„Wüstenbild“ mit Tiefe:
Auf den Standort kommt es an

Der Fotograf hat Kontrolle darüber, was seinen Weg ins Bild findet, auch wenn das manchmal einen Fußmarsch und Warten erfordert.

[textad]Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Sten Schneider).

Kommentar des Fotografen:

Das Bild stammt aus meinem letzten Gran Canaria Urlaub und wurde in den Dunas de Maspalomas aufgenommen. Wer schon einmal dort war, weiß, dass es dort eigentlich nicht so aussieht wie in einer richtigen Wüste. Die Dünenlandschaft ist mit Büschen und vereinzelten Bäumen durchzogen, und in der Entfernung stehen große Hotelpaläste. Mein Ziel war es, „Wüstenbilder“ zu machen und zwar welche, wo ausschließlich Wüste zu sehen ist. Also wählte ich Standpunkte, auf denen keine Hotelkomplexe, keine Büsche und Bäume und möglichst auch kein Meer zu sehen war. Ein weiteres Ziel war es, die Wüste greifbar zu machen… so als könnte man in das Bild hineintauchen und den Sand herausnehmen. Um das zu erreichen, griff ich auf mein Ultra Weitwinkel Objektiv (17mm an Kleinbild) zurück und versuchte den Kamerastandpunkt so tief wie möglich zu wählen. SW habe ich gewählt, um die Strukturen im Sand und in den Wolken zu betonen.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Sten Schneider:

Laut Magnum-Mitglied David Hurn hat ein Fotograf eigentlich nur Kontrolle darüber, wo er steht, und wann er auf den Auslöser drückt. In diesem Sinne ist Fotografie recht einfach, aber genau darin liegt auch das Komplizierte:

Wie kann man ein „totfotografiertes“ Motiv noch reizvoll darstellen? Wie den Charakter einer Landschaft, die teilweise verbaut wurde, effektvoll einfangen?

Atemberaubende Landschaftsfotografien entstehen oft auf anstrengenden Fußmärschen, verbunden mit dem Warten auf den richtigen Moment, wenn das Licht einfach perfekt ist. Wenn die Landschaft dann noch von störenden Elementen durchzogen ist, muß man besonders aufpassen, daß diese nicht unbeabsichtigt ihren Weg ins Foto finden.

Das ist Dir hier gelungen. Du hast Dir die Mühe gemacht, die Dunas so zu fotografieren, daß man den Eindruck einer Wüste erhält, und das Auge verliert sich in der Weite der Szene. Es gibt für mich hier nichts, was ich wirklich anders gemacht hätte, darum nur ein paar Anregungen zur Diskussion:

Das Wüstenbild in Schwarz WeissDas Bild ist in Duoton gehalten, sehr körnig, mit guten Kontrastverlauf. Ich persönlich hätte es einfach schwarzweiß gelassen, aber das ist Geschmackssache. Schwarzweiß hätte den Retro-Charakter des Fotos noch unterstrichen.

Man könnte auch diskutieren, ob man den Horizont nicht aus dem Goldenen Schnitt heraus nach oben verschieben sollte, um den Strukturen im Sand mehr Gewicht zu verleihen. Dein Foto ist eines, bei dem diese Regelabweichung durchaus funktionert. Allerdings ist dann nicht mehr genug dunkler Kontrast im Himmel (warten, bis sich die Wolken am Himmel verflüchtigt haben?). Das hätte dann, inklusive der Schwarzweißumwandlung, so ausgesehen wie im Beispiel.

In der Rubrik „Bildkritik“ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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4 Antworten
  1. Sten Schneider says:

    Zuerst einmal vielen Dank dafür, dass das Bild hier zur Kritik ausgewählt wurde – hat mich wirklich sehr gefreut. :)

    Bei der Tönung war ich mir auch sehr unsicher. Habe das Bild damals auch als normales SW und als Farbversion gemacht.
    Die normale Farbversion fand ich langweilig, also blieb die Wahl zwischen SW und Tönung. Ich denke man könnte Argumente für beide Versionen finden…welche man dann favoritisiert ist – wie du ja auch meinst – dann wohl wirklich eine Geschmacksfrage.

    Deinen Tipp das Bild zu beschneiden finde ich super, da ich das bei diesem Bild noch garnicht in Betracht gezogen habe…

    Ich möchte an dieser Stelle nochmal die Seite und das Team loben!! Hier hat jeder die Chance mal qualifizierte Kritik zu bekommen. :)

    Gruß Sten

    Antworten
  2. PETER GUTZAT says:

    die überarbeite/variante gefällt mir VIEL BESSER !!!

    WIRKT EINFACH grandioser ***************************

    gruss peter gutzat

    Antworten

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] die Strukturen im Feld, und davon ist leider zu wenig zu sehen. Vor ein paar Monaten habe ich ein Foto von Sten Schneider besprochen, der gekonnt vorgeführt hat, wie das aussehen kann.Wie David Hurn schon sagte, Du hattest die […]

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