Architekturfotografie:
Der Mensch als Requisit

Architekturaufnahmen können schnell steril und tot wirken. Ein immer gern verwendeter Kunstgriff dagegen ist die Verwendung von Menschen im Bild, welche eine Grössenrelation ermöglichen und im wahrsten Sinne des Wortes Leben ins Bild bringen.

Kommentar des Fotografen:

Diese Szene habe ich in Wiesbaden an der Fassade des Luisen-Forum aufgenommen. Dieses Bild habe ich bereits im Vorfeld geplant, da mir die bunte Fassade und das BUS-Zeichen schon vorher in der Konstellation gefallen haben. Es musste aber unbedingt noch der Mensch-Faktor ins Bild, um dem Ganzen etwas mehr Emotion zu geben.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Andreas Wecker:

Es ist ein alter Trick in der Architekturfotografie und wurde auch hier schon manchmal angewendet: Der Mensch als lebendiges Requisit, um dem Bild mehr Leben zu verleihen und die Größe der Gebäude für die Betrachter besser in Relation setzen zu können.

Auch der Fotograf Andreas Wecker nutzt diese Technik, um die Fassade des Luisen-Forums in Wiesbaden besser zur Geltung kommen zu lassen:

Die Architektur selbst ist schon interessant, und durch die harmonischen, warmen Farben sehr fotogen. Das breite, langgezogene Bus-Zeichen auf der Fahrbahn ist ebenfalls ein passender Faktor, da es den geraden Linien des Forums seine geschwungenen Verläufe entgegensetzt.

Die beiden Passanten erzeugen fast automatisch einige Fragen, welche dazu führen, dass sich die Betrachter länger mit dem Foto beschäftigen: Sind sie auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause? Haben sie die ungewöhnliche Architektur schon bemerkt oder interessieren sie sich nicht dafür?

Wenn der Fotograf jedoch schon den Aufwand betrieben hat, extra auf einige Fußgänger zu warten, hätte er es auch noch etwas besser machen können… Der Regenschirm des Geschäftsmanns lenkt etwas ab, und auch der schwarze Anzug verschwimmt mit dem schwarzen vertikalen Streifen ganz links an der Fassade. Hier hättest Du eine Sekunde warten können, dann hätte jedoch die Gefahr bestanden, dass der Mann die Tür verdeckt. Die Alternative wäre gewesen, auf weitere Menschen zu warten und sich dann später die geeignetste Aufnahme auszusuchen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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4 Kommentare

  1. Thomas
    schrieb am 30. September 2011 um 13:12 Uhr (#)

    Auf die Idee mit der Szenerie bin ich also nicht alleine gekommen :)

    Meine Version

  2. Gerd Dörfler
    schrieb am 30. September 2011 um 16:33 Uhr (#)

    Gefällt mir gut. Mit etwas Fantasie sieht die Form des Gebäudes sogar wie ein Bus aus. Oder vielleicht sehe das nur ich ;-)

  3. p.gutzat
    schrieb am 1. Oktober 2011 um 13:11 Uhr (#)

    mir gefällt die aufnahme.sehr sachlich und elegant gehalten !

    FARBEN SIND BESTENS.der bus streifen unten,runden das foto sehr gut ab.

    personen excellent getroffen. (STANDORT)

    gruss peter gutzat

  4. DKlein
    schrieb am 10. Januar 2012 um 01:34 Uhr (#)

    Mehr als ein Architekturfoto ist es ja eine Flächenkomposition. Daher spielen deren Proportionen bzw.
    der Bildausschnitt eine große Rolle.
    1.
    Das Foto wirkt ganz leicht schief – nach rechts geneigt.
    Perspektivischer Effekt ?
    2.
    Graustreifen/Straße mir zu breit, wenn ich ihn mit der Handkante um ca 20% teilabdecke – Stimmigkeit, Spannungssteigerung !
    3.
    linker Rotplatten-Streifen senkrecht allzu smart ausgefallen.

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