Porträt mit Farbkontrast:
Hintergrund sollte nicht mit Vordergrund konkurrieren

Hintergrund sollte Hintergrund bleiben. Wenn er mit dem Vordergrund zu sehr optisch konkurriert, ist das dem Foto namentlich bei Porträts abträglich.

[textad]Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Knut Haberkant).

Kommentar des Fotografen:

Nachmittags ca. 15 Uhr im Sept. 2011, an einem stillgelegten Bahnhofsgleise, für eine Sedcard-Erweiterung. Obwohl die „Regel“ besagt, dass sie nach links schauen müsste, habe ich mich bewusst dafür entschieden, hier zu brechen und sie aus dem Bild herausschauen zu lassen. Der Blick in den Himmel soll das Abschweifen mit ihren Gedanken an einem ruhigen, verlassenen Ort zeigen – jedoch nicht traurig und verzweifelt, sondern eher hoffnungsvoll. Durch den kräftigen Farbkontrast der Abdeckplane des Güterwagons links im Bild soll der Betrachter wieder zurückgezogen werden und nicht ebenfalls aus dem Bild triften.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Knut Haberkant:

Eine junge Frau steht vor einem Güterwagon. Etwas scheint sie abzulenken, sie schaut nach rechts oben. Was in diesem Blick zu lesen sei, liegt am jeweiligen Betrachter. Spontan gefallen hat mir an diesem Foto die grau-rote Farbpalette und das Experimentelle der Pose. Daß Subjekte aus dem Goldenen Schnitt heraus verschoben sind, sehe ich jetzt öfter – ein Regelbruch, der mir persönlich nicht immer zusagt, aber das kann man diskutieren.

Der rote Hintergrund ist, was das Foto mit ausmacht, aber auch gleichzeitig mein Hauptkritikpunkt:

und zwar da, wo er aufgrund der gewählten Kameraeinstellungen zum Vordergrund wird und mit dem Modell visuell konkurriert. War die Plane das Anziehende? Wohl kaum, denn dann hättest Du dein Modell nicht davor gestellt, sondern sie getrennt in Szene gesetzt.

Der Farbkontrast wäre auch erhalten geblieben, wenn die Plane nicht in allen Einzelheiten erkennbar wäre. Ich hätte entweder das Modell so platziert, daß der Hintergrund mehr verschwimmt (so wie auf der rechten Seite) und/oder die Kameraeinstellungen entsprechend verändert. Bei dieser Aufnahme wird die junge Frau optisch nicht ausreichend freigestellt. Sie wirkt, als hättest Du sie in das Bild hineinretouchiert.

Wenn man das Bild so kappt, daß das Modell den Rahmen vollständig ausfüllt, wird der Unterschied deutlich:

Kein Beschnitt als Vorschlag, sondern nur um zu zeigen, dass der Hintergrund ablenkt.Der Eindruck, sie sei hineinretouchiert worden, verschwindet. Am Farbkontrast geht nicht so viel verloren, daß das Bild dadurch etwas einbüßt. Ich schlage nicht vor, das Foto dadurch zu „reparieren“, daß man es beschneidet. Es erhält nur so eine Umverteilung der visuellen Gewichtung, die es tatsächlich zu einem Porträt macht, in dem man sich auf die Person konzentriert, und nicht auf den Hintergrund.

In der Rubrik „Bildkritik“ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Antworten
  1. DKlein says:

    Ich als Mann finde, die Bluse müßte noch einen Knopf weiter aufgehen…Spaß beseite, aber tatsächlich – in dem
    Breitformat mit roter Plane dahinter fehlt die Mitte.
    Die Dame müßte mehr im Mittelpunkt stehen und der Ausschnitt ist zweifelhaft. Der Bildausschnitt, meine ich.
    Die Dame hat einen breiten, kräftigen Oberkörper.
    Irgendwie ist da zuviel Oberteil, es müßte etwas mehr von ihrer weiblichen Mitte aufs Bild.
    Dann kann sie genau so nach links schauen, wie sie`s tut –
    und die Proportion stimmt.

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  2. Carsten Schröder says:

    Ich denke, dass der Hintergrung so schon zum Motiv gehört, hätte ihn aber dann farblich intensiviert (Lebendigkeit bei PS), so dass er klar ins Auge springt und mit dem Model eine Einheit bildet! Ich finde nicht, das das Model immer einzig alleine das Hauptmotiv sein sollte.

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