Foto des Monats Januar:
Das Geisterhaus

Der Gewinner des ersten fokussiert.com-Monatspreises für das beste Bild im Januar steht fest: André Hofmanns Stilleben aus einem alten Sanatorium bringt ihm 100 Euro Preisgeld.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© André Hofmann).

Kommentar des Fotografen:

Das Bild entstand vor ein paar Wochen in einem verlassenen Sanatorium. Was mir an dem Motiv sehr gefällt ist, das es trotz seiner Einsamkeit soviel von seiner Vergangenheit erzählt und längst vergangenes Leben durchscheinen läßt. Während der Bearbeitung hat mich vor allem ein Lied bekleidet, „Fumblin‘ with the blues“ von Tom Waits. Von der Bearbeitung her ist es ein HDR-Panorama in schwarz/weiß ;-).

Profi Peter Sennhauser meint zum Bild von André Hofmann:

Am 23. Januar hat André Hofmann dieses Bild zur Profikritik eingereicht, das in der Endausscheidung die höchste Bewertung der Kritiker aus allen im Januar hochgeladenen Fotos erreicht hat. Die vier dicht dahinter platzierten Kandidaten sind auch nicht ohne. Wir zeigen sie hier mit einem Kurzkommentar. Wer sich für den Februar am Wettbewerb beteiligen will: Bedingungen lesen, eigenes Bild hier hochladen, Daumen drücken.

Die Finalisten: Achim Schrepfer, Anne Seltmann und zweimal Gerd Dörfler

Ein Konzertflügel steht in einem ansonsten leeren Raum in dieser Schwarz-Weiss-Fotografie. Der nur durch ein unverdecktes Fenster links beleuchtete Raum macht deutlich, dass es sich um ein verlassenes Gebäude handelt;

von den Wänden blättert die Farbe in grossen Stücken, eine Schiebetüre führt im Hindergrund zu einem weiteren, dunklen Raum; rechts öffnet sich unter einem Glaspaneel, das einen Drittel der Raumhähe von der Decke herunterreicht, ein grosser Saal, der ebenfalls fast ganz in Dunkelheit getaucht ist.

Auf die meisten Menschen haben verlassene Räume, in denen Überbleibsel aus vergangenen Zeiten herumstehen, eine beinahe magische Wirkung. Wir erleben den Zerfall nur noch selten, an wenigen Orten in unserer Umgebung wird das Leben an einem Punkt plötzlich eingefroren und die Umgebung der Zeit überlassen.

Auch hier steht nur noch dieser Flügel im Raum, alles andere wurde abtransportiert – und gerade das macht die Szenerie so surreal: Ein Konzertflügel ist nun nicht genau, was man als verlassenes Stück in einem abbruchreifen Haus zu finden erwartet. Diese Instrumente sind teuer, und sie sind ein Symbol für Schönheitund Lebensfreude.

Das Instrument wirkt hier in diesem grossen Raum mit dem einen, vernagelten Fenster links, als ob es die Geister der einstigen Szenen im Raum halten würde. Die Geschichten, die diese Räume gesehen haben, hängen fast schon in der staubigen Luft, und das Bild bringt dies problemlos zum Betrachter hinüber.

Ich weiss nicht, wo Ihr immer alle diese verlassenen Sanatorien findet – aber vielleicht schaue ich mich auch nicht ausreichend um oder lasse mich von dräuenden Bauzäunen zu sehr einschüchtern.

Jedenfalls funktionieren hier zwei Dinge, die Du eingesetzt hast, hervorragend: Zum einen schafft das Breitformat (das auch gut ohne die schwarzen Balken auskäme) wieder einmal die Kino-Assoziation, auf die wir nun mal trainiert sind und welche den Eindruck von „gleich wird eine Geschichte erzählt“ verstärkt.

Zum zweiten hast Du eine Perspektive gewählt, die vielleicht jene eines Kindes wäre – auf Höhe der Tastatur des Pianos, unter dem Lichtschalter noch, was einerseits den Flügel stolzer und grösser, aber auch die Ausdehnung der Räume massiver erscheinen lässt.

Das ganze, mit dem Superweitwinkel fotografiert, schafft eine äusserst intensive Stimmung, die aus der Komposition von ausserordentlichem Motiv, guter Komposition, spannendem Licht und einer guten Wahl bei Perspektive und Schwarz-Weiss zu einem Ganzen zusammenwächst. Keine Fotografie fürs Kinderzimmer, aber ein starkes Stück, das insgesamt die höchste Wertung der Kritiker erhalten hat. Herzliche Gratulation, André.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.

3 Antworten
  1. Achim Schrepfer says:

    Hallo zusammen. Vielen Dank für diese Platzierung. Das freut mich sehr. Leider bin ich nur durch Zufall über den Beitrag gestolpert. Benachrichtigt ihr die Fotografen nicht auch per E-Mail?

    Herzliche Grüße
    Achim

    Antworten
    • Peter Sennhauser says:

      Hallo Achim

      Doch: Wenn ein Autor eine Kritik verfasst hat, wird die Fotografin automatisch benachrichtigt. In diesem Fall galt das aber leider nur für André – ich hätte manuell Euch anderen informieren müssen. Habe ich im Druck vergessen, sorry. Ausserdem: Eure Bilder bleiben in der AUswahl und können durchaus auch noch für eine ausführliche Kritik gewählt werden.

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