Annett Gröschner/Arwed Messmer:
Die frühe Berliner Mauer

Ein wahrer Schatz aus ehemaligen DDR-Archiven: Panoramafotografien der frühen Berliner Mauer. Annett Gröschner und Arwed Messmer haben sie aufbereitet.

Wir sehen: Die frühe Mauer war durchsichtig, noch nicht überall massiv, provisorisch mit Stacheldraht oder Zäunen abgegrenzt. Zum fünfzigsten Jahrestag des Mauerbaus sehen wir die Bilder in Berlin.

Arwed Messmer, der Fotograf aus dem Westen und Annett Gröschner, die Autorin aus dem Osten Deutschlands entdeckten Anfang der Neunzigerjahre bei Recherchen im militärischen Zwischenarchiv diesen Schatz – einen Pappkarton voller Negative, so wird es in der Presseinfo mitgeteilt. Die Bilder zeigten den Mauerstreifen aus DDR-Innensicht, und sie unterlagen bis zur Wende strengster Geheimhaltung.

1966 hatten Grenztruppen der DDR den in Mauerverlauf in der Stadt Berlin über die ganze Länge von 43,7 km (von Treptow bis Pankow und ausschließlich auf Ostberliner Seite) fotografisch erfasst. Dokumentiert werden sollte der schlechte Zustand der aus unterschiedlichsten Materialien bestehenden, im offiziellen Sprachgebrauch der DDR-Grenztruppen als PTA (pioniertechnische Anlage) bezeichneten Grenze zu Westberlin. Die Filme wurden entwickelt – und vergessen.

Aus rund 1200 Einzelnegativen hat Arwed Messer für die Ausstellung 324 Panoramen digital bearbeitet. Sie bilden die innerstädtische Mauer vollständig ab – in der Ausstellung auf einer Länge von 200 Metern. Sie sind mit Textbändern versehen, die sich auf Geschehnisse am jeweiligen Ort Mitte der Sechzigerjahre beziehen und von Annett Gröschner aus den Akten recherchiert und verdichtet wurden.

Das Projekt zur frühen Berliner Mauer will vor allem das Atmosphärische der Teilung für beide Seiten Berlins erfahrbar machen. Das Fotografieren der Grenzanlagen auf östlicher Seite war Privatpersonen streng verboten und wurde mit empfindlichen Strafen geahndet. Der Blick vom Ostteil Berlins nach Westen ist deshalb nicht nur neu und ungewohnt, er offenbart auch einen Blick auf ein Westberlin, das so gar nicht dem Mythos des “Goldenen Westens“ zu entsprechen scheint.

Das Projekt “Aus anderer Sicht. Die frühe Berliner Mauer” hat eine eigene Website, auf der wir uns einige der (online) zu klein abgebildeten Panoramen mit den Texten anschauen können. Das Buch Aus anderer Sicht. Die frühe Berliner Mauer (Affiliate-Link) mit über 750 Seiten soll im August 2011 im Hatje Cantz-Verlag, Ostfildern, erscheinen, war aber aktuell noch nicht lieferbar.

Annett Gröschner/Arwed Messmer: Aus anderer Sicht. Die frühe Berliner Mauer
Bis 3. Oktober
Ausstellungsort: Unter den Linden 40 (2. OG, zwischen Friedrichstraße und Neustädtische Kirchstraße), D-10117 Berlin
Kontakt +49 (0)30 21759872, info@aus-anderer-sicht.de
Geöffnet täglich 10 – 20 Uhr

Projekt “Aus anderer Sicht. Die frühe Berliner Mauer”

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1 Kommentar

  1. CorinneZS
    schrieb am 2. September 2011 um 13:11 Uhr (#)

    Danke für den interessanten Artikel. Das Thema ist zeitlos, die Ausstellung mit Panoramabildern sicher eine passende Inszenierung.
    Die Frage, ob Mauern bauen, Zäune ziehen, Grenzen verteidigen Probleme löst oder verursacht, stellt sich im Grossen und im Kleinen immer wieder. Fast möchte ich meinen, auch privat alltäglich.

    Nett ist, dass das Verstaubte der Aufnahmen den Schluss zulässt, dass auch perfekte politische Lösungen nie von langer Dauer sind.

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