Pferdeporträt:
Das tierische Auge

Abbilder von Personen faszinieren Menschen immer. Die menschliche Anatomie zieht die Blicke an, ob gewollt oder nicht. Umso genauer schauen Menschen zu einem Foto, wenn es nur kurz den Anschein des Menschlichen erweckt und dann doch irgendwie anders ist. Wie bei diesem Foto.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Beate Schefthaler).

Kommentar des Fotografen:

Dieses Foto ist in Kirchberg oder Klausen beim Antlassritt an Fronleichnam entstanden. Während einer Pause habe ich mich näher an die Pferde (Haflinger) herangewagt. Mich faszinierte die Kraft und die gleichzeitig ruhige sanfte Ausstrahlung dieser mächtigen Tiere.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Beate Schefthaler:

Abbilder von Personen faszinieren Menschen immer. Die menschliche Anatomie zieht die Blicke an, ob gewollt oder nicht. Umso genauer schauen Menschen zu einem Foto, wenn es nur kurz den Anschein des Menschlichen erweckt und dann doch irgendwie anders ist.

Gut zu beobachten ist das am Beispiel des Fotos von Beate Schefthaler. Sie fotografierte das Auge eines Haflinger-Pferdes in Schwarz-Weiß. Wir erkennen sofort, dass es ein Auge ist und wollen sofort wissen, zu wem es gehört:

Dass es kein menschliches Auge ist, wird ebenfalls schnell klar und umso mehr interessiert uns, welcher Art das trotzdem so ähnlich wirkende Auge sein könnte.

Das Foto wirkt einerseits durch diese Ähnlichkeit, andererseits auch durch die fast fühlbaren, unterschiedlichen Strukturen. Das kurze Fell, die harten, vereinzelten Augenbrauen und die dichten, langen Wimpern.

Es ist nicht ganz klar, ob das Auge offen, das Pferd wach ist oder nicht, aber durch das zumindest halb geschlossene Lid und den durch den gesenkten Kopf nach unten zielenden Tränenkanal erhält das Foto eine traurige Wirkung. Die Konvertierung in Schwarz-Weiß macht das Bild zeitlos und lenkt den Fokus auf die wichtigen Strukturen.

Da aber die Strukturen ein wichtiges Element des Fotos sind, ist es schade, dass das Bild einerseits unter einem leichten Frontfokus leidet, der 1-2 Millimeter vor der Hauptebene des Bildes liegt und andererseits insgesamt nicht ganz scharf ist. Die Kamerawerte von 1/40 Sekunde Belichtungszeit, Blende 4 und ISO 400 legen jedoch nahe, dass mit vorhandenem Licht fotografiert wurde, was wenig Spielraum für eine kleinere Blendenöffnung oder kürzere Belichtungszeit ließ.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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5 Antworten
  1. Beate says:

    Vielen Dank für die Komentare, jetzt wirds mir verständlicher.

    CorinneZS bzgl. Link: schöne Fotos, die mich sehr berühren.

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  2. R. Kneschke says:

    Mit „Frontfokus“ meine ich in diesem Fall, dass die Schärfe 1-2 Millimeter zu weit vorne sitzt, also auf den Wimpernspitzen statt auf dem Ende der Wimpern, die an der Haut sind. Dann wäre die Fellstruktur schärfer gewesen, was meines Erachtens sinnvoller gewesen wäre.

    Ein „Frontfokus“ kann ein mechanischer Fehler des Objektivs oder der Kamera sein, muss aber nicht. Wenn die meisten anderen Fotos wie gewünscht scharf sind, besteht kein Grund zur Reparatur.

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  3. CorinneZS says:

    Ein sehr berührendes Bild, unter anderem weil es einen menschlichen Blick bei einem Nichtmenschen zeigt. Die Kritik trifft übrigens voll ins Schwarze: Einziger Mangel ist, dass die Schärfe/Unschärfe bei längerem Betrachten nicht passt. Da ich kürzlich ähnlich menschlichen Ansichten von Tieren – diesmal mit politischem Hintergrund – begegnet bin, erlaube ich mir einen entsprechenden Verweis: http://www.giordano-bruno-stiftung.de/sites/default/files/download/menschenaffen.pdf

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  4. Beate says:

    Hallo Robert Kneschke,

    ich danke herzlich für die Kritik. Im Vergleich zu einem Menschenauge oder etwas menschlichen, habe ich das Bild noch nie betrachtet.
    Allerdings habe ich Probleme, die beschriebenen technischen
    Mängel zu verstehen.(Anfänger)
    Ich habe jetzt zwar recherchiert was die Hauptebene und was ein Frontfokus ist, bin aber leider immer noch nicht viel schlauer, wie das Foto schärfer geworden wäre.(Oder genau dort scharf wo es hätte sein sollen)
    Ich weiß nicht ob man das so einfach in diesem Blog klären kann (ich fürchte nicht), aber vielleicht kannst du, Robert, oder jemand anderes etwas dazu sagen.

    Ich habe gelesen, dass Frontfokus ein Fehler im Fokussystem ist, sollte ich meine Kamera (Panasonic Lumix DCM FZ18) deswegen lieber zu einem Kundendienst geben?

    Ich freue mich auf eine Antwort.
    Herzlichen Dank und herzliche Grüße

    Beate

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    • Swonkie says:

      ich kann das fokusproblem nicht nachvollziehen. die wimpern sind scharf, was will man mehr?

      1/40s ist allerdings etwas lang bei dieser brennweite, da verwackelt das bild oft. hier gings meiner meinung nach gerade noch gut. wahrscheinlich dank dem bildstabilisator.

      vorteil einer besseren kamera (mit grösserem sensor) wäre dass man problemlos mit iso 800 oder 1600 fotografieren könnte und somit eine kürzere verschlusszeit benutzen und evt. auch die blende etwas mehr schliessen könnte für mehr tiefenschärfe.

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