Landschaftsfotografie:
Licht ist genug

Braucht eine Landschaftsfotografie eine umwerfende Landschaft? Nicht unbedingt. Umwerfendes Licht kann genügen – wenn ein paar andere Faktoren stimmen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Katharina Franz).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Katharina Franz).

Kommentar des Fotografen:

Aufgenommen mit einer Canon EOS 1000D bei 51 mm, 1/320 sec. und f/13 bei ISO200. Dieses Foto entstand am frühen Morgen, etwa 7 Uhr. An diesem Morgen war es sehr neblig, wie man im Hintergrund sehen kann. Das Licht brach sich wunderbar im Nebel, sodass ich die Pflanzen im Vordergrund mit der aufgehenden Sonne im Hintergrund einfach festhalten musste. Durch den Nebel wird der Kontrast zwischen den einzelnen „Waldschichten“ noch einmal hervorgehoben.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Katharina Franz:

Einige relativ karge Pflanzen stehen in diesem fast monochromen Sonnenaufgangs-Bild gegen das Licht als Silhouetten vor einer Waldlandschaft. Unmittelbar hinter den im Vordergrund in den Fokus gerückten Stauden erstreckt sich eine Weide im Nebel zu einem Waldrand, der ebenfalls rechtwinklig zur Fotografieebene in zwei Schichtungen die aufgehende Sonne im Nebel verdeckt.

Don Smith, einer meiner Landschafts-Fotografielehrer, hat in einem Blogpost vor einiger Zeit festgehalten, dass ein guter Landschaftsfotograf nicht in jeder Szenerie sofort ein Motiv erkennen muss:

Er selber, schreibt Don, sehe das Licht, die Stimmung – und suche sich danach das Motiv, welches diese Erscheinung am besten inszeniert.

Wir haben im letzten Workshop in Nordkalifornien, den ich bei Don besucht habe, eine Liste der “Bildauslöser” zusammenzustellen versucht, die einen Landschaftsfotografen antreiben können (ich hoffe, in einem eigenen Posting darauf zurückzukommen). Dazu gehören Lichtstimmung, Farbe, Muster und Formen, Luminanz etc – und nur irgendwo am ende der Liste haben wir schliesslich “faszinierende Landschaft” eingefügt.

Du hast an diesem Morgen das grossartige Licht und die Stimmung durch die Nebelschwaden gesehen und versucht, ein Motiv zu finden, welches diese Elemente am besten in Szene setzt. Nebel ist ein starkes element, das gut für Räumlichkeit in Landschaftsfotos sorgen kann. Diesen Effekt hast Du aufgegriffen und dabei noch zusätzlich mit dem Silhouetten-Vordergrund betont: Die Pflanzen im Fokus, aber nur als schwarze Schatten, die Wiese im Nebel und die beiden Lagen des Waldes, all das ergibt ein Bild von grosser Tiefe, und das trotz deutlich geschlossener Blende.

Den angestrebten Effekt hast Du erreicht, das Bild erstreckt sich hinter der Bildebene weit hin zum Waldrand-Horizont.

Und dennoch reicht das nicht ganz, um eine richtig gute Fotografie auszumachen. Denn nachdem man das eigentliche Wesen der Aufnahme bestimmt hat – das Morgenlicht mit Nebel -, braucht man eine Komposition, welche zusätzliche Spannung ins Bild bringt oder die bestehende unterstützt. Zwar gefallen die vier Ebenen der Landschaft, die sich hier vor der Linse erstrecken, aber für mehr als einen Blick reichen sie nicht aus. Mich stören die Gleichmässigkeit der Waldlinie im Hintergrund, die fast gerade scheinen, und der ebenso gleichförmige und als fast eingemittete Welle im Bild platzierte Bogen der Blütenstände im Vordergrund. das ist alles so gleichmässig und ordentlich und spannungslos, dass es mich einfach nicht zu fesseln vermag: Der Morgen ist ruhig und ausgeglichen, der Waldrand ist es auch und die Blütenstände stehen nicht nur in einer sauberen Reihe, sondern auch noch schön der Länge nach geordnet in letzteren.

