Strassenfotografie:
Perfekt inszenierte Silhouette

Perfekte Komposition mit vielen Linien, die auf ein ebenso perfektes Subjekt zeigen: So entsteht eine hervorragende Fotografie.

Kommentar des Fotografen:

Dieses Foto ist bei einem Fotoshooting für einen Freund enstanden. Dieser ruft eine eigene neue T-Shirtmarke ins leben, für BMX, Dirt- und Downhillfahrer. (MTB)Für seine Hompage habe ich ein paar Fotos von seinem “Team” geschossen. Dieses Foto jedoch war für mich. Mich hat die Struktur der Architektur sehr beeindruckt, und der Zusammenhang mit meinem Sport war das i-Tüpfelchen. Das schwere an dem Foto war es, den Fahrer noch soweit zu motivieren, dass er sich ausreichend an der Kante in die Luft drückt und einen kleinen Tabletop (ein Trick) zeigt. Nach einer ganztägigen Fototour durch Graz war bei Sonnenuntergang die Kraft und die Lust raus, was sich bei Anblick dieses Fotos auf dem Display schnell wieder änderte. Da diese Foto eigentlich relativ einfach ist, ist es, so finde ich, trotzdem ein Highlight meiner Sammlung und deswegen würde ich es auch gerne von Profis bewerten lassen. Entstanden in Graz-Liebenau in Österreich.

Profi Stuart Schwartz meint zum Bild von Gregor John:

Eine hervorragende Aufnahme. Das Licht, die Komposition, der entscheidende Moment: Alles in einem Sekundenbruchteil mit einer einzigen stimmigen Belichtung eingefangen.

So entsteht diese Silhouette des Subjekts gegen den Himmel, der noch dazu mit einem sehr weichen Verlauf erscheint. Der Schlüssel für diesen Erfolg liegt in der Wahl der richtigen Tageszeit.

Aber die Kunst der Komposition liegt in den grossen Teilen an Negativraum und zum Motiv führenden Linien, die Architektur stützt die Komposition mit zusätzlicher Spannung, sie hat ausserdem genug Zeichnung und Detail, um interessant, aber nicht ablenkend zu wirken. Wären die Gebäudeteile dagegen in der absoluten Schwärze einer Silhouette, würde die Aufnahme viel verlieren. Der abgebildete Winkel müsste einen Architekten eigentlich sogar ohne den Biker begeistern, weil hier ein sehr ungewöhnlicher Blickwinkel entsteht.

Das zweite, subtile Element, welches die Gesamtkomposition fast unmerklich bereichert, ist die leichte Textur im Gras. Sie steht im Kontrast zum Gebäude mit seinen klaren Linien und fügt so eine Spannung in das Gesamtobjekt. Ich weiss nicht, ob Du die Location vor dem Shotting ausgekundschaftet hast: Wenn ja, hast Du einen hervorragenden Job gemacht – wenn nein, hattest Du enormes Glück.

Was den Biker angeht: Der scheint seinerseits ein Talent zu sein. Der Winkel des Bikes ist perfekt, ausserdem fragen wir uns unwillkürlich, wie er die Landung überlebt hat. Wie hat er soviel Luft unter sich gebracht?

Es steckt eine Mehrzahl an offenen Emotionen und Fragen in diesem Bild. In ihnen liegt die Schönheit und die Spannung des Bildes.

Eine letzte Bemerkung: Man könnte dieses Bild auf viele Weisen beschneiden und jedesmal eine grossartige Fotografie erzielen. Man kann dazu nur gratulieren.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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12 Kommentare

  1. claudia
    schrieb am 31. August 2011 um 11:44 Uhr (#)

    Das ist wirklich ein grandioses Foto! Muss man nichts mehr zu sagen, danke für’s Zeigen!

  2. Dr. Thomas Brotzler
    schrieb am 31. August 2011 um 17:07 Uhr (#)

    Ich stimme der Rezension insgesamt zu, insbesondere in Hinblick auf die durchdachte Komposition mit den hinführenden und einrahmenden Linien.

    Der Vordergrund – hier beschreiben als “leichte Textur im Gras” – ist mir jedoch zu vage und zu wenig eindeutig. Ich hatte Mühe, (bei dieser Vergrößerung) besagte Struktur zu erkennen und empfinde auch deren Unschärfe als nicht optimal.

