Blumenfotografie:
Die volle Tiefe nutzen

Es lohnt sich bei Blumenfotografie, auf die Knie oder sogar auf den Bauch zu gehen, um eine andere Perspektive zu erreichen. Bei Freistellungen muss der Schärfentiefe viel Beachtung geschenkt werden.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Egbert Reinhold).

Kommentar des Fotografen:

Auf dem Bauch liegend diese kleine Blume fotografiert.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Egbert Reinhold:

Eine rote Blüte mit vier Blättern und knallgelben Stempeln im Gegenlicht ist in diesem Farbfoto vor dunklem Hintergrund zu sehen. Die Stempel der Blume liegen im Fokus, die vorderen und vor allem die hinteren Blütenblätterteile befinden sich bereits im Unschärfebereich. Auf den glänzenden Wölbungen der gebogenen Blätter glänzt die Sonne und brennt die Stellen weiss aus.

Blumen anders als von oben zu fotografieren ist das erste Gebot, um zu besseren Blumenfotografien zu kommen:

Du hast Dich hier gar auf den Bauch gelegt und die Blüte akribisch genau im Bildausschnitt und vor einem dunklen Hintergrund platziert, um sie freizustellen.

Das ist Dir soweit gut gelungen.

ich weiss, wie anstrengend es sein kann, namentlich in unbequemen, ungewohnten Posen eine DSLR wie die Nikon D300 zu handhaben. Das kann leicht dazu führen, Details der Bildgestaltung und der Technik ausser Acht zu lassen. Ich folge deshalb dem Credo von Gary Hart und nehme, wann immer möglich, überall mindestens das kleine Karbon-Reisestativ mit: Es hilft, das Maximum aus dem geplanten Bild herauszuholen, weil Du Dich nach eingerichteter Komposition in aller Ruhe um die anderen Faktoren einer guten Fotografie kümmern kannst.

In diese Fall sind es namentlich zwei Dinge, die mich stören und die man wahrscheinlich leicht hätte verbessern können:

Zum einen die Spiegelungen auf den Blütenblättern, die vollständig ausbrennen. Vielleicht hätte ein Polfilter etwas Abhilfe schaffen können, jedenfalls aber hätte eine ausgewogenere Belichtung etwas gebracht, vielleicht hätte auch eine leichte Positionsverschiebung ausgereicht.

Das grössere Problem ist meiner Ansicht nach der Schärfentiefenverlauf. Ausser den Stempeln und dem einen Blatt rechts oben liegt nichts mehr im Schärfebereich, und das bei einer Blende 11. Das deutet darauf hin, dass Du dem Blümchen sehr auf die Pelle gerückt bist. Angesichts einer Verschlusszeit von 1/200s war ein weiteres Schliessen der Blende wohl keine Option: Eine Windbewegung der Blüte würde bei solchen Belichtungszeiten unweigerlich Bewegungsunschärfe ins Bild bringen.

Ein klein wenig mehr Abstand von der Blüte und ein Fokuspunkt etwas vor den Stempeln hätte aber den Schärfenbereich besser verteilt, so dass wenigstens der grösste Teil der Blätter, die uns entgegen ragen, in der Schärfe liegt. Die Schärfentiefe erstreckt sich ungefähr einen drittel vor- und zwei drittel hinter dem Fokuspunkt, was man beim Abschätzen des Schärfenbereichs in der Komposition einbeziehen sollte.

Ich hätte ausserdem die ganze Komposition noch ein bisschen nach unten verschoben. Aber auf jeden Fall ist Dir ein nicht alltägliches Blumenbild gelungen, das konzeptionell der Anfang einer Experimentreihe mit Freistellung und Schärfenbereich für ähnliche Bilder sein kann.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Antwort

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  1. […] gegenüber dem umgebenden Rot durch Schärfentiefenbegrenzung stärker freistellen. Man kann dazu auf die Knie gehen oder sich auf den Bauch legen – meine Erfahrung ist, dass grade bei enttäuschenden Motivumgängen ein radikaler Wechsel […]

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