Landschaftsfotografie:
Objekte machen Raum

Landschaft besteht aus Objekten, und deren Beschaffenheit, Anordnung, Beleuchtung und das Zusammenspiel macht ein spannendes Landschaftsbild. Wenn einzelne Elemente zum Subjekt gemacht werden sollen, verlangt das Entschiedenheit.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Frank Hojenski).

Kommentar des Fotografen:

Aufgenommen in Elmenhorst bei Rostock.Rein zufällig.Ich sah das Licht und die Wolken und musste sofort „zuschlagen“.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Frank Hojenski:

Weisse Haufenwölkchen mit einer gleich hohen Basis schweben in diesem Farbbild über einen hellblauen Himmel. Darunter erstreckt sich im untersten Bilddrittel ein goldenes Getreidefeld von vorne bis hinten.

Wenn Landschaftsfotografen sagen, ihre Arbeit lebe ausschliesslich vom Licht und von den Elementen, dann setzen sie grundsätzlich das Vorhandensein einer attraktiven Landschaft voraus. Den Rest machen dann interessantes Licht und Wetter.

Nun kann es aber vorkommen, dass Wolken, Wellen oder Wind an sich zum Subjekt einer Fotografie werden. Dann allerdings muss die Landschaftsfotografie so komponiert werden, dass dies eindeutig wird.

Deine Aufnahme erfüllt die meisten „regulären“ Ansprüche an eine Landchaftsfotografie: Sie ist erfreulicherweise trotz deutlichem Horizont nicht zweigeteilt; sie verfügt über ein Lichtspiel und über Vorder- und Hintergrund, wenn auch nur Ansatzweise.

Dennoch hat sie ein Problem: Da, wo die meisten Betrachter das Subjekt im Motiv erwarten würden, ist – nichts.

Nun spricht nichts dagegen, die Ruhe einer Landschaft an einem warmen Sommertag zum Thema zu machen – was wohl ein einfaches Bild ergeben würde; das wiederum bedeutet aber nicht, dass es im Bild keine Akzente gibt. Schwerpunkte, Spannungsbögen und Kontraste sind keine Störenfriede in einem Stillleben, sie werden bloss anders eingesetzt. Die Auslassung von Objekten, bezügen, Linien und kompositorischen Elementen schafft keine Ruhe, sondern lange Weile.

Deine Aufnahme hat im Wesentlichen drei Punkte, an denen ich „einsteige“:

  • Den Himmel, der mit einem hoch fliegenden Vogel innerhalb der sehr regelmässigen Wölkchen aber vor allem ein Muster, aber keinen Widerhaken für den Blick bietet.
  • Die Fahrspuren im Getreide rechts unten, die in die Bildmitte führen, wo aber kein weiteres Objekt den Blick abholt, und
  • den grünen Grasstreifen am linken Bildrand, der in den Hintergrund führt, wo Eine Sonnenfläche das einzige ist, an dem ich hängen bleibe.

Die schwierige Frage ist, was Du machen wolltest und was Du hättest tun können, um es zu erreichen. Wenn es um das Spiel von Licht und Schatten im Feld ging, hättest Du vesuchen müssen, es in einem Moment von extremer Stärke einzufangen. Das geht nicht mit einem Schnappschuss, dazu braucht es Gedud und Glück (und wahrscheinlich einen leicht erhöhten Standpunkt).

Wenn die Wolken das Thema waren, was man sich durchaus denken kann, hättest Du die restlichen Elemente zu Statisten machen müssen – zum Beispiel mit einer frechen Perspektive direkt vor den ersten Halmen des Feldes leicht nach oben.

Und wenn es das ruhige, unspektakuläre Sommerbild häte sein sollen, das es jetzt mit Abstrichen ist, dann hätest Du einen dedizierten Vordergrund, ein Objekt suchen müssen, an dem sich der Blick festhalten und von da aus das Feld hätte ergründen können.

