Naturfoto:
Der Wald mit lauter Bäumen

Ein aufmerksames Auge ist mit die wichtigste Voraussetzung für einen guten Fotografen. Aber auch die grundlegenden Kenntnisse von Komposition und Bildgestaltung gehören dazu. Hier fehlten leider letztere Elemente.

Kommentar des Fotografen:

Hallo liebe Profis, Hallo liebe Betrachter, ich fotografiere noch nicht lange und lese die Kritiken hier mit grosser Aufmerksamkeit.

Ich war mit dem Auto unterwegs, sah ein, auf den ersten Blick, langweiliges Motiv, und war trotzdem so fasziniert von den Farben und Schatten, daß ich es einfangen musste. Ich weiß, daß das Bild technisch sicher keine Meisterleistung ist. Aber in der Hauptsache würde mich interessieren, ob ich es geschafft habe, mit dem Bild eine gewisse Stimmung zu transportieren. Ich hoffe, daß ich es nicht zu sehr komprimiert habe. Das Bild ist mit einer sehr günstigen Bridge-Kamera entstanden.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Thomas Merkenich:

Ein guter Fotograf hat nicht immer unbedingt eine teure Ausrüstung oder viel Zubehör. Wichtiger ist ein guter Blick, der Details und Stimmungen erkennt, wo andere den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen, wenn ich mir angesichts dieses Motivs das Wortspiel erlauben darf:

Der seitliche Lichteinfall und die warmen Farben lassen den Wald auf dem Foto märchenhaft verzaubert aussehen und so gesehen ist er den Versuch eines Fotos wert. Leider sind reine Wälder als Motiv oft schwer zu fotografieren, weil die unendlich wirkende Tiefe, das Rauschen der Blätter im Wind und der angenehme Geruch nach feuchter Erde, Moos und Harz nicht mit der Kamera eingefangen werden kann. Übrig bleiben oft nur knorrige, nackte Äste, die zu Hause auf dem Monitor oder Fotopapier viel fader als in der Realität wirken.

Trotzdem hat bzw. hätte das Motiv Chancen, über den Durchschnitt hinauszuragen, weil der Fotograf das wesentliche Element – das wirkungsvolle Streiflicht – gut bemerkt hat. Aber seien wir ehrlich: Es bleibt bei der Chance.

Denn drei wesentliche Punkte fehlen oder wurden zu wenige berücksichtigt, um das Foto herausstechen zu lassen:

Erstens der Bildausschnitt. Das besondere Licht ist nur in der oberen Hälfte des Bildes zu sehen, unten wirkt der Waldboden blass und langweilig. Außerdem schmeichelt das 3:4-Bildformat nicht dem Wald, ein Panorama wäre deutlich geeigneter. Ich habe das Bild mal testhalber radikaler beschnitten und es wirkt gleich besser.

Zweitens stört der eine schräge, dunkle Baum am Bildrand, weil er im wahrsten Sinne des Wortes die Symmetrie durchkreuzt. Besser wäre hier ein leichter Schwenk mit der Kamera gewesen oder paar Schritte vorwärts, um den nicht im Bild zu haben.

Drittens die Schärfe: Das Bild ist einfach nicht scharf genug, was sicher an der zu langen Belichtungszeit von 1/15 Sekunde liegt. Bei ISO 200 wären das schon 1/30 gewesen, was zu einem sichtbar besseren Ergebnis geführt hätte.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Kommentare

  1. Christian Gruber
    schrieb am 24. Juli 2011 um 08:54 Uhr (#)

    Neben der Frage nach dem Motiv bei Waldfotos gibt es immer die auch hier zutreffende Problematik, das man leicht vor lauter Bäumen den Wald nicht sieht.
    Wenn ich mal vorraussetze, das der Reisighaufen im Vordergrund nicht das Motiv sein soll – zumindest wird es von meinen Augen nicht als solches erkannt – so irrt mein Auge auch durch andere Linien erfolglos umher.
    Klassische Beispiele im Wald für die Blickführung sind Wege, Menschen oder durchaus auch eben nur wenige Bäume.

    Bleibt die Lichtstimmung, hinter den knöchernen, kahlen Ästen der Monokultur der Bäume. Wie hätte das Licht wohl 1 Stunde später ausgesehen, 5 Meter weiter oben, am Boden liegend mit den Ellbogen aufgestützt?

    1. Thomas Merkenich
      schrieb am 3. August 2011 um 21:40 Uhr (#)

      Naja, die Frage nach dem Motiv…
      Ein wirkliches Motiv gab es nicht wirklich. Ich habe halt dieses tolle Licht gesehen und war einfach davon- und von der Wirkung des Lichts in diesem (eigentlich langweiligen) Wald fasziniert.
      Eigentlich war mir schon klar, daß dieses Bild sicher keine Meisterleistung ist. Trotzdem mag ich es sehr. Da ich Anfänger bin und viele Ideen hab, hab ich einfach mal ein Bild zur Bewertung ausgewählt um ein professionelleres Feedback, als das meiner Bekannten, zu bekommen.
      Und ich war auch drauf gefasst, daß es die Leute sicher nicht zu Jubelarien hinreissen würde. Und genau dort sehe ich die Chance zu lernen. Was kann man besser machen? Wie kann ich das was ich rüber bringen möchte auch richtig in Szene setzen. Und aus diesem Grund bin ich für jede Kritik dankbar weil sie mir die Chance gibt etwas mit anderen Augen zu sehen.

      Gruß Thomas

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