Pelikane in Pink:
Das Hirschgeweih-Syndrom

Menschen und Tieren sollte man in Fotografien möglichst keine Körperteile abschneiden. Aber auch keine Bäume, Hirschgeweihe oder zweite Köpfe wachsen lassen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Michael Sucker).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Michael Sucker).

Kommentar des Fotografen:

mit freundlicher Genehmigung des Tierpark Hagenbeck

Peter Sennhauser meint zum Bild von Michael Sucker:

Drei orange-rosa farbene Pelikane sitzen in diesem fast quadratischen Bild vor einem sehr dunklen Hintergrund freigestellt auf etwas, was wie ein Ast aussieht. Zwei der Vögel putzen sich intensiv das Gefieder; der dritte, in der linken Bildhälfte leicht von einem der beiden vorderen, nebeneinander sitzenden Vögel verdeckte, legt den Schnabel vom Betrachter abgewendet mit hochgrecktem Kopf an den Hals.

Was dieses Bild zum Blickfang werden lässt, sind die Farben und die Freistellung der drei Vögel:

Namentlich helle Tiere sind in der freien Wildbahn selten vor einen Hintergrund zu kriegen, der sie räumlich abhebt – und dieses Bild aus dem Tierpark Hagenbeck zeigt auch ein bisschen, wie Zoos geschickt die Gehege der Tiere so designen, dass diese am besten zur Geltung kommen (ich gehe davon aus, dass das Wohl des Tiers oberste Priorität hat).

In der Tierfotografie gibt es sozusagen drei Unter-Genres: Action-, Porträt- und Landschaftsfotografie, in der das Tier als Ausstattung seiner Heimat ein Bild bereichert.

In Zoos, wo wir Tierfotografie üben können, wird diese Art von Bild ausgeschlossen; das Aktionsbild aber, in dem ein Gepard eine Gazelle jagt, drei Weisskopf-Adler in der Luft kämpfen oder ein Reiher seinen Fisch ganz knapp verpasst, sind ebenfalls eher selten im Zoo zu kriegen.

Damit bleibt in erster Linie das Tierporträt als Zoo-Naturfotografie, bei dem vielfach auch störende Elemente wie Gehege und Gitter ausgeblendet werden können.

Diese Pelikane hier posieren somit geradezu wie in einem Studio, und Du hast den Hintergrund gut für eine die Freistellung genutzt.

Die vorderen beiden Vögel gehen dabei auch noch einer, wenn auch nicht spektakulären, so doch interessanten Tätigkeit nach: Die Verrenkungen, die ein Tier für die Gefieder-Reinigung machen kann und die Präzision, mit der es mit dem doch sehr langen Schnabel zu Werke geht, sind einen genauen Blick wert.

Aber in erster Linie sind es die Farben, die uns bannen, namentlich das Rosa, das im Gefieder gegen innen zu einem dunklen Rot wird: Erstens ist es eine Farbe, die Aufmerksamkeit erheischt und zweitens kennen wir in dieser Farbe vor allem Flamingos und weniger Pelikane.

Was ich an der insgesamt recht gelungenen und richtigerweise in ein Quadrat geschnittenen Aufnahme stört, ist der Kopf des Vogels im Hintergrund.

Er ist sozusagen das sprichtwörtliche Hirschgeweih, das dem im Wohnzimmer porträtierten Opa aus dem Kopf wächst: In der Porträt-Fotografie – und um eine solche handelt es sich hier im weitesten Sinne – muss der Fotograf besonders darauf achten, wie der Hintergrund oder andere Objekte seinem Motiv in die Quere kommen.

Hier sieht es so aus, als ob der linke Vogel zwei Köpfe habe: Nicht zuletzt wegen der starken Freistellung durch die Farben ist der Abstand der Körper links im Bild nicht auszumachen, und die beiden Vögel werden als einer wahrgenommen.

