Bewegte Sonnenblumen:
Zu Schwach für Schwarz-Weiss

Sonnenblumen sind kein typisches Schwarz-Weiss-Motiv. Vor allem vor einem blauen Himmel kommen sie bunt besonders zur Geltung. Um auf die Farbe zu verzichten, braucht es Gründe.



Kommentar des Fotografen:

Es handelt sich hier um ein Sonnenblumenfeld an einem wechselhaften Tag. Da es recht windig war wollte ich darstellen wie sich die Sonnenblumen im Feld durch den Wind bewegen. Für mich wirkt das S/W-Bild noch eindrucksvoller, da die Farben nicht von dem sich bewegenden Motiv ablenken und sich ein schön ruhiger Himmel darstellen lässt.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Michael Molzar:

Ein Sonnenblumenfeld ist in dieser Scharz-Weiss-Fotografie auf Blütenhöhe fotografiert worden. Die Blütenstände belegen mit einer Horizontalen etwas mehr als das unterste Bilddrittel. Auf den zweiten Blick ist zu erkennen, dass sie fast alle stark bewegt und dadurch unscharf sind.

Sonnenblumen sind vor allem durch eines beindruckend: Ihre knallgelbe Farbe und die mächtigen Blütenköpfe mit den schwarz-Weissen Kernen. Zusammen mit dem meist satten Grün der Stängel ergeben sie vor einem blauen Himmel einen natürlichen Blickfang, weil wir auf Kontraste wie Blau-Ror und Blau-Gelb besonders stark reagieren.

Du hast hier das Feld frontal gegen einen wolkenlosen, lediglich leicht verschleierten Himmel fotografiert. Die Umwandlung in Schwarz-Weiss, schreibst Du, macht das Bild beeindruckender, weil die Farben nicht mehr vom Motiv ablenken. Das ist ein starker Ansatz, der hier aber nicht aufgeht. Der Bruch mit der Erwartung der Betrachter ist ein Stilmittel, das man durchaus einsetzen kann. Damit aber darf nicht das Ende des Überraschungsmoments erreicht sein. Wenn Du mir Sonnenblumen vor blauem Himmel servierst und just auf die stärkste Wirkung durch die Farben verzichtest, muss ich etwas anderes entdecken können, und das ist hier nicht der Fall. Ich komme durch die Bewegung der Blumen noch nicht einmal wirklich dazu, das Motiv zu studieren. wenn Du noch dazu eine Bildaufteilung wählst, welche geradezu nach den Farben schreit – zwei drittel blauer Himmel im Farbverlauf, zum Beispiel – musst Du meine Verblüffung über den Verzicht auf just dieses Element – Farbe – begründen. Ansonsten liegt schnell der Verdacht auf der Hand, dass ein wenig beeindruckendes Bild durch die Umwandlung in Schwarz-Weiss “kunstvoller” gemacht werden sollte.

Das kann gelegentlich gelingen, aber am wenigsten gelingt es, wenn die Komposition ziemlich eindeutig in Farbe und auf Basis der Farben gemacht wurde. Der “schön ruhige” Himmel ist in grau nämlich vor allem eines – uninteressant.

Wenn Du also vor Ort die Idee für ein Schwarz-Weiss-Bild bereits hattest, hättest Du sie weiterentwickeln und auf die Spitze treiben können. Eine Ansicht auf das bunte Blumenfeld in einem steilen Winkel von oben, mit dem Weitwinkel nah an eine der bunten Blüten, mit Details in Scharz-Weiss, die wir uns sonst nicht ansehen, weil wir immer nur auf die Farben fixiert sind, wäre ein bemerkenswerter Einsatz des Schwarz-Weiss.

Die Bilddrittelung aber mit einer Bewegtunschärfe, die man sich noch dazu zuerst nicht erklären kann, die aber einen genauen Augenschein der Blumen verhindert, löst den Bruch mit der Farbkonvention nicht auf und lässt die Betrachter rätseln, was Deine Absicht war.

Schwarz-Weiss ist kein nachträglicher Bearbeitungsfilter, den man nach Belieben über Farbbilder stülpen und sie dadurch interessanter machen kann, wie das etwa mit Vignette, Verläufen und meinetwegen sogar zusätzlicher Unschärfe der Fall ist. Schwarz-Weiss-Fotografie verlangt ein ganz anderes Sehen. Wer auf Farbe bewusst verzichtet, will uns Linien, Muster, Bewegung, Schattierungen und Formen zeigen – und von all dem ist in diesem Bild wenig bis nichts zu erkennen.

Ich könnte mir vorstellen, dass die Aufnahme in Farbe durchaus etwas hat, was mich einen Moment verweilen liesse und was mit der Masse an Gelb und Blau zu tun hat. Aber eine dunkelgraue vor einer hellgrauen Fläche, die mit einer geraden getrennt sind, und in deren einzigem Detailbereich ich aufgrund von Unschärfe keine Details erkennen kann, funktioniert nun mal nicht.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Kommentar

  1. Reinhard Witt
    schrieb am 31. August 2011 um 18:01 Uhr (#)

    Jo, besser kann man das gar nicht sagen… ICH persönlich hätte es auch lieber in Farbe gesehen… :-)

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