Porträt:
Reduktion betont auch Fehler

Bei einfach komponierten Bildern treten störende Elemente noch störender zu Tage. Das gilt insbesondere, wenn sie eines der wenigen farbigen Elemente im Foto sind.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Christian Kreutzmann).

Kommentar des Fotografen:

Entstanden ist dieses Bild fuer eine Serie von verschiedenen Gesichtsausdruecken. Ziel war bei diesem Bild eine gewisse Art der Unschuld zu zeigen. Vielen Dank fuer Ihre Zeit.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Christian Kreutzmann:

Eine hübsche junge Frau, ganz in weiß gekleidet, blickt uns unverwandt an. Sie hat die Hände hinter ihrem Kopf verschränkt. Weiß ist eine Farbe, die man in der westlichen Welt mit Reinheit, mit Unschuld verbindet.

Du hast hier ein schön beleuchtetes Studio-Porträt geschossen und es meines Erachtens gut nachbearbeitet. Es könnte ein rund herum gutes Bild sein:

wenn da nicht die lila/grauen Streifen hinter ihrem Kopf wären. Diese „wachsen“ ihr aus Kopf und Armen und sind durch die Komposition, Art der Aufnahme und übrige Farbenwahl (weiß in weiß) viel zu prägnant und entsprechend ablenkend. Selbst, wenn das Modell mehr freigestellt gewesen wäre, hätten sie mich äußerst gestört.

Ich hätte die junge Frau vor einen rein weißen Hintergrund gestellt. Durch die Beleuchtung, die Du im übrigen gewählt hast, wäre genügend Kontrast im Bild gewesen, um den Körper der Frau vom Hintergrund abzuheben – das hat ja auch im unteren Bildbereich gut funktioniert. Wenn Du Bedenken hattest, daß dann ihre Haare und Gesicht zu sehr wie im Bild schwebend gewirkt hätten, hätte man an eine klassische High Key Aufnahme denken können.

Was das „Ziel“ des Fotos angeht, so habe ich bereits an anderer Stelle erwähnt, daß Fotos aus sich heraus wirken müssen. Ohne zu wissen, was Du intendiert hattest, sollte es dem Betrachter einen Eindruck vermitteln – und der ist nicht unbedingt für jeden gleich. Es gibt generell so etwas wie Bildersprache, insbesondere etwa in religiöser Kunst, wo bestimmte Farben und Symbole etc. für bestimmte Dinge stehen. Man kann in den Gesichtsausdruck des Modells durchaus Unschuld hineinlesen, aber auch durch ihre Armhaltung etwas anderes. Abwarten? Trotz?

Ich würde mich freuen, wenn Du mir einen Link zu den übrigen Fotos in der Reihe schicken würdest. Ansonsten würde ich hier entweder die Streifen wegretouchieren (dürfte im Bereich der Haare schwierig werden) oder die Aufnahme ohne den Hintergrund wiederholen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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3 Antworten
  1. Christian Kreutzmann says:

    Ich moechte mich erstmal bedanken fuer die Kritik.

    Um das Problem der Streifen und der abgeschnittenen Arme weiss ich, diese waren mir vor dem „knipsen“ schon bekannt, nahm sie aber gerne in Kauf. Es ist an dieser Stelle vielleicht wichtig zu erwaehnen, dass ich derzeit noch Schueler der 13. Klasse eines Gymnasiums. Daher fehlen mir auch die Mittel, um einen teuren Studiobesuch zu finanzieren. Doch Not macht bekanntlich erfinderisch und so habe ich mein Bad (der Hintergrund ist der Uebergang zwischen Fliesen und Tapete) in ein „Studio“ verwandelt und dieses Shooting mit einer guten Freundin veranstaltet.

    Ein weiteres Bild sollte ueber meine Facebook-Seite aufrufbar sein. Bisher habe ich leider nur zwei Bilder mangels Zeit bearbeiten koennen, hoffe aber in den naechsten Tagen/Wochen mit den anderen zu beginnen.

    Danke nochmal fuer ihr konstruktive Kritik!!!

    Mit freundlichen Gruessen
    Christian Kreutzmann

    Antworten
  2. Swonkie says:

    das „weiss“ ist grün – war das absicht?

    mich stört ausserdem dass das kleid mit dem hintergrund verschmilzt und der glow effekt oder soft-focus oder was auch immer angewendet wurde ist für meinen geschmack zu heftig.

    die abgeschnittenen ellbogen finde ich auch problematisch.

    Antworten

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