Peter Lindbergh:
Mode auf der Straße

Ungeschönte Bilder statt gelangweilter Model-Posen: Peter Lindbergh durchbricht die künstliche Welt der Modefotografie – Straße statt Studio.

Natürlichkeit gibt Lindbergh, einer der weltweit renommiertesten Modefotografen, als Maxime an. Trotzdem inszeniert er seine Bilder sorgfältig, auch wenn die aktuell in Berlin zu sehenden Straßenfotografien einen unkalkulierbaren Anteil enthalten.

Ob Sharon Stone, Madonna, Linda Evangelista, Tatjana Patitz, Naomi Campbell, Jeanne Moreau, Penélope Cruz, Catherine Deneuve oder Uma Thurman – Peter Lindbergh hat sie alle fotografiert. Hinter dem Starkult will er das Individuum in all seiner Stärke und Zerbrechlichkeit aufspüren.

“Der Blick des Fotografen Peter Lindbergh belässt den Menschen und den Dingen ihre Eigenständigkeit”, schreibt Ausstellungsmacher Klaus Honnef, der einen Teil der Bilder der Berliner Ausstellung zusammengestellt hat. Und:

“Lindbergh begreift den Schauplatz des Fotografierens als eine Bühne, auf der sich dank wechselseitigen Handelns ein Spiel vollzieht, in das alle Beteiligten inklusive der jeweiligen Umstände und der notwendigen Apparatur gleichberechtigt eingebunden werden. Es gehört zu den selbstverständlichen Maximen dieses Konzepts, dass jederzeit etwas Unerwartetes in das Geschehen einzubrechen und dem Vorhaben eine überraschende Wende zu geben vermag. Insofern ragt stets ein Moment unberechenbarer Realität in Lindberghs Ästhetik hinein und erfährt dank flexiblen Reagierens seine Vergegenwärtigung.”

Peter Lindbergh durchbricht die perfekte Künstlichkeit der theatralisch überspitzen, gekonnt gelangweilten Modell-Pose und gibt so der Modefotografie eine neue Dynamik, so teilt das C/O Berlin mit. Auch wenn er seine Fotografien detailliert inszeniere, erscheinen sie oft als zufällige Schnappschüsse oder Reportageaufnahmen mit einer düsteren, fast surrealen Atmosphäre und puristischen Ästhetik. Peter Lindbergh verzichte auf dominierende Hintergründe und überflüssiges Beiwerk und schaffe so eine klare, expressive Bildsprache meist in feinen Schwarzweiß-Tönen. Er sei ein visueller Geschichtenerzähler – seine Fotografien arrangiert er häufig nach berühmten Filmszenen oder arbeitet mit fotografischen Zitaten, um die Persönlichkeit der Porträtierten intensiver herauszuarbeiten. So ist für Lindbergh Mode nur Anlass für ein Bild oder Geschichte, um eine Lebenshaltung einzufangen, die jeweils dem Porträtierten als ureigenste angehört und zugleich beispielhaft ein Stück Kulturgeschichte dokumentiert.

Peter Lindbergh, Jahrgang 1944, hatte ursprünglich Schaufensterdekorateur gelernt, später Kunst und Design studiert. 1973 machte er sich als Fotograf selbständig und publizierte 1978 im Stern seine ersten Modeaufnahmen. Alle wichtigen Modemagazine folgten – von Vogue und Vanity Fair über Marie Claire, Harper`s Bazaar bis zu The New Yorker und Rolling Stone. Seine Bilder fanden Eingang in die Museen und wurden in zahlreichen Büchern veröffentlicht. Daneben drehte er Werbespots, Dokumentationen und Musikvideos zum Beispiel für Tina Turner oder die Toten Hosen. Über all das finden wir Informationen auf Peter Lindberghs Website.

Das C/O Berlin präsentiert mehr als 120 Bilder und Filme aus dem Gesamtwerk von Peter Lindbergh – von seinen Klassikern und Ikonen der Modefotografie bis hin zur Berlin-Serie aus der Vogue von 2009. Die Ausstellung gliedert sich in drei Teile. Zum einen gibt es einen starken Bezug zu Berlin, da Peter Lindbergh seit über zwanzig Jahren die Stadt und seine Bewohner fotografiert. Zwei neue Serien heißen “On Street“ – die Straßenbilder – und “Looking At“. Zur Ausstellung erschien ein Katalog im Schirmer/Mosel-Verlag, München: On Street (Affiliate-Link).

Peter Lindbergh – On Street
Bis 9. Januar 2011
C/O Berlin, Postfuhramt, Oranienburger Straße 35/36, D-10117 Berlin
+49 (0)30-28 09 19 25, info@co-berlin.com
Geöffnet täglich von 11 bis 20 Uhr

Peter Lindbergh
C/O Berlin

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2 Kommentare

  1. oro
    schrieb am 6. Dezember 2010 um 21:49 Uhr (#)

    Für mich ganz neue Einblicke in die Street Fotography. Gefällt mir sehr. mein Kompliment an Herrn Lindbergh.

  2. artpate
    schrieb am 15. Dezember 2010 um 20:53 Uhr (#)

    Na ja, als Street Photography sind Lindbergh’s Aufnahmen sicher nicht zu bezeichnen. Er ist einfach ein Lifestyle- und Modefotograf, allerdings ein sehr Guter. Übrigens wurde die Lindbergh Ausstellung in Berlin bis zum 16.Januar 2011 verlängert.

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