Verfremdete Landschaft:
Nicht zuviel am Bild “drehen”

Auch bei digitaler Kunst will ein Gleichgewicht gewahrt sein.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Norbert Senser).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Norbert Senser).

Kommentar des Fotografen:

Die ursprüngliche Aufnahme wurde am Mittag um 11.30 Uhr gemacht. das licht war schlecht, aber mich haben die Linien des Feldes und der einsame Baum fasziniert. Am PC habe ich zunächst die Wolken durch einen Grauverlaufsfilter herausarbeiten wollen, dabei habe ich festgestellt, dass die Szene wunderbar in eine Abendstimmung passen könnte. Ich habe versucht, diese Stimmung dann mit Hilfe von Filtern und mit dem Aufhellen- und Nachbelichtenwerkzeug in Photoshop herbei “gezaubert”. Mir ist klar, dass diese Lichtstimmung so nicht bei einer tatsächlichen Abendstimmung vor Ort entstehen kann, aber ich habe dieses auf den 2. Blick doch etwas unwirkliche Licht macht für mich auch den Reiz aus. Bin gespannt, was sie dazu sagen.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Norbert Senser:

Feld mit Baum, dahinter Dämmerung. Die Farben in Deinem Bild haben es mir angetan, wenn auch leider nicht viel von ihnen zu sehen ist. Ein Blick auf den tonalen Verlauf bestätigt, daß das Bild vor allem eines ist:

dunkel. Ich habe es in Photoshop deshalb etwas aufgehellt, denn es lebt durch die Linien, die sich durch das Feld ziehen, und diese sind für mich nicht genug erkennbar. Das sieht dann im Vergleich so aus:

Aufgehellt und Kontrast angepasst

Aufgehellt und Kontrast angepasst

Jetzt sieht man den Verlauf im Feld besser, das Grün darin und sein Kontrast zum Himmel kommen meines Erachtens besser zur Geltung.

Du schreibst, das Licht sei schlecht gewesen, aber die Linien des Feldes und der Baum hätten Dich fasziniert. Du hattest das Foto ursprünglich als Landschaft eingereicht, aber dann so stark an der Szene “gedreht”, daß von dem ursprünglichen Bild nur noch die Struktur vorhanden ist (auch ohne das Original gesehen zu haben, ist das hier evident). Ich habe die Kategorie deshalb von Landschaftsfotografie in Digitale Kunst umgeändert, da Dein Bild so stark nachbearbeitet war, daß man von einem Foto im herkömmlichen Sinn nicht mehr sprechen kann.

Generell ist ein schlechtes Bild durch Photoshop nicht zu retten, ein gutes machen Spezialeffekte nicht besser. Was Du aus diesem Bild gemacht hast, wirkt zwar durch Farben und Struktur, und es war sicherlich ein gutes Übungsstück. Ich persönlich wäre jedoch, wenn möglich, noch einmal zu dem selben Standpunkt unter besseren Bedingungen zurückgekehrt und hätte die Aufnahme wiederholt. Die sich durch das Feld ziehenden Linien würden wahrscheinlich zusammen mit den Wolken ein gutes Schwarzweißbild geben.

In der Rubrik ?Bildkritik? analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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Ein Kommentar

  1. Wenn die Bildbearbeitung solide beherrscht und sensibel eingesetzt wird, ist nix einzuwenden. In dem Fall find ich die Idee das Foto farblich aufzuarbeiten gut. Das Foto findet mit Sicherheit seine Liebhaber.

    In diversen Foren & Fotocommunitys habe ich schon richtig schlimme Beispiele der digitalen Bildbearbeitung gesehen. Da werden Weichzeichner, Vignettierung und Farbdynamik so ausgereizt, dass der Monitor Funken schlägt. Diese landschaftlichen Bildabstraktionen werden leider auch noch selbstverliebt zur Kunst erklärt. Leider kommt unverständlicherweise noch dazu, dass diese inhaltslosen Buntbilder von den Gemeindemitgliedern der Foren so weit in den Olymp der gegenseitigen Anerkennung gehoben werden, dass kein Raum mehr für Selbstkritik ist. Das ist für mich auch ein Grund solche Seiten zu meiden.

    Dem Bild hat die kleine Nachbearbeitung gut getan. Sie verleiht dem Landschaftsfoto etwas mehr Plastik und Tiefe und ohne dass die (digital erzwungene) Dramatik leiden muss. Die pastellartige farbliche Nachbearbeitung passt unter anderem auch gut zum sachlich grafischen Aufbau. Beides fügt sich meiner Meinung nach, zu einem friedlichen aber dennoch stimmungsvollem Arrangement zusammen – Chapeau.

    PS: die Rubrik “Bildkritik” finde ich klasse ;)
    Bitte weiter so . . .

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