Europäischer Architekturfotografie-Preis:
Blicke ins „Dazwischen“

Der Europäische Architekturfotografie-Preis geht 2011 an den Fotografen Nils Clauss. Er untersucht die Grenzen zwischen Stadt und Land.

Nils Clauss – aus: UrbanNatur Nils Clauss – aus: UrbanNatur„Dazwischen“ – „in between“ – so lautete das gestellte Thema des Wettbewerbs. Wir sehen die Fotos aus den 28 besten Bildserien aktuell im Deutschen Architekurmuseum Frankfurt/Main.

Neben dem ersten Preis für Nils Clauss wurden zwei zweite Preise vergeben. Der Schweizer Paul Duri Degonda spielt in der Serie „l’unda – Die Welle“ ebenfalls mit der Irritation. Spiegelungen, Durchblicke und Konturen des Gebäudes changieren, streiten miteinander. Aber in der Addition aller vier Bilder ergibt sich ein Gesamtbild der Welle (Zentrum Paul Klee, Bern). Dawin Meckel aus Berlin zeigt die Verlassenheit und unheimliche Leere der einst boomenden Autostadt Detroit in beängstigend hautnahen Bildern.

Die Preisträger schreiben selbst über sich und ihre Arbeiten:

Nils Clauss – „UrbanNature“: Mit einem zunehmenden Ineinanderwachsen urbaner Räume auf regionalem Maßstab wird nicht nur die Landschaft verstädtert, sondern auch die traditionelle Grenze zwischen urbanem und ländlichem Raum verwischt. Die massive Suburbanisierung an den Rändern großer Städte macht die umgebende Landschaft zu etwas, was weder eindeutig städtisch noch ländlich genannt werden kann. Eine daraus resultierende Sehnsucht nach dem ursprünglich ländlichen Raum zeigt die Bildserie „UrbanNature“ am Beispiel der Metacity Seoul. Die Arbeit schenkt den manchmal poetischen und oft skurrilen Brüchen zwischen Stadt und Land Beachtung und verdeutlicht einen nostalgischen Blick auf einen längst verloren gegangenen ländlichen Raum. N.C.

Nils Clauss, Jahrgang 1976, studierte Bildwissenschaften und Film/Kamera in Deutschland, Australien, Hongkong und Korea. Er lebt seit Ende 2005 in Seoul und arbeitet als freischaffender Fotograf und Filmemacher mit den Themenschwerpunkten „urbaner Raum“ und „Architektur“ in Asien und Europa. Wir sehen mehr auf der Website von Nils Clauss.

Paul Duri Degonda – aus: l'unda, Die Welle Paul Duri Degonda – aus: l'unda, Die Welle

Paul Duri Degonda – „l’unda“ (die Welle) entstand im Sommer 2010 beim Zentrum Paul Klee in Bern. Vom Museum als Begegnungsort von Mensch, Kunst, Natur und Technik fasziniert, versuchte ich die dort generierte, schöpferische Kraft mittels einer Serie von vier Bildern darzustellen. Wissenschaftlich gesehen wandle ich das statische Potential um in eine Energieform kinetischer Art, an der sich der empfindsame Betrachter aktiv beteiligen kann. Den von C. Rowe und R. Slutzky erläuterten Transparenzbegriff nehme ich als den einheitsbildenden „Mörtel“ im Dialog zwischen Mensch und Natur, dem Ort und der Umgebung, der Welle Paul Klees und der Architektur Renzo Pianos. Die Fotografien entstanden mit einer Canon EOS 40 D und einem Canon EF 24-70mm f/2.8L USM.

PS: Das Equipment wurde in Zürich am 03. Februar über Mittag aus dem Auto gestohlen… P. D. D.

Paul Duri Degonda studierte Architektur an der ETH Zürich.Teilnahme an Architektur- und Fotowettbewerben. 2010 Bürogründung in Tamins. Kamera und Skizzenbuch sind seine ständigen Begleiter und werden als Hilfsmittel kreativer Dokumentationen eingesetzt. Als Fotograf Autodidakt. Er wohnt in Chur. Auch hier sehen wir mehr auf Paul Duri Degondas Website.

Dawin Meckel – aus: DownTown Dawin Meckel – aus: DownTown

Dawin Meckel – DownTown (2009): Innerhalb weniger Jahrzehnte hat sich Detroits Wirtschaftsboom ins Gegenteil verkehrt. Untrennbar mit dem Schicksal der ansässigen Autoindustrie verbunden, ist die Motor City seit den 1960er Jahren ebenso schnell geschrumpft, wie sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewachsen war: Mit rund einer Million Menschen zählt die Stadt heute nur noch halb so viele Einwohner wie zu ihrer Blütezeit. Die Zahl der Arbeitslosen liegt weit über dem Landesdurchschnitt. Deindustrialisierung und Abwanderung spiegeln sich im Stadtbild wider: Ein Drittel der Stadtfläche liegt brach, unzählige Bauten stehen leer. D. M.

Dawin Meckel, Jahrgang 1970, hat eine Ausbildung zum Bauzeichner und studierte dann Fotodesign an der Fachhochschule für Gestaltung in Bielefeld. Seit 2004 ist er Mitglied bei Ostkreuz – Agentur der Fotografen. Er lebt und arbeitet in Berlin. Dawin Meckels Website.

Weitere 25 Fotografinnen und Fotografen wurden ausgezeichnet oder anerkennend gewürdigt. Insgesamt waren es 269 Teilnehmer aus 15 Ländern. Die 28 besten Arbeiten sind auch in einem Bildband erschienen: Dazwischen/in between (Affiliate-Link), Verlag Avedit Ludwigsburg (allerdings als noch nicht verfügbar gelistet).

Der Preis wird alle zwei Jahre zu einem bestimmten Thema ausgeschrieben, seit 2003 vom gemeinnützigen Verein architekturbild e.v. mit Sitz in Stuttgart seit 2008 in Kooperation mit dem Deutschen Architekturmuseum, Frankfurt/Main. Der Preis ist mit 6000 Euro dotiert.

Dazwischen – in between, architekturbild: Europäischer Architekturfotografie-Preis 2011, Nils Clauss, Paul Duri Degonda, Dawin Meckel und weitere
Bis 19. Juni
Deutsches Architekturmuseum, Schaumainkai 43, D-60596 Frankfurt (Main)
+49 (0)69 21 23 88 44, info.dam@stadt-frankfurt.de
Geöffnet Dienstag bis Sonntag 10 – 17 Uhr, Mittwoch 10 – 20 Uhr

Nils Clauss
Paul Duri Degonda
Dawin Meckel
Deutsches Architekturmuseum
architekturbild e.v.

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