Architekturbild:
Präzision ist das A & O

Bei Architekturaufnahme ist eine hohe Präzision und eine klare Gestaltung gefragt. Beides gelingt bei dieser Aufnahme sehr gut. Das besondere Format, das sich ganz am Motiv orinentiert, verstärkt die Gesamtwirkung.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Fabian Heusser).

Kommentar des Fotografen:

Entstanden während der Besichtigung einer Glashütte. Einzelne Fensterzeile der Fertigungshalle mit Herbstwald im Hintergrund. Mit Ligthroom gegrädet und der Kontrast mittels Kurven erhöht. Das ungewöhnliche Format ergibt sich aus dem Objekt – aufgrund des Gegenlichts ist die Umgebung der Fensterzeile schwarz. Mir persönlich gefällt die Metapher der Scheiben zu Pixeln und deren spielerische Umgang damit. Auch wie das Glas der farbige Herbstwald verändert und die schräggestellten Fenster einen „ungetrübten“ Blick auf diesen freigeben. Man verliebt sich zuweilen schnell in seine eigenen Bilder, darum würde mich interessieren, ob dies in diesem Fall berechtigt ist oder nicht.

Profi Martin Zurmuehle meint zum Bild von Fabian Heusser:

Als Architekt fühle ich mich von dieser Aufnahme sehr angesprochen. Aber ich bin als Architekt auch sehr anspruchsvoll, was gute Architekturbilder angeht:

Es braucht auf der einen Seite einen klaren Blick auf die besondere Schönheit eines Bauwerks, auf der anderen Seite aber auch eine gute Aufnahmetechnik und eine grosse Präzision bei der Ausführung. Zudem brauchen Architekturbilder eine gut erkennbare formale Gestaltung, wenn sie auch stark wirken sollen. Diese Faktoren sind dir bei diesem Bild sehr gut gelungen. Besonders gut gefällt mir das längliche Bildformat. Dieses Bild im Grossformat ausgedruckt und an einer grossen weisse Wand präsentiert, würde eine sehr starke Wirkung entfalten (sofern du dazu genügend Auflösung hast).

Du hast den Aufnahmestandort sehr präzise gewählt, genau in der Mitte der Front. Schon kleine Abweichungen davon würden im Bild als leichte Verzerrung sichtbar werden. Dein guter Blick für das gestalterische Potential der Situation zeigt sich in der interessanten Kombination der sechs Felder. Die offenen Fenster bilden eine ähnliche Symmetrie wie die ganze Fensteranordnung. Dieser sehr strengen Gestaltung stehen aber verschiedene kleinere und grössere Abweichungen entgegen (wie zum Beispiel die dunklen Scheiben oben links) und lockern diese wieder etwas auf. So entsteht ein spannendes Wechselspiel zwischen Symmetrie und Abweichung.

Es gibt trotzdem noch ein paar Kleinigkeiten, auf die ich dich gerne hinweisen möchte (wir „nörgeln“ aber auf sehr hohem Niveau). Von allen die strenge Gestaltungsregel brechenden Elementen hat meiner Meinung nach nur das Geländer auf der linken Seite eine ablenkende Wirkung (weil wir den Zusammenhang nicht genau erkennen können). Auch ist es dir nicht zu 100 Prozent gelungen, die umlaufenden Fensterrahmen gleich dick zu zeigen. OK, das wird kaum jemand bemerken, aber für mich als Architekt sind es manchmal diese ganz kleinen Unterschiede, die einen Einfluss auf die Bildwirkung haben.

Leicht angepasst: Das Geländer links fehlt.

Noch ein letzter Punkt. Das Histogramm der Aufnahme zeigt in den Lichtern leichte Verluste. Zudem zieht der helle Bereich auf der rechten Seite den Blick etwas nach aussen. Versuche mal in der Bildbearbeitung diesen Bereich etwas abzudunkeln und so den Blick mehr ins Bildzentrum zu führen. Ich habe zum Vergleich eine Bildvariante ohne Geländer links, mit etwas dickeren Fensterrahmen an den Seiten und mit abgedunkelten Scheiben rechts erstellt. Der Unterschied ist nicht gross, aber erkennbar.

Fazit: Eine sehr kreative und gut gemachte Architekturaufnahme mit einem ungewöhnlichen, aber wirkungsvollen Bildformat.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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5 Antworten
  1. Fabian Heusser says:

    Hallo Roland

    Noch zur Blende: Es war ansonsten recht Dunkel im Raum, und im Lightroom sehe ich, dass ich bei den Bildern davor und danach die Blende auch gebraucht habe. Ich nehme jetzt mal an, dass ich diese einfach so gelassen habe.