Hier hätte es sich gelohnt, nach einem Bruch zu suchen, einer Störung in der Gleichförmigkeit, und den Kontrast zu der ruhigen Lichtstimmung mit einer deutlich weniger ruhigen Komposition zu schaffen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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31 Kommentare

  1. Das Bild gefällt, die Meinung von Peter Sennhauser (wer auch immer das sein mag – seine Beispielfotos im Autorenprofil sind jedenfalls nicht “so dolle”) ist jedoch ziemlich uninteressant.

    • Hallo Kenny

      Vielen Dank für den Hinweis: Meine Beispielbilder stammen in der Tat aus der Zeit lange bevor ich dieses Blogprojekt gestartet habe – sie waren sechs und mehr Jahre alt, und in dieser Zeit mag ich vielleicht auch noch was gelernt haben. Bloss hat mir bisher die Zeit gefehlt, die Bilder aufzudatieren – und jetzt hat mich der Hafer gestochen und ich hab’s getan. Vielleicht “gefallen” die neuen ja mehr.

      Wer ich bin, ist nicht so wichtig, aber es steht eigentlich just im Porträt, und wer hier ein bisschen länger mitliest, der interessiert sich wahrscheinlich durchaus für die Kommentare der Kritiker und kennt sie. Insofern gehe ich davon aus, dass Du zum ersten Mal überhaupt auf fokussiert.com warst und lade Dich ein, Dich umzuschauen, mitzudiskutieren und vielleicht auch Beiträge wie diesen anzusehen.

      Es geht hier nicht darum, Fotografinnen und Fotografen zu bewerten, sondern gemeinsam ihre Bilder zu diskutieren, und wir tun das mit der Initialzündung durch die Kritik von Profis – die wir dafür übrigens bezahlen.

      Ich bin kein Profi, bilde mir aber ein, das Handwerk der einfachen Bildkritik inzwischen leidlich zu beherrschen – nach ein paar hundert Kritiken und täglich 3500 Agenturenbildern geht das doch immer besser.

      Ausserdem sind die wenigsten Theaterkritiker Schauspieler, die wenigsten Filmkritiker Regisseure und die wenigsten wirklich guten Fussballkommentatoren Fussballer.

    • Vielen Dank für die Aktualisierung der Bilder im Autorenprofil. Ich bin der Auffassung, dass man, um Bilder richtig bewerten zu können, selbst profunde Kenntnisse über das Handwerk und die Kunst der Fotografie benötigt. Diese sind in den nun gezeigten Bildern wesentlich besser erkenntlich als in den alten Fotos.

  2. Leider kann ich das Bild nicht speichern um es als Hintergrundbild zu verwenden. Dennoch grandioser Sonnenaufgang, tolles Bild.

  3. Ich finde die Bildkritiken von Peter Sennhauser im Allgemeinen außerordentlich gut, er setzt sich wirklich mit dem jeweiligen Bild auseinander und versucht, genau darzustellen, was ihm gefällt (oder nicht) und warum.
    Ich bin in diesem Fall absolut seiner Meinung, aus der tollen Stimmung hätte man mehr machen können. Nicht einmal erwähnt hat Peter, dass die Sonne genau in der Mitte des oberen Randes brennt, was zusammen mit dem angesprochenen Bogen der Blütenstände auch noch dazu führt, dass der Blick genau dorthingezogen wird. Nicht vorteilhaft!

    Der Wortschatz von Kenny erschöpft sich in “Bild gefällt” und “Bilder nicht so dolle”. Na dann …

    Gruß
    Wolfgang

    • Im Gegensatz zu einem Peter Sennhauser habe ich einen einfachen Kommentar abgegeben und keinen ganzen Blogartikel geschrieben. Aber solche Unterschiede bemerkt halt nicht jeder.

