Martin Schoeller:
Wahre Gesichter

Martin Schoeller geht so dicht auf die Menschen drauf, dass er hinter den “offiziellen” Masken vielleicht deren wahre Gesichter findet.

“Behind the Mask” – hinter der Maske, so heißt Martin Schoellers aktuelle Ausstellung in Berlin. Gezeigt werden Porträts von Stars und Prominenten, ungeschminkt und unretuschiert.

Seit vielen Jahren porträtiert Martin Schoeller die internationalen Stars und Promis in seiner eigenständigen Form- und Bildsprache. Er arbeitet die individuellen Persönlichkeiten heraus und unterstreicht ihre prägenden Charakteristika. Falten, Narben, Poren, Flecken – alles wird sichtbar, was sonst verborgen wird.

Die Porträtierten wissen durchaus, wie sie sich für die Öffentlichkeit in bester Schokoladenseite präsentieren können. Dennoch akzeptieren sie die Regeln, die Martin Schoeller vorgibt.

Dazu zählen unter anderem der minimale Einsatz von Make-up und der Verzicht auf nachträgliche Retusche. Schoeller entzieht den Stars vor der Kamera die Werkzeuge ihrer Selbstinszenierung und gezielten Imagebildung, so dass sie plötzlich ungeschützt und ohne Maske vor dem Betrachter erscheinen.

In Schoellers Bildern zeigen Hollywood-Stars wie Angelina Jolie, George Clooney, Brad Pitt und Cate Blanchett, Politiker wie Barack Obama und Bill Clinton, die Sportgrößen Franz Beckenbauer und Jürgen Klinsmann, Pop-Idole wie Katy Perry und selbst Paris Hilton, dass sie keine Angst davor hatten, sich für Martin Schoeller geöffnet zu haben.

Zahlreiche Bilder in der Berliner Ausstellung “Behind the Mask” stammen aus Schoellers bekannten Serie “Close Up”, die sowohl in Bildbänden wie in Zeitschriften erschienen ist.

Die Themen Selbstinszenierung und Aussagekraft von Porträtfotografie lassen sich im Angesicht der Bilder hinterfragen. Die Porträts fordern dazu auf, die über die Medien vermittelten Darstellungen mit den ungeschminkten Fotografien Martin Schoeller zu vergleichen.

Martin Schoeller, Jahrgang 1968, lebt seit den Neunzigerjahren in New York. Beim Magazin “The New Yorker” arbeitet er als Nachfolger von Richard Avedon als Redaktionsfotograf. Auf Youtube finden wir (neben anderen) ein Video mit einem Fotoshooting Martin Schoellers. Auf Schoellers Website gibt’s leider keine Bilder zu sehen.

Behind the Mask – Porträts von Martin Schoeller
Bis 31. Juli
Museum The Kennedys, Pariser Platz 4a, D-10117 Berlin
49 (0)30 – 20 65 35 70, info@thekennedys.de
Geöffnet täglich 10 bis 18 Uhr

Martin Schoeller bei Wikipedia
Museum The Kennedys

Mehr lesen

Dramatische Skyline: Vor Ort - mit Kamera

21.10.2011, 1 KommentareDramatische Skyline:
Vor Ort - mit Kamera

Es ist schlimmer, keine Bilder zu machen als schlechte. Deshalb sollte man immer seine Kamera dabei haben.

Mark Morrisroe: Mythos und Charisma

9.1.2011, 0 KommentareMark Morrisroe:
Mythos und Charisma

Um Mark Morrisroe ranken sich Geschichten, die mehr Mythos sind als Wahrheit. Ein charismatischer Mensch muss er gewesen sein, der früh Verstorbene.

Garry Winogrand: Frauen sind schön

18.11.2010, 0 KommentareGarry Winogrand:
Frauen sind schön

Frauen sind schön, sagte Garry Winogrand - in seinen Fotografien jedenfalls. Wir sehen die legendäre Serie aktuell in Berlin.

Picasso im Fotoportrait: «Ichundichundich»

8.2.2012, 0 KommentarePicasso im Fotoportrait:
«Ichundichundich»

Eigentlich ist «Ichundichundich - Picasso im Fotoportrait» (Hatje Cantz) ein Ausstellungskatalog. Das Buch ist jedoch auch für Fotografen von großem Interesse. Denn auf knapp 280 Seiten vereint er den Blick von 34 namhaften Fotografen auf einen Titanen des 20. Jahrhunderts.

7.10.2011, 1 KommentareStrassenfotografie:
Posterstories

Gute Strassenfotografie führt den Betrachter zu einem emotional bewegenden Punkt, ohne ihn in ein zu enges Korsett zu zwängen: Die Geschichte entsteht im Kopf.

Kinderporträt in Schwarzweiß: Der sorglose Augenblick

5.11.2010, 5 KommentareKinderporträt in Schwarzweiß:
Der sorglose Augenblick

Unbeobachtet fotografiert entfaltet sich die Persönlichkeit des Porträtierten am besten, denn alles Gestellte fällt weg.

Picasso im Fotoportrait: «Ichundichundich»

8.2.2012, 0 KommentarePicasso im Fotoportrait:
«Ichundichundich»

Eigentlich ist «Ichundichundich - Picasso im Fotoportrait» (Hatje Cantz) ein Ausstellungskatalog. Das Buch ist jedoch auch für Fotografen von großem Interesse. Denn auf knapp 280 Seiten vereint er den Blick von 34 namhaften Fotografen auf einen Titanen des 20. Jahrhunderts.

Schwarzweiß-Porträt: Das Teufelskind

7.2.2012, 1 KommentareSchwarzweiß-Porträt:
Das Teufelskind

Für effektvolle Fotos braucht man nicht viel. Mit einfachen Hilfsmitteln und einer guten Idee lassen sich beeindruckende Aufnahmen machen.

Paolo Woods/Serge Michel: Der wirkliche Iran

7.12.2011, 1 KommentarePaolo Woods/Serge Michel:
Der wirkliche Iran

Wie leben die Menschen im Iran wirklich - ungeachtet aller Vorurteile? Das wollten Paolo Woods und Serge Michel mit ihrer Arbeit "Land des Lachens - Land der Tränen" herausfinden.

2 Kommentare

  1. Jochen
    schrieb am 21. Juli 2011 um 22:00 Uhr (#)

    Die Gesichter erzählen schon irgendwie Geschichten. Sehr Prägnant.

    1. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
      schrieb am 22. Juli 2011 um 11:42 Uhr (#)

      Jochen, dagegen gibt es einen hervorragenden Standpunkt.

Pingbacks

Pingbacks anzeigen...

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.