Schauspielerin-Porträt:
Lässig auf dem Häuserdach

Weniger ist mehr – das gilt oft auch beim Hintergrund, der manchmal so dominant ist, dass er das wesentlich wichtigere Hauptmotiv in den Schatten stellt. Abhilfe schafft bisweilen nur radikales Beschneiden.

Kommentar des Fotografen:

Schauspielerin Patricia A. auf den Dächern Berlins.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Jens Sage:

Vor vielen Jahren hatte ich ein Schuljahr lang Unterricht in einer Dunkelkammer, wo mir die zuständige Kunstlehrerin immer erklärte, ein gutes Foto sei eins, an dem man nichts mehr wegschneiden könne.

Das fiel mir beim Anblick dieser jungen Frau auf den Berliner Häuserdächern sofort wieder ein. Grundsätzlich ist es ein gutes und gelungenes Foto, darauf komme ich gleich zu sprechen:

Was aber sofort stört, ist die Leere oben und unten. Die große Himmelfläche wäre weniger penetrant, wenn wenigstens fotogene Wolken zu sehen wären, aber so kann sie getrost beschnitten werden, ohne an der Bildwirkung etwas zu verlieren. Auch der rechte Rand und die dunkle Ecke rechts unten fallen negativ auf, weil sie dem Bild etwas von der Weite nehmen, welche die Dächer ja erzeugen sollen und durch die großen dunklen Flächen auch unnötig viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Wenn diese drei “Problemzonen” berücksichtigt werden, ergibt sich ein viel stärker beschnittenes Bild, was wir uns genauer anschauen können.

Die Haltung der Schauspielerin ist entspannt und lässig, so wie man es beim Relaxen auf Hausdächern erwarten würde, der Fernsehturm im Hintergrund deutet dezent die Stadt an und erzeugt eine Prise Coolness, und die flache Steinmauer teilt das Bild schön diagonal in einen unruhigen Bereich oben links und einen ruhigen unten rechts. Dort ist auch der schöne Schatten zu sehen, den die Sonne neben dem ebenfalls schönen Streiflicht vor allem auf die angewinkelten Knie produziert.

Minimal störend ist allenfalls, dass das Bild etwas flau wirkt, weshalb ich die Kontraste beim Beschneiden gleich mit angehoben habe.

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