    Das ist ein bisschen der Nachteil dieses Objektivs, da es für meinen Geschmack in allen Blenden sehr gute Bilder liefert (ausser vielleicht der Vignetierung), man wird bequem und passt die Blende nicht an.

    Die „Fingerkuppe“ im 2. Block von Rechts ist ein Lüftungsrohr, welches dort nach draussen führt. So auch im letzten Block, da ist dieses aber dunkler. Ich habe hier mal eine Korrigierte Version hochgeladen: http://kleinbild-verlag.ch/download/2010103000_084-Bearbeitet.jpg

    Von der Verzerrungs- & Perspektiven-Korrektur in Lightroom habe ich bei diesem Bild schon eine Menge profitiert.

    Gruss

    Fabian

    Antworten
  2. Martin Zurmühle says:

    Hallo Roland
    Ich teile deine Meinung. Ein Beschneiden würde das Besondere dieses Bildes wieder abschwächen. Zudem erhalten die 4 Flügelfenster durch die geschlossenen Seitenflächen eine grössere Betonung und mehr Raum. Die kleinen dunklen schwarzen Flächen rechts haben mich nicht gestört, weil sie die dunkle grössere braune Fläche links ausbalancieren.
    Die Blende 2,8 bei 24 mm und dem für diese Aufnahme benötigten Motivabstand hat eine genügend grosse Schärfentiefe. Die Verzerrung selbst wird durch die Brennweite stärker beeinflusst als durch die Blende. Hingegen zeigt die Blende 2,8 bei den meisten Objektiven eine wesentlich unschärfere Detailzeichnung wie die Blende 4 oder 5,6. Bei Blende 8 und 11 zeichnen praktisch alle Objetive am schärfsten.
    Viele Grüsse
    Martin

    Antworten
  3. Roland Horni says:

    Gratulation zu dem gelungenen Bild. Mir gefallen solche Motive auch. Und dass bei diesen auf Präzision, – bezüglich der Symmetrie, Ränder, Verzerrungen, etc. – geachtet werden muss, versteht sich von selbst. Deshalb fällt mir dieses „Etwas“ auf, das im unteren rechten Teil des Bildes, im zweiten schwarzen Block von rechts sehe,das wie eine Fingerkuppe erscheint, oder, vielleicht auch ein oberer Teil eines Kopfes, der durchs Fenster guckt. Hier hätte ich, wie Martin bei den Rändern und dem Geländer links, mit Photoshop nach gebessert.

    Den Vorschlag von Swonkie hingegen finde ich nicht so überzeugend, denn wenn man das Bild so kappt, ginge doch einiges an der Wirkung, die eben auch durch dieses Panoramaformat entsteht, verloren. Zudem müsste man oben den dickeren Rand nach rechts verlängern, ansonsten es die Proportionen doch stören würde. Mich nähme wunder, was Martin dazu sagen würde.

    Eine Frage an den Autor:
    „Wieso fotografierst Du so ein Objekt, bei dem man kaum genug Schärfe haben kann, mit Offenblende“? (wenn denn die Exifdaten dazu stimmen – 1/1250s – f/2.8 – ISO 200 – 24mm – ) Die Belichtungszeit hätte eine um bis zu zwei Blenden kleinere Blende ertragen, auch schon auf Grund der Brennweite. Ausserdem ist in diesem Bereich die Objektivleistung am grössten, die Verzerrungskorrektur auch geringer. Wer DxO Optics Pro Elite oder Lightroom 3.3 auf dem Rechner hat, dem hilft diese Software natürlich, die Objektivverzerrungen zu eliminieren. Doch es ist schon so wie Martin sagte: Nörgeln auf hohem Niveau.

    Antworten
  4. Fabian Heusser says:

    Vielen herzlichen Dank für die aufschlussreiche Kritik, diese bringt mich weiter. Es bestätigt für mich, dass für perfekte Bilder die Liebe zum Detail unabdingbar ist.
    Das mit dem Geländer kann ich sehr gut nachvollziehen, und jetzt wo ich es sehe bin ich auch der Meinung, dass es weg muss. So auch das mit dem schwarzen Ramen.

    Nach konsultation der Rohdaten sehe ich dass die Überbelichtung erst durch die Bearbeitung mit Kurven im Lightroom entstanden ist, und wurde von mir in Kauf genommen. Ich habe mich bisher nicht davor gescheut, der volle dynamik Umfang auszunützen, so lange keine Details verloren gehen.

    Nochmals herzlichen Dank!

    Antworten

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