Stadtlandschaft:
Schöne Lichtstimmung
stösst an technische Grenzen

Auf den ersten Blick zeigt diese Aufnahme aus Venedig eine sehr schöne Raum- und Lichtstimmung. Schauen wir das Bild aber genauer an, so erkennen wir die technischen Grenzen der Kamera.

Kommentar des Fotografen:

Venedig, Stadt der Kanäle, Kanalimpressionen…;)impressioni di canale

Profi Martin Zurmuehle meint zum Bild von Corinna Kohl:

Das Bild erinnert mich auf den ersten Blick an die wunderschönen Bilder von Eugène Atget (* 12. Februar 1857 in Libourne; † 4. August 1927 in Paris), der ein Paris aufgenommen hat, das es heute so nicht mehr gibt. Atget arbeitete mit einer 18×24 cm-Kamera und nahm Gassen und Stimmungen von Quartieren in Paris auf, die abgerissen oder verändert werden sollten.

Auch diese Aufnahme von Corinna Kohl erinnert an solche Stimmungen in alten, historischen Städten:

Die Umwandlung in Schwarzweiss passt auch gut zum Motiv. Die Mauern auf der rechten Seite sind mit ihrem Zerfall sehr stimmungsvoll, während die linken Mauern fast zu modern wirken. Der Wasserlauf mit dem leichten Rechtsbogen entspricht einem bekannten Bildaufbau der klassischen Malerei, führt den Blick des Betrachters und erzeugt eine starke Tiefenwirkung.

Leider ist allerdings die verwendete Kamera (Handykamera mit 3.2 Megapixeln) nicht in der Lage, dieses Aufnahmemotiv zu bewältigen: Der Kontrastumfang zwischen Hell und Dunkel ist einfach zu gross, so dass die hellen Bereiche (Himmel) vollkommen ausfressen und rein weiss wiedergegeben werden. Auf der anderen Seite saufen die dunklen Bereiche in ein reines Schwarz ab.

Eine Handykamera kann vielleicht einen Kontrastumfang von 7 Blendestufen bewältigen. Die analogen Schwarzweissfilme der Fachkamera können aber bis 12 Blendenstufen aufzeichnen. Mit der HDR-Technik könnte dieses Problem auch mit digitalen Kameras gelöst werden. Dazu braucht es aber eine Belichtungsreihe, die mit dieser Handykamera nicht gemacht werden kann.

Eine weitere Schwäche ist das starke Bildrauschen in den dunkleren Bereichen. Dieses wirkt nicht so schön wie ein grobes analoges Korn. Als kleines Bild im Vorschaufenster stört das noch nicht, bei einer grösseren Darstellung am Bildschirm und vor allem grösser ausgedruckt zeigt das Bild dann zu grosse technische Schwächen.

So ist es eine schöne Erinnerung an einen stimmungsvollen Moment. Mit einer besseren Kamera und einem grösseren Sensor mit einem besseren Rauschverhalten wäre dieses Motiv aber durchaus lohnenswert gewesen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Kommentare

  1. corinna kohl
    schrieb am 2. September 2011 um 21:53 Uhr (#)

    Herr Zurmühle, besten Dank für Ihrer fachlichen Rezension über meinen bescheidenen wie laienhaften Handyschnapschuß,der eigentlich,in schwarz weiß lediglich die Melancholie wie Tristesse rüberbringen sollte,die Venedig so anheim ist und diese Stadt so bezaubernd surreal macht.Nun meine technischen Grenzen waren in der Tat beschränkt und sollte ich einmal räumlich in Ihrer Nähe zugegen sein,würde ich glatt einen Workshop bei Ihnen absolvieren…Doch frage ich mich,wie sie eigentlich mein venezianisches Alltagsbild gefunden haben,wo es doch sowas wie “Privatssphäreeinstellung”bei facebook gibt,doch ich frage mich, wie es sich damit verhält…nachdem ich per Zufall meinen Namen bei google eingab,und prompt mein Bild mir erschien,mit dem Link zu dieser Seite und dem obigen Kommentar,nun ich nehme Ihnen diesen fachlichen Rat nicht übel,
    mit besten Grüßen
    C.K.

  2. Zurmühle Martin
    schrieb am 5. September 2011 um 23:06 Uhr (#)

    Hallo Corinna

    Dieses Bild war auf der Homeage von fokussiert.com publiziert, freigegeben für Kritiken. Offensichtlich wurde es zu diesem Zweck von jemanden auch dort hochgeladen. Ich habe noch nur ein Bild von Facebook genommen, geschweige denn kommentiert :-).

    Viele Grüße

    Martin Zurmühle

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