Blumenfoto:
Hohe Messlatte

Blumenfotos kranken oft daran, dass sie aus mehreren Gründen bevorzugtes Fotomotiv von Amateurfotografen sind.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Ingrid Menz).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Ingrid Menz).

Kommentar des Fotografen:

Nokia K810i

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Ingrid Menz:

Blumen sind schön. Die einen mögen bestimmte Sorten lieber als andere, aber im Grunde sind sich da die meisten Menschen einig: Blumen sind schön. Das liegt zum einen daran, dass sie so schön leuchtende Farben haben, vor allem, wenn die Sonne durch die etwas transparenten Blütenblätter strahlt und zum anderen daran, dass Blumen so gut wie immer symmetrisch sind.

Diese wohlgeordneten Formen in Kombination mit leuchtenden Farben empfinden wir als schön.

Neben diesen ästhetischen gibt es zwei weitere Gründe, warum vor allem Fotografie-Anfänger Blumen sehr gerne ablichten: Sie sind meist im heimischen Garten leicht anzutreffen – und sie bewegen sich nicht. Damit sind sie ein ideales Übungsobjekt für Foto-Amateure. Ich weiß das, weil ich mich selbst am Anfang im Garten meiner Mutter an Blumenaufnahmen versucht habe.

Trotzdem sind Blumen nicht die einfachsten Fotomotive. Der Grund ist paradox: Eben weil viele Menschen gerne Blumen fotografieren, hat sich die Messlatte im Laufe der Zeit immer weiter nach oben geschoben. Eine kleine Spinne auf einer Blüte, wie hier unten links, vermag das Genre nicht zu durchbrechen.

Aber als Blumenfoto weist das Foto von Ingrid Menz drei typische Anfängerfehler der Blumenfotografie auf. Zum einen fotografiert sie direkt von oben auf die zarte Pflanze. Das lässt zwar die Symmetrie gut erkennen, sorgt aber für einen unruhigen, dunklen Hintergrund (Erde, Gras), der das Foto unästhetisch wirken lässt.

Außerdem hat sie keine perfekte Blüte gewählt, sondern ihr Motiv hat gewellte, getrocknete Blütenränder. Das gilt es zu vermeiden.

Drittens läßt sie die Blume an ihrem Platz, was zwar ökologischer ist, aber den kompositorischen Freiraum deutlich beschränkt.

Wer sich beherzt einige eigene Blüten pflückt (und sie notfalls in der heimischen Vase beherbergt), hat mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Der unruhige Hintergrund ist weg, mehr Kompositionsmöglichkeiten bieten sich und man sucht sich das schönste Exemplar raus.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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9 Kommentare

  1. Sony Ericsson ;)

  2. @ R.K.->> Hohe Messlatte??

    Zitat:
    Wer sich beherzt einige eigene Blüten pflückt (und sie notfalls in der heimischen Vase beherbergt), hat mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen…
    Zitat Ende

    MUSS MAN ZU DEM RATSCHLAG NOCHWAS HINZUFÜGEN?
    Darf bezweifelt werden, sagt genug aus…

    Ich denke die absolute Mehrheit der Fotografen distanziert sich voll von solch “geistreichen” Äußerungen! Ich gehe selbstverständlich davon aus, daß Ihnen im Eifer des schreibenflash`s dies irrtümlich passiert ist oder? Alternativ aufgrund fehlendes, regionalen, Grüns der Sauerstoffgehalt auf unter 21% gesunken ist?? Vorsicht Co² ist geruchsfrei und führt u.U. zu solch Äußerungen.

    • Die CO2-Bilanz zu diskutieren ist lieb gemeint. Tatsächlich dürfte jeder Kommentar im Internet mehr CO2 freisetzen, als eine ausgewachsene Blüte vor ihrem Absterben je verstoffwechseln kann. Genug zum Troll!

      Roberts Ratschläge sind gerade von Anfängern leicht umzusetzen und bringt sie in diesem Sujet mit Sicherheit ein ganzes Stück weiter. Solche konstruktive Bildkritik ist intelligenzfreier Lobhudelei vorzuziehen.

      Und noch eins: Die Vorschläge eines Kritikers sind doch kein Gesetz. Niemand hat etwas dagegen, wenn ein Fotograf auf anderen Wegen zu ansprechenden Ergebnissen kommt.

  3. @frank:

    Sorry, ich verstehe Deinen Kommentar nicht. Meinst Du, man dürfe keine (eigenen) Blumen pflücken oder dass das Foto entgegen meiner Meinung doch sehr gelungen sei?

