Cafetiere-Stillleben:
Mit Volldampf zum guten Bild

Das Bild erinnert mich an eine Studienaufgabe. Hier lernten wir gutes Sehen von Lichtsituationen, die wir immer wieder anwenden können.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Michael Simon).

Kommentar des Fotografen:

Guter Espresso, ganz einfach. Ich mag den Kaffee aus der guten alten Bialetti noch immer. Hier in Aktion in meiner Küche. Ich habe versucht durch das morgendliche Gegenlicht des Fensters den Dampf sichtbar zu machen.

Profi Thomas Rathay meint zum Bild von Michael Simon:

Wenn ich, wie gerade jetzt auch, am Computer sitze und langsam die Müdigkeit zuschlagen will (wie jetzt im Moment nicht), gehe ich gerne in meine Küche und stell mir einen Espresso auf die Herdplatte. Das sieht in etwa genauso aus wie auf Michaels Bild.

Schon deswegen möchte ich was zu dem Foto der Bialetti sagen. Aber auch, weil wir während unserer Ausbildung so einiges an genau diesem Beispiel der Lichtführung gelernt haben:

Wie du richtig erkannt hast, kommt der Dampf des heißen Wassers nur im Gegen- oder Streiflicht zur Geltung. An deinem Beispiel sehen wir aber noch weitere Effekte des Lichtes. Es wird im Porträtbereich auch als Haarlicht bezeichnet, weil es die Konturen des Objekts gut zum Ausdruck bringt.

Die Cafetiere, leicht nachbearbeitet mit Lichter/TiefenIch habe dein Bild noch etwas mit dem „Tiefen/Lichter“-Werkzeug im Photoshop bearbeitet, um diese Konturen hervorzuheben. Wenn wir jetzt genau hinsehen, ist sogar hinter dem Deckelknopf noch etwas Dampf zu sehen. Dieser grenzt sich dadurch noch besser ab und die Konturen kommen zum Vorschein.

Nun weiß ich gar nicht, ob es schon Absicht oder noch Zufall ist, dass du die dunklen Teile der Kanne vor einen helleren Hintergrund, und die helleren vor einen dunklen Hintergrund postiert hast?!

Zumindest ist es ansatzweise gut gelöst, nur am Griff stört mich noch etwas das Schwarze im Hintergrund.

Des weiteren hast du die Espressokanne richtig im Bild positioniert. Es bleibt Raum auf der rechten Seite, der Dampf steigt in einer positiven Diagonale auf, und im Hintergrund hast du noch Platz gelassen für abrundende Bildinformationen.

Die fehlen mir allerdings! Die helle Fläche hinter den Herdplatten könnte noch etwas, wenn auch nur spärlich, enthalten. Wenn es ein Bild in Richtung Reportage sein soll, eventuell eine Zeitung oder einen Aschenbecher, in dem auch noch eine Zigarre raucht. Bei einem Stillleben vielleicht die passenden Tassen. Wirklich nichts Großes, was ablenkt, sondern nur noch eine kleine Zusatzinformation.

Zu guter Letzt könnte noch etwas mehr Licht von vorne gut tun. Ein weißer Karton, der sich einspiegelt und aufhellt, leistet gute Dienste und ist besser als ein Blitzlicht einzusetzen.

Für mich ein gelungenes Bild, an dem ich viele Gestaltungsmittel erklären kann, dem aber noch etwas die Geschichte fehlt. Und jetzt mach‘ ich mir einen Espresso.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Antworten
  1. wolfo says:

    Hallo,

    ich lese zwar regelmässig diese Bildkritiken, finde sie für mich sehr hilfreich und sie geben mir viel Stoff für Ideen. Und das Bild hier gefällt mir auch sehr. Aber hier muss ich doch noch nachfragen: Crop-Kamera, 50mm, ISO800, f18, 1/1600s? Kann das stimmen? Oder wurde hier her Hintergrund bearbeitet?

    Gruss
    wolfo

    Antworten
    • Peter Sennhauser says:

      wolfo, danke für die Beobachtung: Ich habe beim Redigieren schlicht einen Punkt ausgelassen – das Bild entstand bei Blende 1.8, nicht 18. Sorry, Fehler ist korrigiert.

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