  4. Ich glaube nicht, dass man ueber die Qualifikation zur Bildkritik von Peter Sennhauser diskutieren muss.

    @Kenny: Wenn etwas weniger Ueberheblichkeit in deine Kommentaren mitschwaenge wuerde man sie vielleicht ernster nehmen. Gerade weil du ihn nicht kennst waere vielleicht ein wenig Respekt und Hoeflichkeit angebracht. Nennt sich gute Kinderstube.
    Die Meinung von Peter Sennhauser mag fuer dich uninteressant sein. Fuer andere hingegen nicht.

    • Dann ist das für dich so – aber was hat das mit meinem Kommentar zu tun, in dem ich eben ausdrücke, dass seine Meinung für mich uninteressant ist?

      Wie gesagt: Ich habe in seinem Autorenprofil keine außergewöhnlich guten Fotos gesehen, deshalb ist es mir wohl unbenommen, seine Kompetenz in Sachen Fotokritik in Frage stellen zu dürfen. Würde ich auf so einer Foto-Website Autor sein und mich auf einer einzelnen Autorenseite präsentieren müssen, würde ich doch gute Fotos verwenden und nicht irgendwelche (schlecht ausgeleuchteten, schlecht zugeschnittenen, etc.).

  5. Katharina Franz, lass Dir nix erzählen: Das Foto ist super!

  6. Tja Kenny, es dürfte nicht leicht werden für Dich, bezeugen doch unzählige wundervoll geschriebene Artikel mit teils grandiosen Fotos (einige sogar mit Fischkopf!) ein Naturgesetz: Nur Blinden und Toten gefällt nicht, was er macht. Herzen zum Schmelzen bringt zudem seine Bescheidenheit. Diese mit fehlendem Können zu verwechseln ist fast schon eine Leistung.

  7. Hallo,

    ich wollte mich erst einmal für die Kritik bedanken. Schließlich bekommt man nicht alle Tage die Chance, seine Fotos von anderen Fotografen beurteilt zu bekommen.

    Ich muss sagen, dass ich die Kritik auf jeden Fall annehme, aber den Verlauf des Postings nicht ganz verstehe. Anfangs scheint noch alles positiv, dann wendet sich das Blatt aber und das Foto ist laut Sennhauser doch nicht so toll. Für mich klingt das irgendwie danach, als ob 99% gut sind, aber das 1% zur Perfektion leider nicht zu sehen ist – sehe ich das richtig? Ich möchte es nur verstehen, weiter nicht. Schließlich geht es hier um mein Bild. :)

    Dazu noch eine kleine Anmerkung: ich finds schade, dass es nicht einen richtigen Leserkommentar zu meinem Foto gibt, sondern nur Hetzkommentare gegenüber Kenny. Ja, vielleicht hat er den falschen Ton angeschlagen, aber das ist doch kein Grund in den Kommentaren so abzurutschen … ich finde das sehr schade.

    Wie auch immer, vielen Dank für die Kritik! Da ich noch ein paar andere Fotos eingesandt habe, bin ich gespannt, ob es vielleicht demnächst noch eines von mir hier in die Kritik schafft – und dann hoffentlich ohne Flamewar in den Kommentaren …

    Liebe Grüße,
    Katharina

    • Hallo Katharina

      Danke für den Dank ;-)
      Ich gebe mir in der Regel sehr viel Mühe, differenziert an die Bilder heranzugehen und zuerst die positiven Aspekte, dann, wenn es welche gibt, die negativen zu beleuchten. Ich finde Dein Bild vom Motiv her gelungen, wobei die Komposition mehr Spannung erlaubt hätte.

      Ich passe ausserdem meine Kritik dem zu vermutenden Niveau der Fotografin oder des Fotografen an und werde kritischer und spitzfindiger, wenn ich den Eindruck habe, dass die Einsenderin weit über den Anfängerstatus hinaus ist, wogegen ich bei offensichtlichen Startern vielleicht verstärkt bei der Technik bleibe.

