Menschengruppe:
Form, Licht und Schatten

Das Spiel mit klaren geometrischen Formen und mit harten Schatten ist in der Fotografie sehr beliebt und immer auch sehr wirkungsvoll. Solche Orte und Momente zu erkennen macht die Qualität eines Fotografen aus.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Axel Kistenich).

Kommentar des Fotografen:

Das Bild ist auf der Besucherplattform des Triangle Towers in Köln Deutz entstanden. Die Lichtverhältnisse waren an diesem Tag ideal. Durch das seitliche Licht enstanden die langen Schatten der Menschen, sowie eine gute, schattenfreie Ausleuchtung der Architektur. Mir gefielen die strengen Formen der Metallkonstruktion, welche die Linienführung in die Bildtiefe vorgeben. Im Kontext dazu die Schatten der Menschen. Die Umsetzung in SW habe ich gewählt, da ich Ablenkungen durch die intensiven Farben vermeiden wollte.

Profi Martin Zurmuehle meint zum Bild von Axel Kistenich:

Alex Kistenich besitzt das Auge des Fotografen, wenn es darum geht, potentiell interessante Lichtsituationen und Motive zu erkennen:

Diese Aufnahme zeigt auf der einen Seite ein klares Spiel mit schönen geometrischen Formen. 6 Bögen des Baukörpers gliedern die Aufnahme sehr rhythmisch und kraftvoll. Ergänzt werden diese durch zwei Schattenbögen am Boden auf der linken Wand. Die Menschen geben dem Bild einen wichtigen Grössenbezug und lockern die sonst sehr strenge Bildkomposition wieder auf.

Technisch ist die Aufnahme gelungen. Die Kontraste sind genügend klein, so dass alle Tonwerte innerhalb des abbildbaren Bereichs liegen (auch der Himmel). Die langen Schatten bilden interessante Muster, und die dunklen Menschen wirken fast wie Silhouetten.

Die Frage, die ich mir besonders stelle ist, ob Du den genau richtigen Moment für die Aufnahme gefunden hast (ganz in der Tradition von Henri Cartier-Bresson): Auf der einen Seite verteilen die verschiedenen Leute sich sehr gut im Bild. Es gibt keine Massierungen, und die meisten Figuren stehen für sich alleine und überdecken sich nicht stark.

Einzig der Rollstuhl und die Person auf der linken Seite an der Wand sind nicht ideal. Beide sind angeschnitten, und wir erkennen nicht genau, welche Form sie haben. Zudem verschmelzen sie zu einer einzigen grösseren Figur. Ohne diese beiden Figuren würde das Bild gesamthaft stärker wirken. Alternativ dazu wäre eine Aufnahme mit viel weniger Personen sicher auch sehr interessant gewesen.

Natürlich können wir das nicht immer steuern, aber manchmal lohnt es sich, eine gewisse Zeit lang zu warten und verschiedene Konstellationen aufzunehmen. Während der Aufnahme ist es schwierig, mit Sicherheit zu sagen, welche die beste ist. Zuhause am PC (mit der zeitlichen Distanz zur Aufnahme) erkennen wir die Unterschiede viel besser.

Fazit: Eine gelungene und kraftvolle Aufnahme mit einem schönen Spiel der Formen, die noch durch eine Reduktion der Personen auf dem Bild gewinnen könnte.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Antwort
  1. Sol says:

    Eine sehr gelungene Aufnahme! Die Geometrie scheint alles zu bestimmen, die Menschen wirken wie geometrische Figuren statisch. Eine sehr eigene Stimmung, die dieses Bild auszeichnet.

    Antworten

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