Wände und der Boden sind gekachelt, die Decke zieht sich in den Fluchtpunkt im Bildzentrum mit zwei Reihen quer hängender Leuchtstoffröhren.

Die Perspektive und die Brennweite arbeiten Dir hier in die Hände:

Der Blick des Betrachters wird in den Tunnel und zum Licht gezogen. Die Reflexionen am Boden und an den Wänden tragen zur Tiefe des Bildes bei. Sie enthalten gerade noch genug Information, um uns ein Gefühl von Raum und Distanz zu geben. Die Belichtung funktioniert perfekt für die Stimmung, die Du kreiert hast.

Wir sehen eine Person am Ende des Tunnels, die allerdings leider im Verhältnis zum ausgebrannten Bereich des Lichts sehr klein ist. Ich glaube, es hätte der Aufnahme gut getan, wenn diese Figur am Ende des Tunnels deutlich mehr mehr Platz einnähme, um dem Motiv mehr Substanz zu geben – als Betrachter will ich eine Geschichte, die zu der Person und ihrem Auftritt passt.

Jede Fotografie braucht ein Subjekt, um wirkungsvoll zu sein. Dieser Aufnahme – so faszinierend sie auf den ersten Blick ist – fehlt dieser Ankerpunkt. Man könnte sagen, das Motiv ist der Tunnel als solcher – aber dann stellt sich die Frage nach dem Warum.

Das Bild in S/W und mit Rauschen versetzt, ausserdem oben beschnitten, um noch mehr Enge zu generieren.

Um die Dramatik des Tunnels zu verstärken, hättest Du ausserdem mit ungewöhnlicheren Perspektiven experimentieren können. Hättest Du die Kamera auf Bodenhöhe gebracht, würde die Kraft des Bildes den Betrachter noch viel mehr überraschen, weil die Perspektive die Tiefe des Tunnels übersteigert zum Ausdruck bringen würde – deshalb lohnt es sich eigentlich immer, bei Shootings nach ungewöhnlichen und überraschenden Perspektiven und Standorten zu suchen.

Weitere Steigerungen liessen sich mit den gezeigten Anpassungen anbringen: Die Konvertierung in reines Schwarz/Weiss und etwas Rauschen geben dem Bild mehr Kraft und Granularität. Ausserdem könntest Du das Bild oben beschneiden, um es interessanter zu machen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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4 Antworten
  1. Christian Gruber says:

    Das Bild lebt nur von den Kontrasten und der Tiefe. Die Farben sind vernachlässigbar. Die Perspektive find ich an sich ok. Im Prinzip hast du eine Gegenlichtsituation, bei der mir das Motiv im Vordergrund oder zumindest im mittleren Bereich fehlt. Wobei die Person als Siluette und/oder mit Bewegungsunschärfe ok ist. Nur sie ist viel zu klein auf dem Bild.
    Weiters stört mich die defekte Neonröhre rechts oben. 5 Schritte nach vorne hätte ich gesagt.

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    • Swonkie says:

      ich schliesse mich dem an.

      ausserdem finde ich dass der kontrast etwas zu hoch ist. es ist eine recht grosse fläche komplett ausgebrannt und trotzdem säuft noch viel im dunklen bereich ab. ich hätte versucht per hdr aufnahme den kontrast etwas zu reduzieren. man kann trotzdem danach noch eine person einfügen indem man einfach – am besten mehrere – normal belichtete aufnahmen schiess mit einem passanten drauf. dann die beste auswählen und die person ins hdr bild einfügen. das ist keine grosse operation und meiner meinung nach legitime bildbearbeitung.

  2. anonym says:

    Ich finde nicht, dass das Bild von der Farbe lebt, wie es der User Alexander Rieber meint. Entscheidend ist das Licht am Ende des Korridors und die Spiegelungen an den Wänden. Solche Reflektionen sind in schwarz/weiss wesentlich effektiver.

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  3. Rieber Alexander says:

    Also von Boden aus habe ich auch einige Fotos gemacht, aber die Wirkung war nicht die gleiche die ich transportieren wollte. Vieles ist Bodennah besser, aber die Wirkung ist von Bild zu Bild unterschiedlich.
    Funktioniert auch nicht bei jeden Bild.
    Ich gebe dir Recht: Ich hätte viel mehr rausholen können

    In Schwarzweiss bin ich der Meinung dass dies relativ langweillig wirkt. Das Bild lebt von der Farbe allein.
    Das war auch so beabsichtigt.

    Ich werde vielleicht eine andere Version hochladen, würde mich interressieren ob dies besser ist, habe auch einige in Hochformat.
    Bei Gelegentheit werde ich dies aber wiederholen und die Tips befolgen.

    Danke für die Kritik, so kann ich mit anderen Augen sehen.

    Mfg Alexander Rieber

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