Beinschnappschuss:
Kunst ist kein Zufall

Einfach abdrücken und hoffen, damit einen genialen Schnappschuss oder sogar ein gut durchkomponiertes Foto mit einer nennenswerten Aussage zu erhalten, ist in der Fotografie selten von Erfolg gekrönt.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© peter gutzat).

Kommentar des Fotografen:

wieder der moment/grafierer, entscheidungen werden sofort abgelichtet. das auge entscheidet, nicht die vernunft!!!

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von peter gutzat:

Ein Foto kann durch eine Aussage wirken, weil es eine Geschichte erzählt oder eine Emotion vermittelt; es kann durch ein auffälliges oder schönes Motiv beeindrucken oder durch Form, Farbgebung oder Symmetrie entzücken.

Bei Schnappschüssen und auch im Bereich „Dokumentation“, in dem dieses Foto eingereicht wurde, steht meist die Aussage im Vordergrund, entweder tragisch berührend oder durch Humor erheiternd.

Diese Fotografie zeigt Schuhe auf dem Bürgersteig in Bewegung. Das hat in dieser speziellen Konstellation leider keinen dokumentarischen Wert, noch ist es in irgendeiner Form witzig – und auch in der Komposition ist es nicht aussergewöhnlich.

Der Fotograf Peter Gutzat meint in seinem Kommentar zum Foto, dass das Auge entscheiden würde, nicht die Vernunft.

Bei letzterem kann ich ihm Recht geben, da sich mir keine sachliche Aussage im Bild erschließt. Aber auch das Auge schien leider einen schwachen Moment gehabt zu haben, denn weder durch Farbe, Form, Symmetrie, Muster oder andere Kompositionsregeln oder Brüchen derselben schmeichelt das Foto dem Auge. Beispielsweise sind fast alle gezeigten Beine und Schuhe schwarz oder blau und füllen so das Foto mit vielen dunklen Flächen, die ineinander fließen und so die Menge der Beine unklarer wirken lassen.

Ehrlich gesagt wirkt das Foto eher so als hätte der Fotograf seine Kamera mit dem 200mm-Teleobjektiv um die Schulter gehangen, dort hätte es gebaumelt und aus Versehen drückt der Auslöser an den Körper und macht schräg nach unten ein Foto. Einen künstlerischen Anspruch kann ich leider beim besten Willen nicht erkennen.

Aber angenommen, es gäbe einen Grund, Beine in Bewegung zu fotografieren. Wann würde so ein ähnliches Foto interessanter wirken?

Eine Möglichkeit wäre das Spiel mit der Bewegungsunschärfe. Wer seine Kamera auf ein – tiefes – Stativ stellt und eine Belichtungszeit von ein bis fünf Sekunden wählt und auf ein Paar Beine wartet, welches im Gegensatz zu den anderen Passanten für diese paar Sekunden pausiert, würde ein Foto mit vielen verwischten Beinen und einem scharfen Paar erhalten.

Eine andere Möglichkeit wäre, inmitten dieses schwarzen Getümmels auf ein knallbuntes, helles Paar Schuhe zu warten oder auf eine Person mit Krücken oder einen Menschen auf Rollschuhen bzw. Inline-Skatern oder ein kleines Kind oder eine Person, die in die Luft springt und so weiter.

Klar, das sind alles Faktoren, die eher selten sofort auftauchen, aber genau deshalb wäre so ein Foto für den Betrachter deutlich interessanter als die graudunkle Mischung alltäglicher Schuhe auf dem Bürgersteig. So bleibt das Foto höchstens für Sekundenbruchteile im Gedächtnis.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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6 Antworten
    • peter gutzat says:

      guten tag,

      das foto hat auch sein gutes.es dient zur aufklärung,
      wie es der knipser NIE eeeee machen sollte.

      es ist gelinde ausgedrückt SAU/SCHLECHT…..
      ich weis,spart eure anmerkung,macht was vernünftiges.

      einen schönen 2. weihnachtstag,ein fotoreiches 2011

      peter gutzat…………………….

  1. vulva says:

    Einfach in der Hoffnung abdrücken, einen genialen Schnappschuss zu machen? Bei diesem „Schnappschuss“, der für mich vollkommen ohne Inhalt und Aussage ist, fallen mir die Worte von Matt Hardy ein: „….beauty can be seen in all things, seeing and composing the beauty in what separates the snapshot from the Photograph“. Dieses Foto wird sich bei mir nun selbst beim besten Willen nicht als „beauty“ in Erinnerung bleiben.

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  2. Matthias says:

    Das Auge des Betrachters entscheidet und meins sieht hier ein uninspieriertes Zufallsprodukt, das genauso lieblos erstellt wurde wie der Kommentar des Einlieferers. Der Kritik von Hr. Kneschke ist nichts mehr hinzuzufügen.

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