      Was den “Flamewar” angeht: So schlimm ist es ja nun nicht, auch wenn ich wie Du lieber Kommentare zu den Bildern läse als zu den Personen, die sich hier alle zusammen um eine Diskussion bemühen – wofür ich allen danke.

  8. Hallo Katharina,

    mir ist völlig unklar, was an den Amtworten auf Kenny “Hetze” sein soll und inwiefern es da um “Abrutschen” gehen soll. Wie kuschelig lieb möchtest du denn Kritik an der oberflächlichen und arroganten Art eines Kommentators denn haben?

    Auch deine Aussage, dass es “nicht einen richtigen Leserkommentar” zu deinem Foto gibt, stimmt nicht, denn ich habe z. B. deutlich geschrieben, dass ich die Sonne in der Mitte usw. nicht so vorteilhaft finde. Was erwartest du denn von einem “richtigen” Leserkommentar?

    Als Letztes möchte ich dir widersprechen, wenn du meinst, dass man “nicht alle Tage eine Chance bekommt, usw.”. Such dir ein vernünftiges Forum, in dem Leute ehrlich ihre Meinung sagen und du bekommst so viel Feedback wie du dir nur wünschen kannst.

    Gruß
    Wolfgang

    • Hallo Wolfgang,

      ich denke einfach, dass es beim Kommentieren eines Blogbeitrags um eben dieses geht und nicht darum, den Kommentar eines anderen runterzumachen. Ich denke auch, dass Kennys Ton unangebracht war, aber dennoch kann man das doch einfach überlesen und etwas zum eigentlich Artikel sagen, meinst du nicht?

      Okay, stimmt, vor lauter Ärger über den Kommentarverlauf habe ich das glatt vergessen. Dankeschön! Es ist deine Meinung und die respektiere ich. :) Ich finde die Sonne an dieser Stelle gut, du nicht. Ist okay. :)

      Was ist denn deiner Meinung nach ein „vernünftiges Forum“?

      Liebe Grüße,
      Katharina

  9. Hallo Katharina,

    mir ging es ldiglich darum, dass ich das Antworten auf Kennys Beitrag keine “Hetze” fand, diesen Ausdruck von dir fand ich einfach überzogen.

    Was ein vernünftiges Forum für dich ist, musst du wohl selbst herausfinden. Ich bin in einem Olympus-Forum, wo genau die von mir angesprochene Diskussion und Bildkritik tagtäglich stattfindet. Ich lerne dort sehr viel und das macht Spaß :-)

    Ich bin überzeugt, dass es sowas auch für Canon-Fotografen gibt.

    Gruß
    Wolfgang

  10. Hallo Peter,

    Ich hoffe doch, dass wir hier auch gelten – wir machen nämlich auch keine Unterschiede …

    ist mir bewusst :-) Nur, dass dies hier kein Forum ist ;-)

    Gruß
    Wolfgang

  11. Mir gefällt das stimmungsvolle Motiv. Die Gräser im Vordergrund wirken wie herausgezoomte Bäume des Waldes im Hintergrund.
    Das von Vorrednern angesprochene “Ausbrennen” der Sonne stört mich weniger, als der etwas spannungsarme Bildaufbau, der keinen richtigen Hingucker hat. Vielleicht zu viel Symmetrie, besonders im Vordergrund?

  12. Hallo Katharina,
    dein Bild ist sehr stimmungsvoll und sanft. Mir gefällt der Farbton und auch die leichte Zeichnung des Grases und der vorderen Baumreihe. Die Symmetrie ist nicht ganz gegeben m.M. nach wie die anderen behaupten. Die Sonne sowie die höchste Blüte sind leicht links. Zu leicht für mich.. ich hätte hier wahrscheinlich links ein wenig abgeschnitten (also mit der höchsten Blüte begonnen und ein quadratisches Format gewählt). Damit wäre auch der schiefe Horizont der letzten Baumreihe “begradigt”. Aber das sind ca 5% Kritik, die restlichen 95% gefallen mir (um mal bei deiner relativen Einschätzung zu bleiben ;-))!

