Foto des Monats:
Originalität und Umsetzung

Den Fotowettbewerb des Monats Juni entscheidet Ralf Menzel für sich: Sein Ansatz für eine andere Hochzeitsfotografie überzeugte die Kritiker.

© Ralf WenzelMüssen Hochzeitsfotos immer steif und gestellt sein? Oder kann der schönste Tag im Leben nicht auch mit einer Inszenierung festgehalten werden, die ein bisschen mehr tut, als nur die schöne Kleidung und die strahlenden Gesichter zu betonen?

Ralf Menzel hat sich diese Frage gestellt und uns ein Bild eingereicht, das seine etwas andere Hochzeitsfotografie vertritt. die Aufnahme hat denn auch die Kritiker überzeugt: Ralf gewinnt die Ausschreibung für die Fotografie des Monats im Juni und damit 100 Euro.

Nur knapp hinter dem Siegerbild haben sich fünf andere Fotografinnen und Fotografen platziert:

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© Heike BrauerHeike Brauers trauriger Clown lag in der Bewertung von sieben Kritikern hauchdünn hinter Ralf Wenzels Hochzeitsbild. Da Heike schon im Februar mit der Fotografie einer Ballettänzerin gewonnen hat, hätte uns ein Sieg in Verlegenheit gebracht. Wir passen deswegen jetzt die Regeln an und führen inskünftig Gewinner des Monatswettbewerbs für sechs Monate ausser Konkurrenz.

© Jonas GinterJonas Ginter liegt mit seiner Farb-HDR-Langzeitaufnahme am Wasser auf dem undankbaren zweiten Platz des Monatswettbewerbs. Sechs Kritiker gaben seinem Bild sehr gute Noten. Jonas legt Wert auf die Feststellung, dass HDR nicht in jeder Situation geeignet ist. Sein Bild schafft aber eine ganz eigene Stimmung.

© Christian UnterdorferChristian Unterdorfer hat auf dem Heimweg ein grünes Kornfeld fotografiert und mit der Aufnahme bewiesen, dass man mit sehr einfachen Motiven grossartige Bilder schiessen kann, wenn man auf die wesentlichen Elemente achtet – hier die Spur im Feld und die Horizontlinie, die eine einfache Spannung in einem angenehmen Bild provozieren.

© Reinhard KrauseReinhard Krause hat ein Street-Foto eingereicht, das es in sich hat (und leider keinen Link mitgeliefert, den wir gerne noch nachträglich einbauen würden). Die Leute, die da wartend an der Tramhaltestelle stehen, präsentieren sich in einer eigenartigen Bühnenstimmung und liefern ein ausserordentlich vielschichtiges Bild.

Dass die bestbewerteten Bilder des Monats Juni so vielseitig sind, freut uns, und wir möchten Euch ermuntern, an der Bildkritik und damit am monatlichen Wettbewerb teilzunehmen. Und das doch auch oder gerade dann , wenn Ihr nicht restlos von Eurer Aufnahme überzeugt seid – statt eines Preises gewinnt Ihr möglicherweise die Kritik eines unserer Rezensenten.

Auch wenn hier in der Monats-Ausscheidung nur die besten gewinnen können, werden wir immer wieder auch Bilder besprechen und analysieren, die es vielleicht nicht in die Endrunde schaffen. Deswegen bitte keine Hemmungen: Schickt uns, was ihr gerne beurteilt haben möchtet.

2 Antworten
  1. Peter Sennhauser says:

    Corinne, die Kritiker sind sich bei der Bewertung auch meistens nicht ganz einig. Das System funktioniert so, dass wir allen Bildern Punkte zuordnen, die wir für bemerkenswert halten – und zwar zwischen 1 und 5 Qualitätspunkte. die Bewertung basiert dann auf dem Schnitt aus den Punktvergaben plus einem Zusatzwert für die Anzahl der Kritiker, die überhaupt einen Punkt vergeben haben.
    Christian Unterdorfers Bild hat mir auch ausnehmend gut gefallen – aber das ist, angesichts meiner Leidenschaft für Landschaftsfotografie, auch ein bisschen Voreingenommenheit, die durch die Mischbewertung aufgehoben werden soll.

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  2. CorinneZS says:

    Das Siegerbild ist reizvoll, für mich allerdings nicht perfekt, und da es eindeutig inszeniert ist, erwarte ich ein perfekteres Bild: Frau auf der Treppe nicht zufällig angeschnitten, Sessel anders hin gestellt, Stern oben rechts entfernt (oder anders durchs Bild geflogen, damit die Hand nicht den Stern berührt, was allerdings zuviel verlangt sein dürfte).

    Das grüne Feld von Christian Unterdorfer hingegen zieht meinen Blick immer wieder an – einmal mehr gefällt mir ein simples Motiv besonders gut: Man könnte meinen, die Halme wiegten sich im Bild und ich höre sie fast rauschen. Dazu sehen sie aus, als wären sie mindestens eine halbe Dimension plastischer als erlaubt. Der Himmel fügt eine zweite einheitliche Textur bei und lenkt zudem nicht ab, da er netterweise bedeckt ist (und kein Filter verwendet wurde, nehme ich an). Schliesslich verbindet die Baumreihe die beiden Texturen mit einer weiteren, die praktischwerweise in der Plastizität genau zwischen Himmel (zweidimensional) und Feld (dreieinhalbdimensional) liegt.

    Trotzdem glaube ich, dass ich selber anders fotografiert hätte, nämlich mehr so wie Claude Monet malte: Mit immer weniger Himmel und schliesslich dem Blick ganz auf dem unter dem Himmel liegenden Motiv (wofür er leidenschaftlich gehasst wurde, weil das vor ihm keiner gewagt hatte; zu sehen ist dieser neue Blick bei den heute unbezahlbar geliebten Seerosen, in denen sich der Himmel bloss noch spiegelt).

    Mich hätte interessiert, wie wenig Himmel man übrig lassen muss, damit das Bild noch funktioniert; ich glaube, mit der Monet-Perspektive würde das Bild gleichzeitig ein wenig abstrakter und noch spannender.

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