Hochzeitsfoto:
Fischaugen-Tanz

Fisheye-Objektive machen Spass, sind aber relativ selten wirklich produktiv einsetzbar. Matthias Wassermann hat einen tollen Einsatzzweck an einer Hochzeit gefunden.

Kommentar des Fotografen:

Der Hochzeitstanz … alles dreht sich um das Brautpaar. Einer der Höhepunkte des Abends. Ich wollte die Dynamik des Momentes festhalten und wählte 1/10 Sekunden. Um die Hochzeitsgesellschaft im Hintergrund abzubilden, wählte ich ein Fisheye. Um die Bewegungsdynamik zu erzeugen, lief ich in der entgegengesetzte Richtung um das Brautpaar herum. Der Blick von Oben … so weit reichten meine Arme! Lichtquelle war mein Aufsteckblitz von Nikon Sb-900. Weißabgleich Auto. Bei 8 Bildern/Sek (8 Batterien im MB-d10 Handgriff und extra 6 Batterien im Batteriepack SD-8A für den Blitz) konnte ich so 9 Bilder machen. Dieses vorletzte Bild war das Beste!

Peter Sennhauser meint zum Bild von Matthias Wassermann:

Eine Braut im Bildzentrum dieser Fotografie wird vom Bräutigam, links hinter ihr, im Kreis gewirbelt. Wir blicken von oben auf das tanzende Paar, dessen Drehung in der Bewegungsunschärfe des Hintergrunds deutlich wird. Erst auf den zweiten Blick erkennen wir, dass der Hintergrund aus im Kreis stehenden Hochzeitsgästen besteht.

Es braucht eine Portion Mut (oder bösen Willen), um ein Fischaugen-Objektiv an lebenden Menschen anzuwenden:

Die Extrem-Weitwinkel verzerren die Realität nämlich in der Regel ins Groteske. Gesichter kriegen riesige Nasen, Ohren am Bildrand werden zu Dumbo-Flügeln und so weiter.

Zwar lässt sich mit den Fisheye-Objektiven allerhand lustiger Schabernack treiben, und für die eine oder andere Dokumentation, die einen extremen Bildwinkel verträgt, sind die Fischaugen sinnvoll einsetzbar – aber an einer Hochzeit habe ich noch selten ein Fisheye gesehen. Ich habe mir zwar auch eines angeschafft, aber erstens nur, weil es so billig zu haben war, und zweitens nutze ich es bisher vor allem als Spielzeug.

Du hast es indes geschafft, von dem Objektiv hier an einer Hochzeit einen sehr gelungenen Gebrauch zu machen.

Zum einen hast Du die extreme Weite geschickt genutzt,um das Rund der Hochzeitsgäste einzufangen, zum anderen mit Bewegung im Bild dafür gesorgt, dass die Verzerrung nicht zu negativ in Erscheinung tritt.

Wesentlich ist allerdings auch, dass Du die Braut erstens aus einer gewissen Distanz fotografiert und dabei darauf geachtet hast, dass sie genau im Zentrum des Bildausschnitts ist, wo die Verzerrung am geringsten ist. Der Bräutigam ist hier ebenfalls nicht zur Unkenntlichkeit verzerrt und ausserdem gerade so im Lichtfeld des Blitzes, dass er ausreichend zur Geltung kommt.

Allenfalls hättest Du in Photoshop oder Lightroom die Perspektivenverzerrung noch etwas zurücknehmen können, was allerdings in der Regel auf Kosten von Bildteilen geht, die beschnitten werden.

Auf der Vollformat-D700 dürfte das 16-Millimeter Fisheye (Affiliate-Link) keinen Kreisausschnitt produziert haben, was ja in dieser Situation auch nicht wünschbar ist, insofern ist der Ausschnitt goldrichtig gewählt.

Allenfalls hättest Du den Blitz entfesseln und mit der integrierten Fernauslösung plus dem IR-Filtervorsatz (Affiliate-Link) auf der Kamera auslösen können, um die Schlagschatten zu eliminieren, auch wenn sie nicht extrem stören. Mit indirektem Blitz und einem Hochzeitsgast als Armleuchter wäre das vielleicht eine Option für das i-Tüpfelchen gewesen.

Jedenfalls ein originelles Hochzeitsbild, an dem die Brautleute zweifellos ihren Spass haben dürften.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Kommentar

  1. Matthias Wassermann
    schrieb am 29. September 2011 um 12:31 Uhr (#)

    Hier ein Link mit der ganzen Reihe der Bilder, die vor und nach dem Bild gemacht wurden: http://gallery.me.com/masuwa#100439. Dabei habe ich auch die Bilder, die ich mit dem Objektiv 24-70 gemacht habe mit ausgegeben.

    Mut oder Böden Wille es war keines von Beidem. Der Raum war klein … ich war frustriert ich wollte das ganze Geschehen festhalten und dabei auch noch Dramatik durch Bewegungsunschärfe erzeugen. Das ging in diesem Zusammenhang nur mit dem Fisheye oder ähnlich weitem Objektiv, das ich ansonsten für Portraits nicht verwende!

    Ich habe den Blitz nicht von meiner Kamera abmontiert und entfesselt geblitzt, da ich mit dem Blitz nur die Braut oder das Brautpaar anleuchten wollte, und so eine gewisse Intimität erzeugen.

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