  13. Peter,

    ebenso wie einige andere Diskussionsteilnehmer kann ich Deine Bildkritik nicht recht nachvollziehen. Ich will versuchen, das naeher zu erlaeutern. Zur Komposition: Im Vordergrund erzeugen die Stengel ein Muster aus vertikalen Linien, wobei die Einhuellende der Enden einen Bogen beschreibt. Dagegegen wird der Hintergrund durch Grassnarbe, Nebelbank, Waldraender und Himmel in fuenf horizontale Streifen aufgeteilt. Durch diese Elemente – vertikale Linien, horizontale Streifen und den Bogen – ensteht eine einfache, aber umso staerkere Komposition mit einer interessanten, graphischen Wirkung. Die
    Fotografin hat diesen Effekt durch geschickte Wahl der Brennweite (leichtes Tele) und einen sauberen Bildauschnitt (keine Stengel schneiden die rechte bzw. linke Kante der Bildausschnittes) unterstuetzt. Zusammen mit der fast monochromen Farbpalette aus warmen Farben erzeugen die Horizontalen und Vertikalen bei mir einen heiteren, fast schon meditativ – ruhigen Eindruck. Das Bild wirkt in sich geschlossen. Meiner Meinung nach kann die Fotografin auf dieses Bild stolz sein – als grosser Print wirkt es sicherlich eindrucksvoll. Das Argument, das man “Muster durchbrechen” muesse, um “Spannung” zu erzeugen, kann ich nicht nachvollziehen. Ich denke, es ist an der Zeit, dass wir Photographen uns von derlei “Bildgestaltungsregeln” (z.B. “Drittelregel”, “kein Horizont durch die Bildmitte”, “Hauptmotiv” etc) loesen – ein Schritt, den die Malerei bereits vor ca. 150 Jahren vollzogen hat.

    Beste Gruesse, Thomas

    • Hallo Thomas

      Wir (eigentlich alle Kritiker, einhellig) sagen hier oft genug, dass man sich von den Regeln immer wieder lösen soll, kann und muss. Das setzt aber ein dazu passendes Bild voraus.

      Denn bei dem, was oft als “fotografische Regeln” bezeichnet wird, handelt es sich nur zu einem geringen Teil um solche – sprich um Konventionen, die auf “Erziehung” basieren. Der goldene Schnitt etwa ist es sowenig wie das Kindchenschema – er wird so wenig langweilig und “überholt”, wie grosse Augen in uns Sympathie erwecken.

      Und, nochmals fürs Protokoll: ich sage nicht, dass Katharinas Bild ein schlechtes ist, ich versuche ohnehin solche Qualifikationen zu vermeiden, wenn es sich nicht eindeutig um technische Mängel handelt, die ich aufzeige. Ich sage, es hätte durch einige Veränderungen weiter gewinnen können.

      “Kritik” heisst nicht Einteilung in gut und schlecht. Dass sie oft so aufgefasst wird, das ist ein leider anerzogenes Verständnis.

  14. Hallo Peter,

    in Bezug auf die “fotografischen Regeln” moechte ich erneut widersprechen (ich hoffe, es nervt nicht). Der “goldene Schnitt” ergab sich urspruenglich durch die Betrachtung geometrischer Probleme durch die Pythagoraeer. Die entsprechende Teilung galt als “harmonisch”. Erst im 19. Jh. gab es dann Bestrebungen, “Naturgesetze” fur Aesthetik aufzustellen. In diesem Zusammenhang wurde z.B. von Adolf Zeising der “goldene Schnitt” zu einer universellen Regel erhoben. Anhand von (leider haeufig methodisch fehlerhaften) statistischen Untersuchungen von Kunstwerken wurden auch die anderen, heute noch propagierten Regeln abgeleitet (z.B. das das Hauptmotiv sich im linken, unteren Drittel des Bildes befinden soll). Es sind also keineswegs Naturgesetze, sondern Regeln, die das Kunst- und Wissenschaftsverstaendnis des 19. Jhs. reflektieren.

