Herbststillleben:
Hintergrund ist nicht gleich Hintergrund

Bei einer minimalistischen Komposition sollte auf alles Ablenkende verzichtet werden.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Carmen Jahnke).

Kommentar des Fotografen:

Eins der ersten Herbstbilder mit meinem neuen Lieblingsobjektiv Tamron 60mm f/2 Makro auf meiner D90 (f14, 1/15).

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Carmen Jahnke:

Stillleben sind eine gute Übung für Komposition, denn als Fotograf hat man in der Regel volle Kontrolle über die ganze Szene. Nichts läuft aus dem Bild, gähnt im falschen Augenblick etc:

Im klassischen Sinn ist ein Stilleben ein willkürliches Arrangement von Dingen, die so nicht beisamen liegen würden. Stillleben können sehr kompliziert sein, aber auch sehr einfach gehalten werden. Einer der Meister dieses Genres, obwohl er auch andere Motive gekonnt fotografiert hat, war der Tscheche Josef Sudek.

Im allgemeinen gilt, daß einfache Kompositionen eine stärkere Wirkung haben, da einzelne Komponenten nicht voneinander ablenken. Der Betrachter ist nicht einfach überwältigt.

Du hast hier eine Kastanie und ein Herbstblatt auf einem Tisch oder etwas Ähnlichem fotografiert. Die Kastanie liegt im Goldenen Schnitt und ist insgesamt gut getroffen. Ich persönlich bevorzuge solche Aufnahmen im Vergleich zu komplizierteren, und die Kontrastverteilung in dieser Schwarzweißaufnahme gefällt mir ebenfalls.

Was aber für mich sehr ablenkend wirkt, sind die starken Linien des Holzes, die sich hinter ihr durch das Bild ziehen. In einer solch minimalistischen Komposition sollte alles Ablenkende vermieden werden, und das gilt auch für den Hintergrund. Hier wird Dein Hauptbildgegenstand für mich vollkommen überwältigt durch die starke Maserung des Holzes hinter ihm und die schwarzen Lücken dazwischen.

Auch noch anzumerken wäre, daß das neben der Kastanie liegende Blatt, ebenfalls Teil des Bildschwerpunktes, verschwommen wirkt. Du hast zwar eine Blende von f14 benutzt, aber Deine Verschlußzeit war bei ISO 200 nur 1/15s, was mit bloßer Hand nicht mehr zu halten ist, ohne daß das Bild verwackelt. Eine größere Blende und schnellere Verschlußzeit wären für mich die bessere Wahl gewesen. Bei einer derart kleinen Blende und dieser Brennweite hätte der gesamte Tisch scharf sein müssen, so daß ich mir diese Unschärfe nur durch Nachbearbeitung erklären kann.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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