Daran lässt sich im nachhinein nicht mehr viel ändern, ausser Du schreckst vor intensiven und umstrittenen Photoshop-Arbeiten nicht zurück. Aber vor Ort, im Zoo, hättest Du vielleicht mit einem einzigen Schritt die Perspektive so ändern können, dass die Vögel besser getrennt wären.

Aus technischer Sicht fällt mir an diesem Bild ein relativ starkes Rauschen auf und eine chromatische Aberration ins Zyan an den Kopffedern der Vögel, die sich allenfalls in der Nachbearbeitung hätten korrigieren lassen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.

 

Mehr lesen

Blumenfotografie: Die volle Tiefe nutzen

1.8.2011, 0 KommentareBlumenfotografie:
Die volle Tiefe nutzen

Es lohnt sich bei Blumenfotografie, auf die Knie oder sogar auf den Bauch zu gehen, um eine andere Perspektive zu erreichen. Bei Freistellungen muss der Schärfentiefe viel Beachtung geschenkt werden.

Blumenbild: Freistellung und Redundanz

5.7.2011, 2 KommentareBlumenbild:
Freistellung und Redundanz

Wildblumen, die in grösserer Menge wachsen und dadurch prächtige Blumenteppiche bilden, lassen sich mit selektiver Schärfe besonders gut inszenieren.

Insektenbild: Wichtige Bildelemente freistellen

8.9.2010, 1 KommentareInsektenbild:
Wichtige Bildelemente freistellen

Bei einem Foto sollten die bildwichtigsten Elemente nicht von anderen Objekten überlagert werden.

Porträt mit extremem \

25.10.2011, 0 KommentarePorträt mit extremem "Makeup":
Auf Nebensachen achten

Wenn auch bei einem Porträt das Gesicht im Mittelpunkt steht, sollten andere Körperteile nicht vernachlässigt werden - insbesondere, wenn die Umgebung kontrollierbar ist.

Hundeblick: Zu viel Halbes

16.12.2009, 1 KommentareHundeblick:
Zu viel Halbes

Für Menschen, Tiere und andere Motive gilt: Bitte durch die Komposition nichts abschneiden. Oder aber fast alles.

Wildlife Fotos des Jahres 2011: Stillleben in Öl

9.1.2012, 0 KommentareWildlife Fotos des Jahres 2011:
Stillleben in Öl

"Stillleben in Öl" - so heißt das Wildlife-Foto des Jahres 2011, ausgewählt unter fast 41'000 Einsendungen aus 95 Ländern.

Naturfotografie: Blumen mit Wasserkraft

26.10.2011, 0 KommentareNaturfotografie:
Blumen mit Wasserkraft

Es scheint paradox: Blumen zu fotografieren sollte sehr einfach sein. Aber gelungene Blumenbilder sind eine Herausforderung. Hier wurde die Blume in einem Zustand fotografiert, den nicht jeder Fotograf sofort nachmachen kann.

Pflanzenbild: Zentraler Blickpunkt

6.10.2011, 2 KommentarePflanzenbild:
Zentraler Blickpunkt

Tropfen auf Blätterns sind sehr beliebte Motive für Fotografen. Hier gelingt es Alex Glawe einen schönen grossen Tropfen auf einem dunklen Blatt festzuhalten.

Konzeptfoto mit \

19.6.2012, 1 KommentareKonzeptfoto mit "Book Birds" - Die Grenzen zur Montage ausgedehnt

Mit digitalen Mitteln lassen sich immer noch neue fotografische Avenuen erschließen.

Naturschnappschuß: Stimmung pur

14.6.2012, 1 KommentareNaturschnappschuß:
Stimmung pur

Naturfoto: Auf den Hund gekommen

29.11.2011, 1 KommentareNaturfoto:
Auf den Hund gekommen

Schnappschussbereitschaft zahlt sich grade in Städten immer wieder aus.

Kommentar schreiben

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

* Pflichtfelder