    Das “Kindchenschema” kann man damit nicht vergleichen – das scheint offenbar wirklich in unserem biologischen ROM festverdrahtet zu sein (aber vielleicht wird das auch in 100 Jahren als ueberholt gelten).

    Ich gebe Dir Recht, dass Kritik keine Unterteilung in gut oder schlecht bedeutet. Andererseits zeigt diese Diskussion aber auch, dass es keine objektiven Kriterien fuer Aesthetik gibt. Dass das kritisierte Bild eine solche Diskussion ausloest, spricht eigentlich fuer das Bild.

    Beste Gruesse, Thomas

    • Thomas

      Dass das kritisierte Bild eine solche Diskussion ausloest, spricht eigentlich fuer das Bild.

      Einverstanden.

      Ich bin, obwohl ich Mathe nie wirklich mochte, der überzeugung, dass geometrische Formen eine hartverdrahtete Ästhetikempfindung in uns ansprechen. Wer das wie rausgefunden hat, halte ich für nebensächlich. Ich mach mich mal auf die Suche nach Studien und sowas – ich bin überzeugt, dass ästhetisches Empfinden die Grenzen von Kulturen durchbricht, ähnlich wie es musikalisches Empfinden tut. Und zwar nicht, indem wir alle die gleichen Harmonien pflegen, aber fast durchwegs die gleichen als “schön” und angenehm empfinden.
      Und jetzt sind die Musiktheoretiker dran… ;-)

    • Was als harmonisch empfunden wird, ist kulturell und nicht genetisch bedingt – da dürfte Konsens herrschen.

      Ob man Harmonie anstrebt oder nicht, ist Sache des Schöpfers eines Werkes, in diesem Fall der Schöpferin. Katharinas Blog entnehme ich, dass sie für dieses Bild jeden Bruch der Gleichmäßigkeit ablehnt. Das ist doch OK!

      Auch ist es OK, sich Feedback einzuholen, wenngleich es eine Illusion ist zu glauben, man könne erfahren, was man besser machen kann. Das muss man für das eigene Werk schon selbst entscheiden. Bestenfalls kann man Vorschläge bekommen, was man ändern könnte.

      Für mich ist am Feedback das Wichtigste zu erfahren, ob ich in meinen Fotos richtig verstanden werde. Ob jemandem ein Bild gefällt oder nicht, ist eigentlich kein Kriterium.

  15. Hallo Uwe,

    es eine Illusion ist zu glauben, man könne erfahren, was man besser machen kann.

    diese Meinung teile ich nicht. Mir persönlich haben kritische Bemerkungen, Tipps und Ratschläge sehr wohl in meiner Entwicklung weitergeholfen. Oft sind es Kleinigkeiten, die zu einem Aha-Erlebnis führen und vorhandene Bilder verbessern bzw. einen an neue Bilder anders herangehen lassen.
    Die Frage,

    ob ich in meinen Fotos richtig verstanden werde

    , hat sich mir persönlich noch nicht gestellt. Ich sehe mich allerdings auch nicht als Künstler, sondern einfach als Fotograf, der gute Fotos machen möchte. Gute Fotos sind für mich technisch gut und inhaltlich spannend. “Schön” ist manchmal toll, wird aber eben auch schnell langweilig.

    Gruß
    Wolfgang

    • @Wolfgang: Im ersten, von Dir zitierten Satz, habe ich mich leider nicht ganz verständlich ausgedrückt.

