Haustierfotografie:
Killerblitz

Kinder und Haustiere sind selten dazu zu bewegen, für eine Fotografie stillzuhalten. Trotzdem lohnt es sich, den Blitz auszuschalten.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Saskia Kolpatzik).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Saskia Kolpatzik).

Kommentar des Fotografen:

Mein verstorbener Hamster ist zu neugierig und mußte alles entdecken und so enstand dieses Foto. Aufgenommen im Januar 2011

Peter Sennhauser meint zum Bild von Saskia Kolpatzik:

Ein Albino-Hamster klettert in dieser Blitz-Farbaufnahme zwischen etwas herum, was Schuhe zu sein scheinen.

Ich habe bisher vielleicht 10 Goldhamster besessen: Die Tiere sind nicht nur einfach im “Unterhalt” und – abgesehen von der Nachtaktivität – erfreulich. Sie sind auch ausserordentlich putzig, wenn man sie frei rumlaufen lässt. Sie klettern überall hoch, tauchen plötzlich auf dem Fernseher auf, legen sich kleine Vorratsecken im Bücherregal an (die man besser finden sollte…), und ein Exemplar kraxelte regelmässig nach getaner Erkundungstour mein Bein hoch und legte sich auf meinem Solarplexus schlafen (wenn ich auf dem Sofa vor der Glotz hockte).

Die Momente für witzige Fotos waren ungezählt, leider habe ich kaum je zur Kamera gegriffen. Denn ein Problem stellte sich bei der Analog-Fotografie mit den Tieren immer:

Ohne Blitz waren sie kaum fassbar, mit Blitz entstanden unansehnliche, knallharte Fotos.

Das ist Dir hier auch passiert: Man muss, um ein solch kleines Tier mit der Kompaktkamera abzulichten, relativ nah herangehen. Dann braucht man, weil die Fotografie in Innenräumen entsteht, meistens den Blitz. Und die Kombination führt dann zu überbelichteten, harschen Schnappschüssen, die vielleicht eine Situation als Erinnerung darstellen können, aber nicht wirklich gute Fotos ausmachen.

Dazu kommen die Motivprogramme, die viele der Kompakten inzwischen aufweisen – Haustiere und Kinder schaltet dabei die ISO-Empfindlichkeit hoch un den Blitz ein, damit man die Wirbelstürme erfassen kann.

Nun sind aber erstens Kinder und Hunde deutlich grösser als Hamster (und die Blitzausmesseung auf sehr kurze Distanz nicht sehr gut), und ausserdem geht das Proramm davon aus, dass im Zentrum der Aufnahme eben die Erinnerung und nicht ein künstlerische ansprechendes Bild seht.

Wenn Das Subjekt im Bild dann auch noch ein schneeweiser Hamster ist, sind Hopfen und Malz verloren.

Aber zum Glück fotografieren wir inzwischen ja nicht mehr auf teurem Film und belichten auf Papier. Damit ist die “Todsicher ein scharfes Bild”-Überblitzungs-Einstellung nicht unbedingt eine Notwendigkeit: Man kann ja auch mal mit der Kamera bei etwas besseren Beleuchtungsverhältnissen im Zimmer auf die Jagd nach spannenden Hamster-Momenten gehen und dabei einen ganzen Haufen missglückter Fotos zu Gunsten eines wirklich schönen, blitzfreien Bildes in Kauf nehmen.

Konkret auf Dein Bild bezogen, lautet die Kritik: Es ist technisch auf die Schärfe und sonst nichts ausgerichtet, was zur Überstrahlung des Hamsters und hässlichen Schlagschatten führt. Darüber hinaus ist die Pose des Tierchens nicht die spannendste, die ich mir in den Schuhen vorstellen kann – und darüber hinaus sind die Schuhe nicht unbedingt als solche zu erkennen.

Du bist zwar relativ flach auf “Augenhöhe” mit dem Hamster gegangen, aber für eine spannende Perspektive hättest Du versuchen müssen, die Schuhe irgendwie in die Komposition einzubeziehen, so dass sie einerseits erkennbar sind und andrerseits beispielsweise Tiefe liefern.

Das ist unbestrittenermassen nicht sehr einfach – weshalb sich viele Versuche anbieten. Und die wirst Du auch von Deinem putzigen Haustier nur gewährt kriegen, wenn Du ihm nicht ständig mitten ins Gesicht blitzt.

Das wäre ein weiteres Argument gegen die Verwendung des Blitz’ bei Tieraufnahmen (und durchaus auch Kleinkinder): Ich kann mir nur schwer vorstellen, was es für ein Tier mit wesentlich besserer Sehkraft als wir sie haben bedeutet, wenn man es bei geöffneten Pupillen anblitzt.

Etwas ganz anderes ist es, wenn Du entfesselt und indirekt blitzen kannst – wovon ich hier angesichts der Olympus-Kompaktkamera nicht eingegangen bin.

Falls Du also wieder einen Hamster besitzt: Versuch mal mit höherer Empfindlichkeit, in helleren Räumen, aber ohne Blitz zu arbeiten; schiess ganze Bildserien, und versuche, spannende Perspektiven und Situationen zu erwischen – oder sogar zu planen: Irgendwann weiss man ja, an welcher Stelle sich der Hamster regelmässig durch eine enge Spalte zwängt und dergleichen – und dabei besonders putzig wirkt.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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3 Kommentare

  1. ich hab schon viele lustige bilder gesehen wo die tiere “posieren”. wie kriegt man sowas wohl hin?

    z.b.
    http://ripten.com/2008/02…s-overload-on-games/
    http://zamiraiezat.blogsp…at-hamster-yang.html

    noch zwei randbemerkungen:
    - ist glaub kein albino, weil er schwarze augen hat
    - die meisten haustiere haben schlechtere augen als wir menschen, dafür wesentlich besseres gehör und geruchssinn. aber ja, blitz ins gesicht mögen sie bestimmt nicht.

  2. …man kann auch übertreiben und aus jedem noch so kleinen Ding einen Elefanten machen. Gerade bei Schnappschüssen kann es immer wieder einmal vorkommen, dass ein Bild nicht richtig ausgelichtet wird, oder aber Dinge im Hintergrund zu sehen sind, die eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind.
    Es gibt immer wieder Menschen, die bei anderen nach Fehlern suchen, dabei sollten sie einmal vor der eigenen Haustür kehren.
    Aus so einem Schnappschuss einen ganzen Artikel zu machen ist wirklich mehr als lächerlich!

    • Lieber Peter

      Mag sein, dass es für Dich lächerlich ist, auf einem Schnappschuss einen Artikel aufzubauen – ich gehe davon aus, dass die Kolleginnen und Kollegen, die hier ein Bild einreichen, sich einen Artikel mit Vorschlägen, wie man es anders oder besser machen könnte, wünschen. Sonst würden sie es auf Flickr publizieren.

      Wenn der Eindruck entsteht, dass ich hier «bei anderen nach Fehlern suche», ist das insofern richtig, als ich davon ausgehe, dass es das ist, was gewünscht wird. Vor meiner eigenen Tür kehre ich übrigens auch ganz gerne, aber ich habe fokussiert.com unter anderem deshalb mitbegründet, weil ich mir mehr Kritik meiner Bilder wünschte. Ob Schnappschusstechnik oder Studioversuche war mir dabei immer egal, solange mir Leute mit mehr Wissen zeigen konnten, was ich hätte besser machen können.

      Wer «Kritik» mit «Abkanzelung» gleichsetzt, wird hier nicht glücklich.

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