  3. Reinhard Witt
    schrieb am 31. August 2011 um 18:07 Uhr (#)

    @ Thomas: Ich hatte Mühe, (bei dieser Vergrößerung) besagte Struktur zu erkennen und empfinde auch deren Unschärfe als nicht optimal. Das glaub ich jetzt nich… :-)
    Hier ist mehr “Wumms” drin als in dieser überbelichteten unscharfen Ziege und dann das?… Dieser winzig kleine Unschärfebereich reißt Dich dazu hin, das Gesamtwerk zu unterschätzen?

    Du überraschst mich wirklich. :-)

    1. Dr. Thomas Brotzler
      schrieb am 1. September 2011 um 00:37 Uhr (#)

      @ Reinhard: oh Geist, der stets verneint! Wie eint uns die stete Uneinheit! Abgesehen davon hatte ich zur Ziege doch eine klare Meinung …

  4. Reinhard Witt
    schrieb am 1. September 2011 um 00:42 Uhr (#)

    @ Thomas: Vielleicht liegt es einfach nur daran, dass ich Deinem Intellekt nicht folgen kann… :-)
    Manches kann man auch einfacher ausdrücken. Für Dich sicher einfacher als für mich. Du musst nur ein klein wenig weiter “runter”, weil ich kann nicht so “hoch” hinauf wie Du denkst…

    Fotografie ist nicht nur für Studierte… ;-)

  5. Uwe S.
    schrieb am 1. September 2011 um 03:05 Uhr (#)

    Gibt es für Selbstdarsteller wirklich keine andere Plattform als die Kommentare von Fokussiert? Vertrollt euch!

    1. Dr. Thomas Brotzler
      schrieb am 1. September 2011 um 07:40 Uhr (#)

      @ Uwe S. … jetzt laß mal bitte gut sein. Wenn Reinhardt Witt und ich hier zu einem spöttischen Dialog neigen bzw. einen solchen aus vergangenen Threads fortsetzen, dann geht Dich das – mit Verlaub – zunächst einmal überhaupt nichts an. Wenn es Dich stört, dann überlese es bitte. Wenn Du unsere ansonsten konstruktiven Diskussionsbeiträge nicht zur Kenntnis nehmen möchtest, dann ist es Dein Problem. Ansonsten spare Dir bitte Deine Entwertungen (Selbstdarsteller, Trolle), denn diese sagen in allererster Linie etwas über Dich selbst aus.

  6. Reinhard Witt
    schrieb am 1. September 2011 um 09:12 Uhr (#)

    @ Thomas: Gut gebrüllt Löwe :-)

    Ansonsten Uwe, WO bleibt Dein konstruktiver Comment…
    DAS war überflüssig…

    1. Dr. Thomas Brotzler
      schrieb am 1. September 2011 um 09:24 Uhr (#)

      @ Reinhardt … es ging mir aber nicht darum, Uwe als Person abzukanzeln, zumal er ja auch immer wieder mit konstruktiven Anmerkungen hervortritt und ich ihn als solches schätze; vielmehr darum, eine klare Grenze gegenüber drohenden verbalen Entgleisungen zu setzen. Darüber hinaus sollten wir auch selbstkritisch sein (ich will mir also auch an die eigene Nase fassen) und die Hinweise respektieren, daß solche Privatdialoge ab einem gewissen Maß als störend bzw. ablenkend empfunden werden können. Man hätte es wohl moderater formulieren können, im Kern steckt aber eine wichtige Botschaft drin …

  7. Dominic
    schrieb am 1. September 2011 um 17:16 Uhr (#)

    Schönes Foto, die (in der Tat vorhandene, aber vollkommen akzeptable) Unschärfe im unteren Bereich nimmt dem Foto m.M. nach nichts.

    Das einzige, was ich kritisieren würde, wäre die Einordnung als “Straßenfotografie”, ist das Foto doch definitiv gestellt und nicht aus dem Moment heraus ungeplant, bzw. ohne größere Vorplanung, entstanden.

  8. Gerd Dörfler
    schrieb am 1. September 2011 um 20:03 Uhr (#)

    Ich finde das Foto richtig klasse! Das ist für mich zum Beispiel “Kunst” ;-)

  9. Gregor John
    schrieb am 4. September 2011 um 15:10 Uhr (#)

    Hallo!!

    Also ich muss mich wirklich für diese kommentare bedanken!
    Find ich toll dass es gefällt!

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