      Ich bezog mich auf die Kategorien schlecht, gut, besser in der Fotografie. Ich meine, dass es keine allgemein geltenden Kriterien gibt, nach denen Fotos durch einen Experten auf einer Skala von grottenschlecht bis genial eingestuft werden könnten.

      Welches Bild gut ist, ist abhängig von der jeweiligen Bild-Idee oder Zweck der Aufnahme, welche der Auftraggeber oder der Fotograf festgelegt haben. Deshalb muss man als Fotograf bei Verbesserungsvorschlägen selbst überlegen, ob sie einen dem Ziel näher bringen und mit den eigenen Vorstellungen und technischen Möglichkeiten vereinbar sind.

      Viele werden deine Meinung zum zweiten Punkt teilen. Auch ich kann deine Ansicht nachvollziehen und auch so stehen lassen.

  16. Hallo Katharina,

    Du und Dein Foto scheinen da in etwas hineingeraten zu sein, was ich aus meiner Sicht einmal wie folgt zu beschreiben versuche:

    Zum einen tummelt sich hier bei Fokussiert ein recht diskussionsfreudiges Völkchen. Dies ist sehr erfreulich und unterscheidet dieses Kollegium wohhltuend von Jubelforen wie Flickr und Fotocommunity. Gleichwohl scheint mir diesmal die von der unfreiwilligen Komik (“Peter Sennhauser … wer auch immer das sein mag”) über Überlegungen zum respektvollen Ton bis zu historischen Grundlagen des Goldenen Schnitts reichende Diskussionsspanne doch recht weitläufig.

    Zum anderen trägt Dein Bild offensichtlich etwas dazu bei, daß so vielschichtig und kontrovers diskutiert wurde. Dies scheint Dich zu verunsichern (“dass ich die Kritik auf jeden Fall annehme, aber den Verlauf des Postings nicht ganz verstehe. Anfangs scheint noch alles positiv, dann wendet sich das Blatt aber und das Foto ist laut Sennhauser doch nicht so toll”). Wünschen wir unseren Bildern andererseits nicht eine heftige Resonanz?

    Über das Wesen der Kritik wurde in anderen Threads von Fokussiert schon viel geschrieben und diskutiert. Es mag soweit konsensfähig sein, daß eine solche begründet und sachlich sein sollte – sie darf nicht pauschalisierend persönlich und herabsetzend werden; unter diesen Vorgaben darf (bzw. muß) sie ggf. auch einen Verriß beinhalten. Wer dies nicht ertragen bzw. sich damit nicht auseinandersetzen kann, sollte sein Bild nicht zur Kritik einreichen bzw. sich auf die o. g. Jubelforen beschränken.

    Nun abschließend noch mein Votum zu Deinem Bild: ich schließe mich im Tenor Peter und Uwe an – Dein Bild ist harmonisch und gefällig, aber es hat die Attitüde einer Postkarte bzw. eines Kalenderbildes; insofern wird dadurch ein Mainstream reproduziert, auf dem sich schon Abertausende tummeln; eine eigene, unverkennbare fotografische Handschrift, die auch ein indivuelles “Ringen mit den Motiven und Gestaltungsmöglichkeiten” beinhaltet, ist darin jedoch nicht zu erkennen.

    • Hallo Thomas,

      ja, verunsichern trifft es wohl ganz gut. Ich bin es einfach nicht gewohnt, dass so heiß über meine Fotos diskutiert wird. Ich hatte, ehrlich gesagt, einfach nicht damit gerechnet! Ich ging davon aus, dass ein Kritiker mein Foto „auseinander nimmt“ (haha) und die Sache damit „gegessen ist“. Dass es nun so eine Diskussion ausgelöst hat, darauf war ich einfach nicht vorbereitet. Mittlerweile finde ich es aber sehr schön und lese jeden neuen Kommentar mit Neugierde. :)

      Ich kann durchaus Kritik ertragen, ich habe sie nur nicht gleich verstanden, weshalb ich hier einfach nochmal nachfragte. Daher würde ich nicht sagen, dass ich, wie du sagst, mich damit nicht auseinandersetzen kann.
      Ich selbst bin kein Freund von flickr und der fotocommunity (bei flickr war ich einige Zeit aktiv, aber da kam auch nie mehr als ein „Schön!“, Jubelform passt also, wie du sagst – und die fotocommunity war mir noch nie sympatisch).

