Naturfoto:
Reines Farbenspiel

Bilder können schon alleine aufgrund ihrer Farben eine besondere Wirkung auf den Betrachter ausüben. Diese Aufnahme mit Blumen und Insekten vor einem blauen Himmel erinnert mich an die Gemälde des Künstlers Jeff Koons.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Florian Kleinschmidt).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Florian Kleinschmidt).

Kommentar des Fotografen:

Bei einem Besuch des tollen Wildparks Edersee in Nord-Hessen traf ich erst am Ausgang auf das schönste Motiv des Tages. Auf einer Blume teilten sich zwei völlig unterschiedliche Insekten den Nektar. Ich gab dem Bild den Titel “Share the sweet things in life”. Es dauerte einige Minuten, bis die beiden Hauptdarsteller so platzgenommen hatten und der Wind sich beruhigt hatte, dass ich mit dem Foto zufrieden war. Bereits auf dem Display gefielen mir die Farben und auch der Farbverlauf im Hintergrund sehr, der übrigens durch einen dunklen Wald vor strahlend blauem Himmel entstand. Besonders interessant fand ich auch die Pflanze, auf der die beiden Platz genommen haben. Geschossen habe ich das Foto mit einem 70-200 2.8 bei strahlendem Sonnenschein. Kein Problem mit der Belichtungszeit, die hier bei einem Maximum von 1/8000 Sekunde liegt. Leider war ich so von der Gelegenheit euphorisiert, dass ich erst nach ein paar Bildern die viel zu hohe Empfindlichkeit von ISO 1000 (!) bemerkte, die natürlich völlig überflüssig war. Dieses Bild war da bereits im Kasten. Glücklicherweise hat es dem Bild am Ende kaum geschadet.

Profi Martin Zurmuehle meint zum Bild von Florian Kleinschmidt:

Als ehemaliger Entomologe sprechen mich Bilder mit Insekten immer an:

Der kleine Fuchs ist ein interessanter Schmetterling, der auch weite Wanderstrecken zurücklegt, als erwachsenes Tier überwintert und so ein erster Frühlingsbote ist.

Aber eigentlich liegt das Besondere dieser Aufnahme von Florian Kleinschmidt nicht bei den abgebildeten Insekten, sondern bei der Schönheit seiner Farbkombination. Die gelben, und hell- und dunkelgrünen Farben der Blumen und der hellblaue grossflächige Hintergrund (mit einem starken Verlauf) bilden eine schöne Farbharmonie, die roten und violetten kleinen Farbbereiche hingegen einen spannungsvollen Kontrast dazu. Insgesamt entsteht so eine auf den ersten Blick fast kitschig wirkende Farbcollage.

Dieses Bild erinnert mich von der Farbstimmung her an die Kunstwerke von Jeff Koons, der gerade diesen “Kitscheffekt” ganz gezielt in seine Kunst integrierte. Vor allem bei einigen seiner Fotoserien (“Made in Heaven”) setzen er ganz ähnliche Farben ein. Auf den ersten Blick wirken diese Farben deshalb kitschig, weil sie uns an solche und ähnliche Gemälde und Fotografien erinnern, auf der anderen Seite wirken diese Farben gerade auch deshalb sehr attraktiv und ziehen unseren Blick an.

Bei der Gestaltung der Aufnahme hat Florian Kleinschmidt nicht den bunten Schmetterling ins Zentrum genommen, sondern er spielt mit Schärfe und Unschärfe und setzt die scharfe Blume mit dem Schmetterling in einen Dialog mit der unscharfen Blume im Hintergrund. So entsteht eine grosse räumliche Tiefe, und der Blick des Betrachters wird durch die Schärfe auf den Schmetterling im Vordergrund geführt. Der neutrale hellblaue Hintergrund stellt die beiden zentralen Motive der Aufnahme perfekt frei, so wie wir es auch in der Studiofotografie mit einem neutralen Hintergrundkarton tun. Auch dadurch wird das zentrale Motiv der Aufnahme betont.

Fazit: Florian Kleinschmidt ist es gelungen, einen kleinen Ausschnitt aus einer alltäglichen Situation auf einer Wiese auf eine wirkungsvolle Art aufzunehmen. Einzige kleiner Kritikpunkt ist, dass dieses Motiv halt doch sehr “normal” ist und uns kaum etwas Neues und Überraschendes zu zeigen vermag.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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