Zoo-Foto:
Starke Symbolik, perfekt umgesetzt

Durch Reduktion der Bildinhalte wird hier die Bildaussage verstärkt und Raum für Interpretationen geschaffen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Friedhelm Peters).

Kommentar des Fotografen:

Zuerst einmal hoffe ich das ich das Bild in die richtige Kategorie eingeordnet habe. Was gibt es zu diesem Bild zu sagen, ich besuche gerne und regelmässig den Zoo. Besonders die Primaten habe es mir angetan, und sie zu beobachten ist eigentlich eine grosse Freude wenn da nicht (nicht nur bei den Primaten) immer wieder das ungute Gefühl hervorkommen würde, dass die Tiere gefangen sind, ihrer Freiheit, auf die wir so viel wert legen, beraubt. Dieses in ein Bild zu packen habe ich schon des öfteren versucht, aber so wirklich zufrieden war ich bisher nicht. Bei diesem Bild ist die Hand eines Schimpansenjungen, fast noch ein Baby, zu sehen. Gerade dadurch, dass die Hand so klein ist, kommt sie in meinen Augen besonders zur Geltung. In Anlehnung an ein berühmtes Lied habe ich das Bild auch „Sind so kleine ….“ genannt.

Profi Jan Zappner meint zum Bild von Friedhelm Peters:

Ein Bild, das inhaltlich, formal und technisch alles richtig macht, um Spielräume zu schaffen und Emotionen zu wecken. Was ist hier richtig gemacht worden?

Zunächst wurde inhaltlich stark reduziert:

Eine kleine Affenhand greift in einen verstärkten Stahlseilzaun und hält sich vorsichtig fest. Man sieht nur die eine Hand, was die Einsamkeit und die Isolation verstärkt. Der Zaun wirkt massiv im Vergleich zur Hand und nimmt im Bild auch den größten Platz ein. Das wiederum läßt die Hand fragil erscheinen.

Dass nur die Hand und nicht auch das Affengesicht zu sehen ist, öffnet dem Betrachter alle Interpretationsspielräume für eine „Gefangenenszenerie“. Nicht nur eingesperrte Tiere fallen mir hierzu ein. Auch Vergleiche mit menschlichen Häftlingen drängen sich auf. Es gibt sehr viele Bilder aus Haftanstalten, die mit der gleichen Symbolik arbeiten und funktionieren.

Formal wurde die Hand in das linke untere Drittel platziert. Damit orientiert sich die Aufteilung an dem goldenen Schnitt, wodurch der Zaun größer, mächtiger und undurchdringlicher wirkt. Das wird unterstützt durch die leicht schräge Aufnahme des Zauns, der deshalb in einer Unschärfe verschwindet.

Technisch wurde ein Teleobjektiv mit 200 mm verwendet, was die Schärfentiefe bei einer Blende von 2,8 nochmals verstärkt, aber auch die Ebenen staucht und zusammenführt. Dadurch wird der Abstand zwischen den einzelnen Zaunelementen und der Schimpansenhand im Bild verkürzt, die Maschendichte erhöht und damit die Bildaussage nochmals verstärkt.

Du hast das Bild in der Kategorie „abstrakt“ eingereicht, was es eigentlich nicht ist: Es ist sehr konkret, legt aber mehr Gewicht auf die Symbolik als den Gegenstand, was es zum Konzeptbild macht.

Meiner Meinung nach wirklich ein Bild mit einer ausserordentlichen Symbolik, verbunden mit einer perfekten Umsetzung, die die Symbolkraft in jeder Hinsicht trägt.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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6 Antworten
  1. Uwe S. says:

    Das Leid eines Tieres, gefangen in einem Gehege mit Stahlnetz, fern einer Heimat, die so gut wie keinen Lebensraum mehr bietet, wurde hier mit technischer und handwerklicher Hochleistung „inhaltlich stark reduziert“ und zum kunstvollen Genuss aufbereitet.

    Auch wenn an dieser Stelle vorwiegend Gestaltung und Konzeption von Bildern besprochen werden, frage ich: Welche Bilder brauchen wir? Abgeschnittene Nasen, gesteinigte Menschen, lebenslänglich eingesperrte Primaten, perfekt belichtet, im goldenen Schnitt und Hochglanz gedruckt?

    Mit dieser Kritik möchte ich dem Fotografen keinerlei niedere Motive unterstellen, und ich bin dankbar für seinen einleitenden Kommentar. Die anschließende Diskussion auf rein technischer Ebene hingegen stellt mich nicht zufrieden.

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  2. Friedhelm Peters says:

    Freue mich ungemein über die pos. Anmerkungen wenn es gelingt die richtige Bild“sprache“ zu finden dann ist das eine grosse Anerkennung

    Zu den technischen Details ( leider funktioniert zumindest bei mir die Grossansicht nicht )
    Das Bild wurde in einem recht dunklen Tierhaus geschossen da sich das Tier ständig bewegte kam der Einsatz eines Stativ hier nicht in Frage daher wurde es mit ISO 1600 und 1/500 sec. freihändig geschossen als Kamera kam die
    Pentax K5 und als Objektiv das Tamron SP AF 70-200 f2,8 zum Einsatz.
    Düster wirkt das Bild schon in der Orginalaufnahme allerdings habe ich bei der Bearbeitung noch eine zus.
    Vignetierung eingesetzt um die Hand deutlicher abzusetzen.

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  3. Uwe Kath says:

    Tolles Foto!

    Besonders die Vignetierung und die Lichtrefektionen auf Stahlseil lenken mich unweigerlich hin zur Hand des Primaten. Die Platzierung im goldenen Schnitt tut ihr übriges.

    Teile das ungute Gefühl das die Gefangenheit der Tiere mit sich bringt. Auch diese Aussage transportiert das Foto meiner Meinung nach vortrefflich.

    Technisch würde mich noch interessiern zu welcher Tageszeit die Aufnahme entstand oder ob die düstere Anmutung, die meiner Meinung nach hervorragend zur Stimmung/Bildaussage passt, via Bildbearbeitung erfolgte.
    200mm 2,8 gekonnt eingesetzt, immer wieder toll was diese Objektive leisten!

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Trackbacks & Pingbacks

  1. […] Hand des Schimpansenbabys von Friedhelm Peters hat dabei schon nach der Veröffentlichung der Kitik des Bildes zu reden gegeben, und Bodo Viebahn […]

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