Nachstadtaufnahme:
Lichterzauber mit Spiegelung

Nächtliche Stadtansichten bieten viele Möglichkeiten. Besonders reizvoll sind Ansichten mit Wasseranteilen und Spiegelung.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Michael Krämer).

Kommentar des Fotografen:

Aufgenommen in dem Teil Hamburgs in dem ich am liebsten verweile. Trotz der Kälte an diesem Tag strahte die Speicherstadt für mich Wärme, Behaglichkeit aus. Man fühlt sich zu Hause zwischen diesen alten Gemäuern und den Fleeten in denen das Wasser ruhig fließt und meint sie erzählen Geschichten aus alten Zeiten.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Michael Krämer:

Eine nächtliche Ansicht der Hamburger Speicherstadt. Gemäss meiner Google-Maps-Konsultation von der Poggenmühle aus fotografiert, zeigt sie den holländischen Brook als Insel zwischen Häuserzeilen mit spannenden Fassaden und Türmchen, punktueller Beleuchtung und vielen spannenden Details. Diese spiegeln sich im ruhigen Wasser zwischen den Häuserzeilen.

Die Speicherstadt in Hamburg kenne ich lediglich aus Bildern. Und auch wenn ich inzwischen der Meinung bin, dass ich sie erkennen würde, staune ich über die Vielfalt von Ansichten, die in den Häuserzeilen möglich sind.

Stadtansichten sind ausserdem vor allem unter aussergewöhnlichen Lichtverhältnissen spannend: Nebel, Sturm, Nacht sind ideale Zeiten, um Stadtlandschaften von bleibendem Eindruck zu kreieren. Wir alle kennen die Stadt und die typischen Skylines, erkennen aber erst in Bildern, wie vielfältig ihr Antlitz sein kann.

Deine Ansicht der Speicherstadt mag vom Standpunkt aus konventionell sein (selbst im Satellitenbild auf Googlemaps, das ich beigezogen habe, steht eine Menschentraube ungefähr dort, wo Du fotografiert haben dürftest), und die Perspektive ist Fotografen offensichtlich wohlbekannt.

Dennoch hat Deine Aufnahme eine eigene Ausstrahlung der Ruhe. Sie wirkt wie eine sehr sorgfältig gemachte HDR-Aufnahme und zeichnet sich durch eine sehr ausgeglichene Tonwertabstimmung aus: Selbst in den Schatten dieser Nachtaufnahme sind noch Details zu erkennen, der Blick wird zum Wandern eingeladen. Die Lichter sind nur punktuell überstrahlt und wirken warm und einladend, der dünne Schneehauch sorgt für etwas mehr Kontrast, lässt die Dächer nicht zu schwarzen Löchern werden und zeichnet beispielsweise die Treppe im Bildzentrum, die zum Wasser führt, besonders klar nach.

Das Wasser wiederum stellt durch die leichte Bewegung einen angenehmen Kontrast zum Detailreichtum der Häuserzeilen dar: Die Spiegelung bereichert das Bild, ohne von den eigentlichen Motivteilen abzulenken oder sie verwirrend zu überfüllen.

Die einfache Bildkomposition wiederum wirkt hier stimmig und einladend, was ich vor allem auch darauf zurückführe, dass Du die Fassaden links und rechts über den oberen Bildrand hinaus hast laufen lassen – dadurch wird der Himmel zum Dach über dieser ruhigen Ecke in der Altstadt und nicht zu einem unendlichen Nichts darüber, was die Komposition hätte auseinanderfliegen lassen.

Eine Aufnahme, die durch Entdeckungsmöglichkeiten fesselt und unter besten Umständen sehr sauber inszeniert wurde. Namentlich die Tonwertverteilung schafft eine zu selten gesehene, perfekte Balance zwischen Kontrast und in den dunklen Stellen verbleibender Zeichnung. Dieses Speicherstadt-Stillleben ist eine HDR-Aufnahme im allerbesten Sinne.

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5 Antworten
  1. Michael Krämer says:

    Guten Morgen Peter,

    manchmal sitze ich auf der Leitung und bremse mich selbst aus:). Das habe ich dann falsch gelesen, aber so etwas kann man ja klären.

    Zu deiner Anmerkung mit der Position von der ich fotografiert habe. Es stimmt, sie wird von von vielen so genutzt, durch den Bau der Elbphilharmonie ist man fast dazu gezwungen, da man sonst die Kräne, die für den Bau eingesetzt werden mit auf dem Bild hat. Aber bald sind wieder andere Perspektiven möglich, ohne Kräne, mit Philharmonie:)

    LG

    Micha

    Antworten
  2. Michael Krämer says:

    Hallo Peter,

    erst mal Danke für die ausführliche Beurteilung, die in so einer Form natürlich „gut tut“.

    Eine kleine Anmerkung, dieses Bild ist kein HDR, es wurde zwar eine zweite Aufnahme für die Lichtkorrektur herangezogen, aber es ist keine HDR-Bearbeitung, es gibt von diesem Bild allerdings auch eine DRI Version ( http://goo.gl/Pzm1B ), aber auch nicht als HDR-Verarbeitung mit Hilfstools, sondern nur über Exposure Blending in PS.

    Mit fotografischem Gruß

    Micha

    Antworten
    • Peter Sennhauser says:

      Hallo Michael

      …dieses Bild ist kein HDR

      Das ist mir bewusst – genau deswegen sage ich ja: HDR-Aufnahme im besten Sinne des Wortes – High Dynamic Range ohne Tricks. Das sollte eine Pointe sein. Wohl etwas überdreht.

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