Stadtschnappschuß:
Auch Spontanfoto braucht Finesse

Egal, wie das Foto entstanden ist – auch ein spontanes Bild darf nachbearbeitet werden, insbesondere, wenn es unter nicht idealen Lichtbedingungen entstanden ist. Das tut dem spontanen Charakter keinen Abbruch.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Sabina Schöfer).

Kommentar des Fotografen:

Diese Aufnahme entstand bei einem meiner Fotoexcursionen in Berlin. Hier bin ich in einem Hinterhof in der Brunnenstr. hinein. Alles war voller interessanter Graffiti und auch dieser Aussage: Kein Fotos im Hof und keine Touristen.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Sabina Schöfer:

2009 bin ich mit meinem Sohn zwei Wochen durch Berlin gepilgert, und die ganze Zeit haben wir praktisch nur Graffiti fotografiert. Berlin ist ein Dorado in dieser Hinsicht, wenn auch die betroffenen Hausbesitzer sich meiner Meinung wohl nicht anschließen würden. Dieses Graffiti wäre denn auch für uns mehr als verführerisch gewesen, insbesondere mit der Ironie der Aufforderung, keine Fotos im Hof zu machen.

Fotos dieser Art haben, genauso wie Streetphotography, einen spontanen Charakter – genau das macht den Reiz einer Fotoexkursion ja aus:

Man läßt seine Umgebung auf sich wirken, das Gesehene leitet den nächsten Schritt. Das heißt aber genau wie bei Street nicht, daß man das Bild nicht nachbearbeiten darf oder sollte. Dadurch hätte man das Foto zu etwas machen können, das ich mir eingerahmt an einer Wand vorstellen könnte. Meine Faustregel bei Bildern dieser Art ist immer, daß erlaubt ist, was man in einer analogen Dunkelkammer auch machen könnte – und das ist ziemlich viel.

Das hätte dann zum Beispiel so ausgesehen:

Nachbearbeitung am Spontanfoto

Ich habe hier lediglich den Kontrast etwas erhöht, das Bild leicht „angewärmt“ (das heisst, einen leichten Rotstich hineingebracht) und es so beschnitten, daß die Wand rechts verschwindet. Diese wirkt hier für mich störend.

Durch den Beschnitt wird die Bildaufteilung auch da hin gerückt, wo sie eigentlich sein sollte, nämlich mit dem Graffitigesicht als bestimmendem Bildgegenstand.

Beides ist auch in einem einfacheren Nachbearbeitungsprogramm ohne weiteres möglich, wenn ich auch hier Photoshop verwendet habe.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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