Bildjournalismus:
Auch Mitzieher brauchen Schärfe

Bewegungsunschärfe bietet ein hauptsächliches Problem bei der Aufnahme: Das bewegte Objekt sollte im Gegensatz zum verwischten Hintergrund scharf bleiben.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Peter von Känel).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Peter von Känel).

Kommentar des Fotografen:

Speed. Korat, Thailand. Das Bild lebt von den Farben und der Atmosphäre. Der Dreiradfahrer bewegt sich geschickt durch den Abendverkehr. Durchs Mitziehen vermischen sich die Farben und Lichter. Schwache Vignette hinzugefügt.

Profi Stuart Schwartz meint zum Bild von Peter von Känel:

Ein Mann in Sommerlicher Kleidung fährt in dieser durchgehend bewegungs-unscharfen Fotografie auf einer schwarzen Fahrradrikscha von links nach rechts auf einer Strasse in der Stadt durchs Bild. Die Rikscha mit Dach scheint mit einem Sack oder einer hellen Decke bepackt zu sein und macht einen robusten, leicht altmodischen Eindruck. Das Licht ist sehr gedämpft, es scheint Dämmerung zu herrschen, im Hintergrund sind die brennenden Lichter in den Ladengeschäften als weisse Linien zu erkennen.

Du hast hier versucht, die schnelle Fahrt der Rikscha mit einem Mitzieher einzufangen und dabei eine längere Belichtungszeit gewählt. Das war durchaus erfolgreich, und die Aufnahme zeigt eindeutige Bewegung des Fahrrads. Der Wischeffekt ist wie geünscht entstanden.

Aber in diesem Fall funktionieren einige Dinge der Technik nicht vollständig zugunsten des Bildes.

uch wenn nicht alle Umstände ideal waren, hätte es noch einiges gegeben, das Du hättest besser machen können.

Mein grösster Einwand ist, dass wenigstens ein Teil des Bewegten Objekts scharf im Fokus sein müsste. Es braucht keine vollständige und absolut prickelnde Schärfe, aber ein Mindestmass ist erforderlich, schon um das Objekt vom verwischten Hintergrund abzuheben.

Mit dem Motiv in genau dem gleichen Tempo mitzuziehen ist schwierig, aber das eigentliche Ziel einer solchen Aufnahme. Dabei kann es durchaus sein, dass nicht das ganze Fahrzeug, aber zumindest ein Teil der Rikscha, am besten der Fahrer selbst, im unbewegten Schärfezustand bleibt. Mit einer Verschlusszeit von 1/6 Sekunde sollte das durchaus zu bewerkstelligen sein.

Dazu solltest Du beim Mitziehen die Serienfeuerfunktion benutzen und das Motiv konstant im gleichen Ausschnitt des Suchers behalten.

Du sprichst in der Beschreibung vom “Abendverkehr”, aber im Bild ist neben der Rikscha nur ein einziges weiteres Fahrzeug zu sehen – das sagt nicht “Verkehr”. Dabei wäre die Dynamik der Rikscha, die durch dichten Verkehr rauscht, ein wunderbares Motiv – aber dem Bild fehlt wie gesagt diese Dichte.

Bild

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Ausserdem hat der eine Wagen im Hintergrund zu Deinem grossen Pech genau die gleiche Farbe wie das Gepäck auf dem Rücksitz der Rikscha hinter dem pedalenden Fahrer. Hier wäre eine andere Farbe unabdingbar. Ich habe das Bild beschnitten, um die Komposition zu verbessern, und sehr grob und schnell die Farbe des Fahrzeugs hinter der Rikscha ausgetauscht, nur um meine Argumentation zu untermauern.

Angesichts der guten Ansätze und des schönen Motivs schmerzt es ein bisschen, wenn ich urteilen muss, dass Dir trotz deiner Sorgfalt kein wirklich gutes Bild gelungen ist.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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Ein Kommentar

  1. Ich finde die Doppelbilder an den Fahrradteilen sehen merkwürdig aus. Als hätte ein überforderter Bildstabilisator die Aufnahme zerhackt.

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