    Grüße, Robert

  4. Sorry,

    mit Ihren “eigenen” hatte ich überlesen, damit können sie selbstverständlich machen was Sie wollen.

    Machen würd ich es trotzdem nicht, das ist ein Foto schlicht nicht wert. Das ist allerdings Ansichtsache und wäre für mich ein Ausschlußkriterium.

    Gruß
    Frank

  5. Zunächstmal gebe ich frank recht: Blumenpflücken mag für Studiofotografen mit Hang zum Perfektionsimus in Ordnung gehen, es gibt aber definitiv andere Philosophien. Wer viel in der Natur unterwegs ist und dort fotografiert wird besser keine Plastiktüte voll Blumen heimschleppen. Wer im Hochgebirge unterwegs ist sollte mir besser nicht über den Weg laufen beim Blumenpflücken!
    Ich gebe Robert recht, etwas mehr Mühe kann man sich schon machen. Wie man das auf die Spitze treibt im Amateurbereich blogt zum Beispiel Zoomyboy. Das finde ich jetzt auch wieder grenzwertig und geht im Gebirge ebensowenig, es sei denn man schleppt halt einfach gern. Aber da kann man angenehmere Dinge schleppen als Stativ und Glas.
    Die Messlatte liegt im Blumenbereich hoch? Naja, welche Messlatte denn genau? Die für Hochglanzmagazine und Postkartenmotive sicher. Aber: Stil ist durch nichts zu ersetzen.
    Also bevor jetzt alle losrennen und sterilperfekte Studioblütenmakros mit Kunstlicht und monochromem Hintergrund schiessen: Man kann auch in der freien Natur tolle Blumenbilder machen!
    Einige Hinweise:
    Tiefenschärfe: Schwierger Kompromiss, gerade wenns ohne Stativ gehen soll. Zu weit offene Blende, leider nur die Blütenspitze scharf. Zu weit zu, zwar theoretisch ganze Blüte scharf aber alles verwackelt. Hm.
    Hintergrund: Nicht unterschätzen sollte man den Effekt, dass im Makrobereich der Lichtabfall mit der Entfernung den Hintergrund relativ zuügig nachdunkelt. Das lässt sich gezielt nutzen, um die Blüte frei zu stellen. Auch immer gut: Wiederholungen. Wenn Blüten in Gruppen leben (und diese sozialen kleinen Dinger machen das häufig…) mal sehen ob sich daraus ein Tiefengestaffeltes Arrangement zaubern lässt. Drittelregel nicht vergessen, dann kann das schon was werdn.
    Ausschuss: Wird im Lauf der Zeit nur ganz allmählich weniger.
    Perfektion: Nice to have.

  6. @Frank (und Michael): Genau deswegen habe ich sehr bewußt “eigene Blüten” geschrieben. Ich fände es ökologisch auch sehr frevelhaft Blumen in “freier Wildbahn” den Garaus zu machen, aber wer sie in seinem eigenen Garten, eventuell sogar mit Hinblick auf eine spätere fotografische Verwendung, anbaut, darf das mal machen.

    @Michael: Aber natürlich gibt es auch “Wiesenblumenfotos”, welche das gezeigte Foto von der Qualität deutlich übersteigen, zum Beispiel http://www.flickr.com/photos/23740556@N06/4859487563/ oder http://www.flickr.com/photos/nespyxel/5050091485/ , deswegen würde ich das mit der “hohen Messlatte” nicht nur auf kommerzielle Blumenfotos beschränken.

  7. Irgendwie finde ich den Kommentar bzw. die Analyse von Herrn Kneschke mit einem allzu großen negativen Touch versehen, der Anfänger erschrecken könnte. Natürlich gebe ich ihm recht, wenn er schreibt, dass die Messlatte bei Blumenfotografien immer höher gesetzt wird, weil viele Menschen, die mit der Fotografie beginnen, sich mit Blumen beschäftigen. Aber die Bewertung einer “Messlatte” wird doch durch Profis vorgenommen und nicht durch Anfänger. Und für diese führen – so meine Meinung – Blumenfotografien zu einem selbstlernenden Prozeß und fordern heraus.

  8. meine güte, was für ein aufriss wegen eines wirklich schlechten bildes

Ein Pingback

  1. [...] hat sie im Garten, seine Idealvorstellung im Kopf und es gibt eine schier unglaubliche Masse an atemberaubenden Blumenfotos, gegen welche die eigenen Fotos konkurrieren müssen.Claudia Portmann-Caminada hat diese Aufgabe [...]

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