Cartier-Bresson in Zürich:
Der komplette Fotograf

Nein, zu Henri Cartier-Bresson schreiben wir nichts. Wir empfehlen nur: anschauen! Nichts geht über die Originale.

Henri Cartier-Bresson, Sevilla, Spanien, 1933

Henri Cartier-Bresson, Sevilla, Spanien, 1933

Mit rund 300 Bildern, seinen Filmen und vielen seiner Publikationen ist im Zürcher Museum für Gestaltung eine umfassende Retrospektive zu sehen – der ganze Cartier-Bresson also.

Die Ausstellung gliedert sich entlang von Cartier-Bressons Lebensweg, der von 1908 bis 2004 lebte. Es startet mit den Filmen aus dem Spanischen Bürgerkrieg und seinen frühen Arbeiten aus Mexiko – so teilt das Museum für Gestaltung mit. Über seinen Hauptfilm “Le Retour“ – einen Bericht über die beschwerliche Heimkehr der Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg – gelangt man zum “Scrap Book“, einer von Cartier-Bresson 1946 eigens für das Museum of Modern Art (MoMA) New York zusammengestellten Auswahl seiner bis dahin besten Arbeiten.

Henri Cartier-Bresson: L’Aquila, Abruzzen, Italien, 1951

Henri Cartier-Bresson: L’Aquila, Abruzzen, Italien, 1951

Ein Leninporträt an der Fassade des Winterpalaste Leningrad, 1973

Ein Leninporträt an der Fassade des Winterpalaste Leningrad, 1973

Nach dem Zweiten Weltkrieg fasste Cartier-Bresson schnell Fuß als Porträt- und Reportagefotograf: ein Bildbericht über Amerika führt die Besucherinnen und Besucher weiter zu seinen Jahren in Asien. Dort war er Zeitzeuge so epochaler Augenblicke der Geschichte wie Gandhis Ermordung in Indien, die ersten Tage der kommunistischen Herrschaft in China oder des Zusammenbruchs des Kolonialismus in Indonesien. Zudem bereiste Cartier-Bresson die ehemalige Sowjetunion als erster westlicher Bildreporter überhaupt.

Der französische Autor Albert Camus, Paris, 1944

Der französische Autor Albert Camus, Paris, 1944

In der Ausstellung werden nicht nur die Filme und Bilder Cartier-Bressons gezeigt, sondern auch deren Medienanwendung. Mit vielen Fotostrecken aus Magazinen wie “Du” oder “Life” komplettiert sich die Ausstellung zu einer Gesamtsicht über den Fotografen. Richard Avedon sagte über ihn: “Er ist der kompletteste, wichtigste von uns allen, in allen Gesichtspunkten: Ob sozial oder politisch – er deckte alles ab. Er ist schlicht der beste Fotograf des 20. Jahrhunderts.“

Sogar Cartier-Bressons Lieblingsmusik können wir hören. Jeden Sonntag, gibt’s von 12.30 bis 13.30 Uhr spielen Studierende der Zürcher Hochschule der Künste unter anderem J.S. Bach und M. Ravel. Im Rahmenprogramm gibt’s außerdem Ausstellungsgespräche zum Thema Komposition von Bildern.

Henri Cartier-Bresson
Bis 24. Juli
Museum für Gestaltung, Ausstellungsstrasse 60, CH-8005 Zürich
+41 (0)43 446 67 67, welcome@museum-gestaltung.ch
Geöffnet Dienstag bis Sonntag 10 – 17 Uhr, Mittwoch 10 – 20 Uhr. Gründonnerstag, 21. April 10 -17 Uhr; Ostersonntag, 24. April 10 – 17 Uhr; Ostermontag, 25. April 10 – 17 Uhr; Karfreitag, 22. April, geschlossen.

Stiftung Henri Cartier-Bresson
Henri Cartier-Bresson bei Wiki
Museum für Gestaltung Zürich

 

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2 Pingbacks

  1. [...] geöffent: “Henri Cartier-Bresson” (Museum für Gestaltung Zürich, fokussiert.com: Der komplette Fotograf), die Galerien von Walter Keller und Christophe Guye, die Fotopreise “Swiss Press Photo [...]

  2. [...] Paul Senn hatte ich quasiberuflich näher zu tun, Cartier-Bresson habe ich mir im Frühling in Zürich angeschaut, und nun empfehle ich Hans Steiner wärmstens [...]

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