Ich hatte vor vielen Jahren auf der Regionalzeitung, auf der ich arbeitete, einen Fotografen-Kollegen, der es schaffte, aus dem langweiligsten Thema (zwei Parzellen am Stadtrand neu als Bauland eingezont etc) spannende Fotos zu machen: Er zeigte das Objekt des Artikels, machte aber etwas anderes im Bild zum optischen Subjekt. Ein Zaunpfahl, Eine Pflanze – irgendwas gab es immer zu sehen, was den Blick packte. Das könnte auch hier absolut ausreichend sein, denn als Stimungsbild gefällt die Aufnahme – aber sie bietet dem Blick keinen eindeutigen Einstieg.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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5 Antworten
  1. Christian Gruber says:

    Blauer Himmel mit Wolken erfreuen unser Auge und wirken schnell als interessantes Motiv. Vor allem nach trüben oder verregneten Tagen. Spätestens nach dem hundertsten Wolkenfoto fällt aber auf, das meist Wolken nichts besonderes darstellen (obwohl ihre Form manchmal assoziationen hervorrufen kann). Es sind eben nur Wolken. In der blauen / goldenen Stunde bieten sie vielleicht ein grandioses Farbspiel, meist funktionieren sie aber auch dort nicht alleine. Sie bieten dem Auge zu wenig interessantes.
    Dem gegenüber steht die Situation, eines interessanten Landschaftsmotives mit Vordergrund, dessen Hintergrund der Horizont mit einem einfärbigen Himmel ist (was auch durch den Helligkeitsdynamikumfang der Kamera entstehen kann). Da fehlt mir dann oft auch was. Für solche Fälle kopieren manche Fotografen Wolkenhimmel in das Foto – dafür könnte ich mir dein Bild eine Vorlage vorstellen.

    Was könnte man hier noch anstellen bzw. hätte besser gemacht werden können?
    1, Ganz klassisch hätte ich noch horizontal gespiegelt, sodass der Weg von rechts unten ins Bild führt
    2, Den drückenden beschatteten Bereich des Feldes kann man entweder über die Bearbeitung aufhellen,
    3, besser wäre meines erachtens aber ein anderer Aufnahmezeitpunkt gewesen mit weniger massiven Schatten und anderem Aufnahmestandort und Höhe also rein oder näher rann an in die Traktorspur

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  2. CorinneZS says:

    Wieder einmal eine Bildbesprechung, die detailliert und grosszügig zugleich beschreibt, was mein Auge zwar sieht, wozu mir aber die Worte nicht einfallen. Ich finde den Artikel deshalb äusserst interessant. Er geht natürlich darüber hinaus, ob schön oder nicht schön, respektive setzt erst danach an – dass das Bild gefällt, ist in 99 Prozent der Fälle wohl Grundvoraussetzung dafür, dass es überhaupt zu einer Besprechung kommt. Aber anstatt auf x Zeilen „schön“ mit anderen Worten zu sagen, wird ein wenig am Bild gerüttelt. Auch die Frage nach dem, was der Fotograf wollte, finde ich hilfreich. Dabei geht es weniger darum, dass nur Bilder gut sind, bei denen man genau sagen kann, was man wollte, sondern vielmehr darum, dass man das, was man wollte, umsetzen sollte. Und der Weg dorthin geht am schnellsten über die Frage, was genau man wollte (oder vornehmlich sah).

    Mein persönliches Vorgehen wäre jetzt z. B., das Bild intern mit Silber zu bewerten und (durchaus mit häufigem bejubelndem Blick darauf) auf die Gelegenheit für Gold zu warten – das heisst, ich lege eigene Bilder, die gut sind, lieber selber in der Kategorie „ja, aber“ ab, weil mich das fürs Goldmedaillen-Training motiviert. Es ist eher ein psychologischer Trick als Bescheidenheit. Bei mir funktionierts.

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  3. Hansi says:

    Mir gefällt das Bild, sehr sogar. Gerade weil es nicht ein Subjekt, sondern mit Himmel und Erde (Feld) gleich zwei gibt, die meines Erachtens in Wechselwirkung einen engen Raum durch ihre (annehmbare) Weite schaffen, ganz zu schweigen von der interpretatorischen Fülle, die dahinter vermutet werden kann.

    Ich bin kein Fotograf, aber als Betrachter spricht mich diese Parität mehr an als der Einsatz einer „frechen Halmperspektive“, die genau diesen Raum um ein Objekt drapiert und ihn somit zur Kulisse werden lässt.

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