Hafenbild:
In der Blauen Stunde

Das Licht der Blauen Stunde bietet häufig ideale Aufnahmebedingungen, wenn es darum geht, sowohl das Tageslicht der Umgebung wie auch das Kunstlicht der Häuser im richtigen Kontrastumfang zu zeigen. Allerdings braucht eine Aufnahme nicht nur ein gutes Licht, sondern auch eine gute Gestaltung.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Borg Enders).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Borg Enders).

Kommentar des Fotografen:

Aufnahme des neuen Museumshafen in der Hamburger Hafencity zur Blauen Stunde.

Profi Martin Zurmuehle meint zum Bild von Borg Enders:

Das richtige Licht ist die Basis für viele gute Bilder. Sonne und blauer Himmel zur Mittagszeit ist dabei für die meisten Motive nicht das beste Licht, weil der Kontrastumfang zu hoch ist und deshalb die hellen Bereich zum Überstrahlen neigen, während die dunklen Bereiche ins Schwarze absaufen. Die Randzeiten des Tages sind daher meistens besser geeignet:

Rund um den Sonnenaufgang oder den Sonnenuntergang. Auch nach Sonnenuntergang, in der Blauen Stunde, sind die Kontrastverhältnisse oft ideal, insbesondere wenn wir sowohl die vom Kunstlicht beleuchteten Innenräume wie die vom Tageslicht beleuchtete Umgebung gleichzeitig im Bild zeigen möchten.

Entscheidend dabei ist es, den richtigen Moment zu erwischen, wenn diese beiden Lichtsituationen möglichst im gleichen Belichtungsbereich liegen. Das ist Borg Enders bei seiner Aufnahme nicht ganz gelungen: Die vom Kunstlicht beschienenen Bereiche tendieren zu Überstrahlungen. Wäre der Himmel noch etwas heller gewesen, so hätten auch die Innenlichter dunkler wiedergegeben werden können. Trotzdem zeigt die Aufnahme eine grundsätzlich schöne Lichtstimmung.

Was hingegen bei dieser Aufnahme stört, sind zwei Dinge. Die nach hinten kippenden Gebäude wirken unnatürlich (obwohl die Wiedergaben so optisch korrekt ist). Es entspricht nicht unserer Wahrnehmung, dass Gebäude nach hinten kippen, weil wir wissen, dass sie gerade stehen. Solche “Fehler” lassen sich aber leicht in der Bildbearbeitung korrigieren (oder durch den Einsatz eines Tilt-Shift-Objektives verhindern).

Der zweite störende Aspekt ist die unruhige Situation im Bildzentrum. Es hat dort zu viele verwirrende Dinge, die der Betrachter kaum richtig erkennen kann. Dadurch wird die sonst ruhige und kraftvolle Situation der umrahmenden Gebäude wieder aufgebrochen. Vielleicht hätte einen anderer Aufnahmestandort diese Situation besser und vor allem auch wirkungsvoller wiedergeben können.

Fazit: Eine Aufnahme mit einer schöne Lichtstimmung an einem interessanten Ort, die aber von der Technik (stürzenden Linien, Lichtbalance) und von der Gestaltung her (viele verwirrende Elemente) noch optimiert werden kann.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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