Zivilisationsbild:
Trostlosigkeit festhalten

Ein vordergründig unattraktives und trostloses Motiv kann durchaus interessant sein, wenn es gelingt, diese “Trostlosigkeit” auch wirkungsvoll zu zeigen. Gelingt diese bei dieser Aufnahme?

Kommentar des Fotografen:

Diese Ansicht einer Firma für Beton- und Natursteine habe ich bei einer Erkundungstour durch meine alte Heimat bei Dormagen im Rheinland gemacht. Solche Orte haben mich schon als Kind fasziniert. Mir gefällt die ruhige Ausstrahlung des Bildes und der Schriftzug. Ich schaue es mir immer wieder gerne an.

Profi Martin Zurmuehle meint zum Bild von Felix Hälbich:

Solche Bilder zu bewerten ist ausgesprochen schwierig. Schauen wir sie einzig aus dem Blickwinkel der fotografischen Bildqualität an, so mögen sie uns nicht zu überzeugen. Das Motiv ist völlig unspektakulär, die technische Qualität nicht berauschend, die Komposition statisch und eher langweilig, der Kontrastumfang zu gross (mit einem reinweissen langweiligen Himmel). Schnell sind wir versucht, das Bild als missglückte Aufnahme auf die Seite zu legen.

Wir können diese Aufnahme aber auch aus einer eher kunstorientierten Perspektive ansehen:

So sollten wir uns fragen, ob es Felix Hälbich gelingt, diese Trostlosigkeit des Motivs auch genügend “trostlos” abzubilden. Und dann ist eine statische und “langweilige” Bildkomposition eben genau richtig. Und auch eine “unperfekte” fotografische Technik gibt dem Bild eine höhere Authentizität. Dann entwickelt die Aufnahme eine eigenständige und starke Kraft. Mit nur einem einzelnen Bild ist es aber sehr schwierig, dieses Konzept auch dem Betrachter zu vermitteln. So wirkt die Aufnahme eher zufällig.

Bei einem einzelnen Bild sind wir gewohnt, dieses aus einem auf die fotografische Qualität orientierten Blickwinkel anzuschauen. Ganz anders sieht es aus, wenn diese Aufnahme ein Bestandteil einer Serie über solche trostlose Orte wäre. Dann gewinnt das Konzept (die Darstellung der Trostlosigkeit) an Bedeutung, und die Bildqualität selbst tritt zurück.

Ich möchte Dich ermuntern, noch weitere solche Orte zu suchen und eine Serie von Bildern zusammenzustellen (ganz in der Tradition von Hilla und Bernd Becher, die mit ihren Aufnahmen von Industriebauten wie Fördertürmen, Hochöfen, Kohlebunkern, Fabrikhallen, Gasometern, Getreidesilos und komplexen Industrielandschaften berühmt wurden).

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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