Stefan Gesell:
Sturzflug in die Welt der Erotik

Selbstmörderische Mädchen? Nein. Aber starke, selbstbewusste Frauen, die sich mit ihrer Sexualität in das Leben und die Tiefen der Erotik werfen, als gäbe es kein Morgen. Das sind die Bilder von Stefan Gesell in seinem Erotik-Band «Kamikaze Girls».

Die Posen sind oft sehr offen, provokant bis hin zu obszön. Sie lassen im wahrsten Sinne oft tief blicken. Dennoch wandeln die Bilder gekonnt an der Grenze zur Pornographie, ohne diese zu überschreiten. Gesell inszeniert Frauenakte, in denen sich die Frauen wie Kamikaze-Piloten in die Welt der Erotik stürzen – mit dem Unterschied, dass diese Frauen darin garantiert nicht umkommen werden. Dafür sind sie zu stark und sich ihrer selbst zu bewusst.

Stefan Gesells «Kamikaze Girls»
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Stefan Gesells Arbeiten sind nicht einfach Fotografien. Es sind Kunstwerke an der Nahtstellen zwischen Fotografie und Grafik. Denn Gesell fotografiert nicht einfach. Er inszeniert ganz bewusst und gezielt mit Licht, Accessoires, Make-Up und Farben – und nach der Aufnahme werden die Dateien im Computer bearbeitet. Nicht verfremdet, aber kopiert, verstärkt und einem Composing unterzogen. Das Ergebnis sind durchdachte Aufnahmen starker, selbstbewusster Frauen. Stimmige Aufnahmen mit provokanten Posen und Blickwinkeln. Aufnahmen mit gezieltem Einsatz von Licht und Schatten, mit einem stimmigen Konzept aus Farbe, Stil und Make-Up.

Die digitale Nachbearbeitung ist Teil von Gesells fotografischem Konzept. «Der Eindruck, den das Bild auf den Betrachter macht, ist das Wichtigste für mich, ob sinnlich oder erotisch, ist egal, das Bild soll den Betrachter anregen. Deswegen macht das für mich keinen großen Unterschied; ich verbinde verschiedene Techniken miteinander, weil das Originalfoto selbst nicht genügend Möglichkeiten bietet. Gäbe es kein Photoshop, dann gäbe es auch keine Stefan-Gesell-Fotos!», so der Fotograf im einleitenden Interview.

Auch wenn Gesell «nur» seine Fantasien in Bilder fasst, so sind die Frauen doch nie Objekte. Sie sind die Subjekte, die sich in vollem Bewusstsein dem Betrachter präsentieren. Die um ihre Ausstrahlung und Wirkung wissen – und diese einsetzen, ohne je die Macht aus den eigenen Händen zu geben.

Die Aufnahmen sind manchmal fast klassisch verträumt, manchmal mit der bekannten Sprache der Erotik-Fotografie aufgenommen, aber überwiegend sind ise provokant, verstörend und neu. Die Frauen tragen oft Stilettos und Latex und nicht selten sind sie sprichwörtlich dreckig.

Es sind bewußt inszenierte und akribisch ausgearbeitete, plakative, starke Aufnahmen. Fotos, die an der Grenze zwischen Fotografie und Grafik wandern. Fotos, die über weite Strecken keine üblichen Akt- und Erotikaufnahmen sind, sondern neue Wege ausprobieren – und das hebt diesen Band wohltuend aus der Masse der Erotikfotografie heraus.

Stefan Gesell: «Kamikaze Girls»
Edition Skylight
ISBN-13: 978-3-03766-614-2
160 Seiten
(D) 29,95 € / (CH) 49,90 sFR
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