Landschaftsfotografie:
Viadukt im Winter

Schnee-Fotos sind schwierig aufzunehmen, weil die Farbe fehlt und der kamerainterne Belichtungsmesser schwer mit dem vielen Weiß klarkommt. Aber es lohnt sich, wie dieses Winterfoto zeigt.

Kommentar des Fotografen:

Das Bild zeigt das Bietigheimer Enz-Viadukt, fotografiert von einer Fußgängerbrücke über den selben Fluss. Ich hab das Bild nach Sonnenaufgang aufgenommen. Früher bin ich auf meinem Schulweg oft über diese Brücke gelaufen, und auf der Suche nach einem neuen Fotomotiv habe ich mich an den Blick auf das Viadukt von der Brücke aus erinnert. Ich habe des Bild im nachhinein zu schwarz/weiß konvertiert, da im linken Teil des Bildes eine Straßenlaterne die Bäume beleuchtet hat, was mir zum einen nicht gefiel und zum andern die Symmetrie des Bildes zerstörte, da auf der anderen Seite keine solche Laterne zu sehen ist.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Dominic Walter:

Winterfotos, vor allem Schneefotos, sind für Fotografen immer eine Herausforderung. Nicht nur ist es meist so kalt, dass man sich am liebsten mit einem heißen Kakao am Kamin wärmen würde.

Der Schnee schluckt mit seinem Weiß auch alles Farbige und lässt sonst so strahlende Landschaften auf einmal ruhig und idyllisch erscheinen:

Außerdem bringt er fieserweise den kamerainternen Belichtungsmesser so durcheinander, dass es sich oft empfiehlt, manuell eine halbe bis ganze Blende überzubelichten.

Der Fotograf Dominic Walter hat zumindest den Punkt mit den geschluckten Farben zu seinen Gunsten gedreht, indem er das Foto kurzerhand in ein Schwarz/Weiß-Foto konvertiert hat – eine elegante Lösung, die vor allem bei Winterfotos oft gute Ergebnisse bringt.

Das Motiv selbst ist relativ kitschig, in ähnlicher Weise schon tausendfach auf Postkarten gesehen. Gerettet wird es immerhin durch den Einsatz eines Weitwinkelobjektivs, der den Bäumen am rechten und linken Bildrand etwas mehr Perspektive verleiht, und das Viadukt, das heutzutage an sich schon ungewöhnlich genug ist, um als Hingucker zu dienen, wenn auch nur klein im Hintergrund.

Der Vordergrund ist tatsächlich auch etwas langweilig, hier hätte der Fotograf versuchen können, durch einen anderen Standpunkt einen Ast oder Baum dichter an der Kamera zu haben, um die Tiefenwirkung zu verbessern. Eventuell würde auch ein sehr horizontaler Beschnitt, wie ich in versucht habe, die Bildwirkung verbessern.

Unschön ist auch die Stelle links im Wasser, die deutlich mehr zu verschwimmen scheint als der Rest des Flusses. Keine Ahnung, ob hier versehentlich zu viel retuschiert wurde oder das Wasser dort besonders unruhig war und deshalb bei 10 Sekunden Belichtungszeit stärker verschwamm als der Rest.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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