      Ist es denn schlimm, ein Bild zu machen, welches ein Motiv für eine Postkarte oder einen einfachen Leinwanddruck sein kann? Dass ich das Bild gemacht habe ist über zwei Jahre her, ich denke, dass ich mich in der Zwischenzeit weiterentwickelt habe und durchaus in der Lage bin, auch „besondere“ Situationen festzuhalten. Ich habe mehrere meiner Bilder zur Kritik eingereicht, vielleicht kommt ja demnächst noch eines. Aber ich würde nicht sagen, dass es schlecht ist, wenn man ein Bild macht, dass „mainstreamig“ ist – das heißt ja nur, dass viele (Nicht-Fotografen?) das Bild mögen. Klar ist es schön, eine eigene Handschrift zu haben, aber diese wird wohl auch erst beim Betrachten von mehr als einem Foto deutlich. Und das ist hier ja nicht gegeben. :)

      Liebe Grüße,
      Katharina

    • Hallo Katharina …

      “Daher würde ich nicht sagen, dass ich, wie du sagst, mich damit nicht auseinandersetzen kann.”

      Das hatte ich auch nicht behauptet, auch nicht unterschwellig.

      “Ist es denn schlimm, ein Bild zu machen, welches ein Motiv für eine Postkarte oder einen einfachen Leinwanddruck sein kann?”

      Aber nein – und hierin ganz wie Uwe, daß es auf den Anspruch und Zweck ankommt. Nehmen wir einmal einen Hobbyfotografen, der seine Bilder im Familien- und Freundeskreis zeigen möchte. Wenn er eine “schöne Postkarte” macht, sind alle glücklich. Niemand würde erwarten, daß er “in seinem Oeuvre die aktuellen Angründe des Menschseins” aufzeigte. Wenn mir jedoch im Rahmen meiner Ausstellungen ein Betrachter eine “postkartenartige Schönheit meiner Arbeit” attestieren würde, dann würde ich womöglich “rot sehen” :o) …

  17. Hallo alle

    Der Weg zu einer eigenen fotografischen “Handschrift”ist anstrengend und mit vielen Aufnahmen gepflastert, die noch nicht einzigartig und herausragend sein können, halt “déjà vu”. Darum helfen solch ausgiebige Diskussionen, Kritiken und Tipps durchaus um dem Ziel näher zu kommen, wenn nicht sind sie, wie in diesem Fall, immerhin spannend. Darum gerne “Fortsetzung folgt” mit weiteren Fotos.

    Liebe Grüsse
    Esther

    • Esther hat das schön auf den Punkt gebracht. Auch ich sehe es so, daß “sich nur im Feuer der kritischen Befassung durch uns selbst und andere der mühsame Weg zu einer unverkennbaren Handschrift offnet”. Ein “gefällt mir” oder “schönes Bild” hat vor diesem Hintergrund etwas Einlullendes und insofern Gefährliches. Wenn wir uns von vornherein vom Lob anderer abhängig machen, behindert dies die eigene kreative Entwicklung. Wohlgemerkt möchte ich damit nicht einer “Lobstörung” das Wort reden, sondern vor dem “Fallstricken gefälliger Fotografien” warnen …

Ein Pingback

  1. [...] freuen, wenn ihr eure Kom­men­tare ent­we­der direkt unter die Kri­tik pos­tet (also unter http://fokussiert.com/201…fie-licht-ist-genug/) oder hier, wobei der Kri­ti­ker, Peter Senn­hau­ser, eure Anmer­kun­gen dann nicht lesen [...]

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