Konzentrationslager:
Alles in einem Schatten

Ein Defizit an Information kann ein Bild spannend machen, wenn es den ursprünglichen Blickfang schafft.

Kommentar des Fotografen:

Die Aufnahme ist in der Ziegelbrennerei des Konzentrationslagers Neuengamme entstanden. Der Raum ist erschreckend dunkel, weil es nur wenige kleine Oberlichter gibt. Nur durch die geöffnete Tür fiel ein Strahl der tiefen Wintersonne.

Profi Stuart Schwartz meint zum Bild von Andreas Bemeleit:

In dieser Fotografie dreht sich alles ums Licht.

Das wichtigste, was passiert, wenn man dieses Bild öffnet, ist, dass man es ansehen will. Es enthält genug Information, um die Aufmerksamkeit zu halten, und zugleich nicht genug, um Antworten zu geben.

Woher stammt dieser Schatten? Wohin zeigt er? Wo sind wir hier überhaupt? Die Fragen lassen die Aufmerksamkeit nicht los:

Die Tatsache, dass es keine ausreichende Information für Antworten enthält, macht das Bild erfolgreich.

Man könnte sagen, es ist viel zu einfach, ich bin der Meinung weniger ist mehr. Das gesagt: Ich habe das Bild anders beschnitten als Du. Der gesamte Negativraum im Originalbild trägt nichts zu seiner Wirkung bei.

Der zweite Punkt ist, dass keine Balance besteht, wenn so viel Negativraum vorhanden ist. Gemäss den Kompositions-Grundregeln schwächt die ursprüngliche Komposition das Bild sogar.

Ein weiterer Punkt sind die Lichtbänder, welche die Aufmerksamkeit des Betrachters zur Türe him Hintergrund hin ziehen – ist das eine Türe, ein Durchgang? Wir wissen es nicht, aber nehmen wir es einmal an: Indem die ganz knapp sichtbaren Bänder aufgehellt werden, wird der Blick in diesen Hintergrund gelenkt. Ich finde, die Aufhellung sorgt für etwas mehr Spannung der Aufnahme, die Frage nach dem “wo” wird etwas drängender als im Original.

Wenn wir uns noch der Frage zuwenden, wie sich das Bild insgesamt hätte verbessern lassen, respektive welche anderen Optionen vorhanden wären. Auf der Suche nach Möglichkeiten bin ich auf die Weisstemperatur gestossen: Warum nicht, statt neutral zu bleiben, die Temperatur senken? Meiner Ansicht nach hilft das, das Bild etwas unbequemer zu machen und noch mehr Spannung zuzufügen.

Es lohnt sich, die Möglichkeiten auszuloten und zu experimentieren. In den Bildern steckt immer mehr als nur die ursprüngliche Aufnahme.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Kommentare

  1. jan
    schrieb am 21. Januar 2011 um 08:38 Uhr (#)

    Wichtigster Punkt ist m.E. das Aufhellen, vorher war es eine nette Bildidee, durch den Bezug zur Umgebung wird das Kopfkino in Gang gesetzt.
    Jan

  2. Christian Gruber
    schrieb am 25. Januar 2011 um 18:33 Uhr (#)

    Die Bearbeitung macht das Bild entdeckenswert. Die Originalversion wäre auf den Wechsel zwischen Licht und Schatten angewiesen, alleine es dominiert das Schwarz. Oft ist es gut, Personen im Bild Raum zum bewegen zu geben, nur hier funktioniert das nicht.
    Der Entstehungsort “Ziegelbrennerei des Konzentrationslagers Neuengamme” muss auch gleichzeitig als Bildname herhalten, ansonsten gibt es aber auch gar nichts im Bild, was auf einen geschichtsträchtigen Ort hindeutet. Wenn das nicht deine Intention war, dann würde ich es auch nicht erwähnen.

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