Architektur:
Licht und Bauten

Altstädte sind für Fotografen ein bisschen wie Wald: In allen Lichtsituationen schwierig zu fotografieren. Umso mehr fallen gute Fotos auf.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Frieder Haenisch).

Kommentar des Fotografen:

Blick auf die Frauenkirche in Dresden, aus Richtung Fürstenzug. Aufgenommen im Winter – meine Finger sind immernoch kalt!

Peter Sennhauser meint zum Bild von Frieder Haenisch:

Der Dom einer Kirche ist in diesem Farbbild im Hintergrund durch den Spalt in verwinkelten Gassen mit neoklassizistischen Bauten in der linken Bildhälfte, die von der untergehenden Sonne beleuchtet werden, und Barockfassaden in der rechten Bildhälfte zu sehen.

Wer sich schon mal in Stadtlandschaften versucht hat, wird sofort erkennen, welche Kombination an Qualitäten in diesem Bild steckt:

Das Licht, das den Vordergrund dunkel und den Hintergrund hell erscheinen lässt, ohne im Kontrast in den Barockfassadenteilen vorne rechts abzusaufen; die Tiefe, in welcher der Dom zu einem fernen Ziel wird, ohne dass der Vordergrund an Attraktivität verliert; die Komposition mit einer Linienführung, die den Blick nicht geradewegs auf den Dom, sondern den Gassen entlang führt und mit dem trichterförmigen Stück Himmel oben Links einen Zeiger auf den Dom aufweist.

All diese Dinge sind nicht einfach in einer Stadt-Fotografie zu kombinieren – aber Dir ist es an diesem hervorragenden Standort gelungen, welcher eine faszinierende Komposition mit den sich gegenüberliegenden Fassaden ermöglicht. Zwar fehlen die Exif-Daten, aber ich tippe auf eine ziemlich lange Brennweite bei deutlicher Abblendung. Ein langes Tele ermöglicht es, diese Gassen und Gebäude so dicht zusammen zu ziehen; indem Du Dich aber nicht mit der einen Seite der Fassaden in der Gasse im Vordergrund zufrieden gegeben hast, sondern die rechte Fassade für die Rahmung einbezogen hast, entsteht zusätzliche Tiefe. Das ist wahrscheinlich ziemlich schwierig zu erreichen gewesen – eine lange Linse mit weniger als 10 Grad Bildwinkel ist eine echte Herausforderung, überhaupt einen Standort mit dem gewünschten Ausschnitt zu finden, wie ich in Städten auch schon festgestellt habe.

aufgehellt, geradegestellt.Eine Kritik an diesem Bild ist zwar eine Anmassung, aber ich habe dennoch versucht, die stürzenden Linien ein bisschen gerade zu rücken – links, auf Kosten der Fassade rechts. Ich habe ausserdem in Lightroom die dunkle Fassade leicht erhellt, die Sättigung und die Konturen gestärkt und einen leichten Verlauf in den leider sehr langweiligen Himmel gelegt, um die goldene Abendbeleuchtung zu betonen, die abzuwarten immer noch das beste HDR ist… Ein meiner Ansicht nach nahezug perfektes Stadtbild, das Räumlichkeit simuliert wie wenige solche Aufnahmen und zugleich eine Stimmung transportiert, welche die Erhabenheit des Doms aus der Ferne betont – ich gratuliere.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.

2 Antworten
  1. Frieder Haenisch says:

    Ich hatte versucht dadurch die Häuserschlucht etwas enger wirken zu lassen. Oder stört es die Bildkomposition dadurch zu sark?

    Antworten
  2. Swonkie says:

    ich würde gerne vom fotografen wissen, wieso er das bild schrägstellt. da es hier so deutlich ist, gehe ich nicht von einem versehen aus – versteh aber nicht was dahintersteckt.

    Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *