Konzeptbild:
Kranker Teddy

Auch wenn das Motiv krank aussieht, muss das nicht für das Foto gelten. Zudem gilt, dass Aussage des Bildes und Lichtstimmung zusammen passen sollten.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Manja Sirch).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Manja Sirch).

Kommentar des Fotografen:

Der Teddy von meinem sohn. Er saß da so traurig, einsam, verletzt und verlassen. Ich hab das Foto nachträglich aufgehellt und gesättigt, was mir meiner Meinung nach nicht sehr gut gelungen ist. Allerdings hat das bild eine starke Aussagekraft, die in die richtung von mißhandlung geht.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Manja Sirch:

Es ist ein hinlänglich bekanntes Motiv: Ein einsamer Teddybär, möglichst alt und zerfleddert aussehend, vielleicht in einer dunklen Ecke oder achtlos in einem düsteren Kinderzimmer liegend. Häufig wird es in Zeitschriften zur Illustration von Themen wie Kindesmißbrauch oder sexueller Gewalt benutzt.

Diese Assoziation hattest Du selber auch. Jedoch schreibst Du, dass Du das Bild nachträglich aufgehellt und gesättigt hast:

Wenn das Motiv in die oben genannte Richtung wirken soll, sind beides genau die Effekte, die kontraproduktiv wirken. Hell wirkt optimistisch und freundlich, genauso wie satte, leuchtende Farben. Um eine bedrohliche, negative Stimmung zu erzeugen, wäre ein dunkles, schattenreichens Bild mit gedeckten Farben passender gewesen.

Dazu kommt, dass der Hintergrund ebenfalls weiß ist, die hellste aller Farbtöne (auch wenn Weiß offiziell nicht als Farbe zählt). Durch den reinweißen Hintergrund fehlt auch der Bezug zum Ort des Fotos, was einen Schnappschuss auch charakterisieren würde.

Doch egal ob Schnappschuss oder nicht: Auch die Komposition lässt zu wünschen übrig: Hier sind “Hände” und “Füße” des Teddybären angeschnitten. Das sollte bei Fotos von Menschen nicht so sein und ich finde, das darf auch für Teddys gelten. Auch das Ohr oben wird leicht geschnitten.

Wie könnte es besser gemacht werden? Eine oder zwei Lichtquellen schräg von hinten würden ein dunkles, konturiertes Bild erzeugen, bei kleinen Lichtquellen mit harten Schatten, bei großen Lichtquellen (Softbox o.ä.) mit weicheren Schatten.

Wer das Foto komplett inszenieren will, könnte den Teddy rundum verarzten (Beispiele).

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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Ein Kommentar

  1. Ich habe zu zwei Punkten eine andere Assoziation. Erstens der weisse Hintergrund: Er erinnert mich an ein Krankenhaus. Sterile Atmosphäre, man wird zwar vielleicht medizinisch versorgt, aber nur physisch, nicht psychisch. Das würde doch ganz gut auf die Beschreibung passen, dass es um Misshandlung geht? Zweitens die abgeschnittenen Extremitäten: Diese haben mich im ersten Moment zwar auch irritiert, aber gerade diese Irritation passt meiner Meinung nach wieder sehr gut zum Konzept der Misshandlung. Der Teddy wird auch vom “Fotografen” / von den Betrachtenden misshandelt. So gesehen ist das Bild zwar nicht sehr ästhetisch, aber es hat für mich eine enorme Aussagekraft.

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