Naturfotografie:
Blumen mit Wasserkraft

Es scheint paradox: Blumen zu fotografieren sollte sehr einfach sein. Sie sind klein, von Natur aus schön und halten ziemlich still, wenn nicht gerade ein Unwetter herrscht. Trotzdem ist es sehr schwer, gelungene Blumenbilder zu machen. Hier wurde die Blume in einem Zustand fotografiert, den nicht jeder Fotograf sofort nachmachen kann.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Claudia Portmann-Caminada).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Claudia Portmann-Caminada).


Kommentar des Fotografen:

Ich habe diese Blume in den Bergen am Morgen nach einem heftigen Gewitter aufgenommen. Der Himmel wurde plötzlich aufgerissen, dies wird wunderbar in den Wassertropfen gespiegelt. Ich wollte speziell gestalten, mit Gegenlicht, Spiegelungen und Aufnahmestandort (am Boden liegend mit Einbeinstativ).

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Claudia Portmann-Caminada:

Es scheint paradox: Blumen zu fotografieren sollte sehr einfach sein. Sie sind klein, von Natur aus schön und halten ziemlich still, wenn nicht gerade ein Unwetter herrscht. Trotzdem ist es sehr schwer, gelungene Blumenbilder zu machen.

Jeder hat sie im Garten, seine Idealvorstellung im Kopf und es gibt eine schier unglaubliche Masse an atemberaubenden Blumenfotos, gegen welche die eigenen Fotos konkurrieren müssen.

Claudia Portmann-Caminada hat diese Aufgabe gut gelöst, indem sie die Blume in einem Zustand fotografiert hat, den sie nur selten einnimmt – komplett mit Wassertropfen benetzt – und der deshalb von Fotografen nicht so oft festgehalten werden kann wie die gleiche Blume im trockenen Zustand.

Durch die feinen Härchen der Blume bilden sich nacheinander Wassertropfen verschiedener Größen, was wie eine heimliche Ordnung und komplizierte Symmetrie im oberflächlichen Chaos wirkt. Durch das schräg von hinten erhält das Foto eine schöne Tiefenwirkung und der blaue Himmel, der sich in den größten Wassertropfen widerspiegelt, sorgt für winzige Kontrast-Farbtupfer.

Das einzige, was mich nicht ganz zufriedenstellt, ist das Format und die Komposition. Die Blume ist leicht schräg nach links geneigt und das seltsame Seitenformat von 1:1,18 irritiert. Ich habe das Foto leicht nach rechts geneigt und quadratisch beschnitten. So kann der Blick viel besser auf der gut eingefangenen Blume ruhen. Außerdem habe ich ganz behutsam die Tonwerte angepasst und dem Bild etwas Farbsättigung spendiert, damit der Hintergrund nicht so fade aussieht.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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