Seespiegelung:
Ein Loch unterm Himmel

Spiegelungen in Gewässern sind beliebte Motive, sie sollten aber einen interessanten Effekt bieten.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Roland Schweers).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Roland Schweers).

Kommentar des Fotografen:

Diese Aufnahme wurde im “Großen Torfmoor” gemacht. Umwandlung in SW.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Roland Schweers:

Ein Weiher erstreckt sich in diesem Bild fast vom unmittelbaren Vordergrund bis ins oberste Drittel der Schwarz-Weiss-Aufnahme. Gerahmt wird er am unteren und an den seitlichen Bildrändern von allerlei Gräsern und Krautzeug; hinter dem gegenüberliegenden Ufer ist in der Ferne ein Hügelzug zu erkennen und darüber prangt ein dramatischer, von lockeren Wolken durchzogener Himmel.

Spiegelungsbilder – oder jedenfalls Aufnahmen mit einer Himmel- und einer Wasserfläche – ziehen ülicherweise unsere Blicke an. Ich nehme an das liegt daran, dass der Anblick für die wenigsten von uns alltäglich ist und sich nicht aus dem Wohnzimmerfenster ergibt:

Wofür wir allerdings wohl am meisten schwärmen, sind Spiegelungen in der Wasserfläche. Und hier fällt auf, dass just diese fast gänzlich fehlt – das Wasser des Weihers ist in erster Linie eine weisse Fläche, die dem dramatischen Himmel gegenüber steht: das Wasser ist die ruhige Fläche, der Himmel die dramatische. Der Umstand war mir auf den ersten Blick nicht völlig klar, aber dieses “weisse Loch” in der Landschaft ist der Blickfang, und mein Blick wurde gefangen, weil die erwartete Spiegelung fehlt – auch wenn ich glaube, dass mein gehirn sie mir anfänglich vorgaukelte.

Ich gehe davon aus, dass Du mit dem Polfilter unterwegs warst – der Himmel zur linken ist nämlich von einem dermassen dramatischen Kontrast geprägt, dass ich nicht allein an die Kanalfilterung bei der Schwarz-Weiss-Umwaldung glauben kann.

Der Polfilter bietet aber bei solchen Aufnahmen gleich mehrere Schwierigkeiten: Er wird meistens dazu angewandt, Wolken gegen den Himmel besser abzuzeichnen oder Spiegelungen auf Wasserflächen auszuschalten. Hier passiert ein bisschen von beidem – was teilweise ein Grund für die flaue Spiegelung auf der Wasserfläche sein könnte. ein weiteres Problem – das bei diesem Bild dank der Bewölkung kaum auffällt – ist aber auch, dass bei einer Brennweite von 10mm der Bildwinkel, also der Ausschnitt aus der abgebildeten Landschaft – grösser wird als der Wirkungswinkel des Polfilters. Das führt namentlich bei Bildern mit wolkenlosem Himmel zu eigenartigen Verfärbungen in demselben. Ich habe mir damit anfänglich so manche ultra-Weitwinkelaufnahme versaut.

Auch wenn diee Aufnahme nicht den Erwartungen entspricht, einen Blickfang bietet sie jedenfalls, und die Umkehrung der Dramatik zwischen Himmel und wasser und der Ausschnitt, er aus dem Weiher im Moor eine Art helles Loch in der erde macht, hat einen eigenen Reiz. Die Halme der Gräser verschaffen dem Bild ausserdem ein gewisses Mass an Dynamik und ihre Nähe sorgt für Tiefe. Wesentlich mehr als die groben, grossflächigen Kompositionselemente gibt es aber nicht her. Das lässt den gefangenen Blick leider allzu schnell weiterewandern.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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Ein Kommentar

  1. Schon seltsam wie die Spiegelung so garnicht zum Himmel passt. Ist das wirklich ein Effekt des Polarisationsfilters, oder wurde der Himmel durch eine dramatischere Version ersetzt?

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