Mette Tronvoll:
An den Rändern der Zivilisation

Mette Tronvoll fotografiert Menschen an den Rändern der Zivilisation, in abgelegenen Steppen und Wäldern, auf Gletschern und einsamen Meeresstränden.

Die Norwegerin Mette Tronvoll folgt den Menschen in ihre Abgeschiedenheit, lässt sich ihre Geschichten erzählen und gewinnt ihr Vertrauen. “Auf Augenhöhe”, so heißt die aktuelle Ausstellung in Berlin.

Mette Tronvolls Porträts zeigen japanische Frauen beim Seetang sammeln, Nomaden in den Weiten der mongolischen Steppe, junge und alten Menschen beim heißen Bad in den Naturquellen Grönlands oder auch (vermummte) Elitesoldaten in geheimen Trainingslagern in den Wäldern Südnorwegens. Die Menschen auf Tronvolls Fotografien stehen in einem engen Verhältnis mit der umgebenden Natur.

Tronvoll sucht das Individuelle und Authentische an den Rändern unserer globalisierten Massengesellschaft. Es gelingt ihr, so teilen uns die Ausstellungsmacher mit, den sachlichen Blick der “Becher-Schule“ mit menschlicher Teilnahme zu füllen.

In ihrer Zeit in New York während der Neunzigerjahre fotografierte Tronvoll Porträts in Innenräumen, die ebenfalls in der Ausstellung im Berliner Haus am Waldsee zu sehen sind: Menschen – geradewegs aus ihrem Alltag heraus vor die Kamera gestellt.

Mette Tronvolls Themen sind das Abseitige, Verschwiegene und sich im Alter Verändernde An den Rändern der Zivilisation, an der Grenze zum Naturraum findet sie pures menschliches Leben – in der Abgeschiedenheit besonders klar zu erkennen.

Mette Tronvoll, Jahrgang 1965, studierte Kunst in Norwegen und in New York. Ihre Porträts sind in einem im Schirmer/Mosel-Verlag erschienenen Bildband versammelt: Photographien (Affiliate-Link).

Mette Tronvoll – Auf Augenhöhe
Bis 28. August
Haus am Waldsee, Argentinische Allee 30, D-14163 Berlin
+49 (0) 30 801 89 35, info@hausamwaldsee.de
Geöffnet Dienstag bis Sonntag 11 – 18 Uhr, Montag geschlossen

Mette Tronvoll bei Wikipedia
Haus am Waldsee

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4 Kommentare

  1. CorinneZS
    schrieb am 13. Juli 2011 um 12:21 Uhr (#)

    Immer wieder lese ich bei kritischen Bildbesprechungen auf fokussiert.com, dass es eben schwierig sei, dies und jenes zu fotografieren (etwa den Wald). Ich teile diese Meinung oft nicht, denn ich bin im Grunde überzeugt, dass gerade äusserst einfache Bilder besonders stark fesseln können – Amateure sich aber nicht trauen, fast alles weg zu lassen (Architekturfotografen leider auch nur ungern).

    Die Schwierigkeit (um auf die hiesigen Besprechungen zurück zu kommen) wäre demnach nicht, alle Details richtig zur Geltung zu bringen. Die Empfehlung müsste im Gegenteil lauten, dasselbe so einfach wie möglich zu fotografieren; beim Wald etwa zu versuchen, ein Blatt so zu fotografieren, dass man den Wald mitdenkt; und bitte nicht bloss durch Schärfe auf dem Blatt und Unschärfe im Hintergrund.

    Manchmal frage ich mich, ob ein Bild, wenn man es einfacher macht, nicht einzig dadurch an Intensität gewinnt. Jedenfalls bin ich jedes Mal entzückt, wenn ich ein ganz einfaches Bild finde, das grandios ist: Hier “Goto Fukue #1″. Ich kann mich daran kaum satt sehen.

    Die Frage bleibt, welche Einfachheit intensiv wirkt. Nett wäre, wenn mir einer der Herren Redakteure den ultimativen Tipp geben würde, sozusagen ein Rezept mit Geling-Garantie.

    Spass beiseite. Der Artikel zeigt tolle Fotos. Bin begeistert. Danke!

  2. Markus
    schrieb am 13. Juli 2011 um 16:58 Uhr (#)

    Mit diesen global(isiert)en Fotoreisen habe ich manchmal echt Probleme. Der Fotograf überlegt sich eine Idee, einen Aspekt aus Gesellschaft oder Natur, für den er dann um die Welt jettet. Manchmal, wie hier, wirkt es auf mich eher gewollt als gekonnt. Menschen, welche an den Rändern der Zivilisation leben zu porträtieren, hört sich spannend an. Fragt sich nur, welche Zivilisation gemeint ist – die westliche, globalisierte? Ist Stammeskultur Zivilisation? Leben nur Einsiedler außerhalb einer Zivilisation?
    Die Fotos zeigen Menschen in ihrem natürlichen, außerzivilisatorischen Umfeld? Bei den ersten beiden Bildern vielleicht, aber ein Wrestler im Wald, ein Soldat im Schnee? Eher grotesk, und Fotos von vertrauender Teilnahme sehen für mich anders aus. Diese wirken auf mich hingestellt und ausdruckslos schnappgeschossen. Dafür muss man nicht um die Welt fahren. Ein sehr guter Merksatz, den ich hier in einer Kritik einmal gelesen habe lautet: Exotik macht noch kein gutes Foto! Stimmt!

  3. CorinneZS
    schrieb am 14. Juli 2011 um 01:25 Uhr (#)

    @Markus: Das Problem habe ich nicht, da ich dem blossen Betrachten der Bilder den Vorzug gebe, während ich gegenüber dem naturgemäss verdienstorientierten Werbedeutsch der Galerien eher gelassen bin.

    Zur Sicherheit habe ich jedoch noch nach der Fotografin gegoogelt, nicht dass sich plötzlich eine Homepage findet, auf der sie selbst das selbe von ihren Bilder sagt. Und siehe da: Es finden sich problemlos mehr und mehr geniale Porträts, zum Teil obergeniale, wie etwa “Isortoq Unartoq #1″ (die Suchmaschine findet’s gern für Dich). Für mich ist das ein Bild-gewordenes Märchen und einfach unglaublich.

    Ich denke, die Frau mag Menschen, fotografiert sie gerne und kommt gerne in der Welt rum. Sie macht übrigens seit Jahrzehnten Porträts, von ihr hingegen gibts kaum eins.

    Sie beschreibt die Entstehung der Fotos so: “Ich suche nicht interessant aussehende Menschen sondern interessante Begegnungen mit Menschen. Wenn ich Zeit mit Bekannten oder Unbekannten verbringe, gibt es immer wieder Situationen, die mich besonders interessieren und die in den Fotos Spannung erzeugen. Diese Spannung zeigt ein Bild meiner Beziehung zur Person und nicht eine objektive Beschreibung derselben oder ein Dokument ihres Gesichts.” Der Titel der aktuellen Ausstellung, auf Augenhöhe, trifft doch voll ins Schwarze.

    Das Einzige, was mich an der Sache wirklich stört ist, dass mir solche Fotos meine fotografische Bedeutungslosigkeit deutlich zeigen. Ächz.

  4. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 15. Juli 2011 um 21:50 Uhr (#)

    Ich bin hin- und her gerissen zwischen Euren beiden Standpunkten – zum einen sehe ich auch nicht ganz ein, wieso häufig Projekte mit globaler Reisetätigkeit, aber ohne den Ausdruck dieser Diversität gepusht werden, andererseits halte ich die Spannung der Begegnung, die Corinne in Mette Tronvolls Aussage gefunden hat, für erkennbar. Und das wiederum ist eine sehr eigene Qualität, die bisweilen auch Textautoren nicht zu vermitteln vermögen.

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