Landschaft in Schwarzweiß:
Nachbearbeitung oder nicht

Ob und wie er ein Bild nachbearbeitet, entscheidet natürlich der Fotograf. Aber selten kommt es perfekt aus der Kamera.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Felix Waldschütz).

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Felix Waldschütz).



Kommentar des Fotografen:

Bin 16 Jahre alt und habe dieses Bild hier in einem kleinen Windschutzgürtel mit Bach gemacht. Ich weiß, dass man noch am Computer daran feilen könnte – aber da ich kein Fan von nachträglicher Bearbeitung bin, würde ich gern wissen, was ich vor Ort besser machen könnte. Es ist ein HDR mit Tamron SP 17-50mm VC bei 17mm, zusammenaddierte Belichtungszeit ca. 4sec Blende: 13 Canon EOS 550D

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Felix Waldschütz:

Mir hat an Deinem Foto spontan die Stimmung gefallen, die Du eingefangen hast. Etwas schwermütig, gleichzeitig ruhig. Nichts lenkt ab – und das ist auch für mich eine Schwachstelle. Aber erst einmal der Reihe nach:

Du schreibst, Du seist kein Freund von nachträglicher Bearbeitung – und schreibst doch gleichzeitig, es handele sich um ein HDR (ein Widerspruch) und hast es in Schwarzweiß umgewandelt.

Meiner Erfahrung nach macht HDR als Technik nur dann Sinn, wenn bereits angelegte Dramatik damit herausgearbeitet werden kann oder der Kontrastumfang so erweitert, daß Dinge im Bild sichtbar werden, die man so nicht gesehen hätte (Beispiel: dramatischer Wolkenhimmel). Das führt dann zu den berühmten Quietschfarben und Auraeffekten (ganz zu schweigen von erhöhtem Bildrauschen), die man aber leicht in der Nachbearbeitung beseitigen kann. Da Du schreibst, Du hättest nur minimal nachbearbeitet – und weil ich diese Effekte in Deinem Foto nicht sehe, muß ich daraus schließen, daß die HDR-Umwandlung hier nichts wirklich verändert oder zum Bild beigetragen hat.

In den allerseltensten Fällen kommt ein Bild perfekt aus der Kamera, insbesondere bei Amateuraufnahmen. Das liegt bei Amateuren daran, daß sie sich selten einem Thema widmen, mit dem sie so vertraut sind, daß Situationen vorhersehbar sind/werden. Da ist nichts Falsches daran, aber auch bei sorgfältiger Planung muß man oft noch mit einem Programm wie Photoshop, Aperture oder Lightroom nachlegen – farbkorrigieren, beschneiden etc.

Ich selbst benutze eine Handvoll Nik-Filter in Photoshop und beschränke mich meistens auf Dinge, die im Fotolabor auch möglich gewesen wären. Spezialeffekte digitaler Art, wie man sie allerorten im Internet sieht, tragen zu einem guten Foto meines Erachtens nichts bei, ein schlechtes machen sie nicht besser. Auf Nachbearbeigung jedoch gänzlich zu verzichten ist ebenso verfehlt. Gekonnte Bildbearbeitung kann man sich leicht aneignen, und es gibt auch kostenlose Programme dafür im Internet.

Horizont geradegerückt, leichte Anpassungen.

Horizont geradegerückt, leichte Anpassungen.

Meine Faustregel für meine eigenen Fotos ist: je mehr ich daran herumfeilen muß, desto größer die Gewißheit, daß mit dem Bild selbst etwas nicht stimmt, es hätte anders fotografiert werden müssen.

In diesem Fall hast Du ein sehr stimmungsvolles Bild aufgenommen, in dem aber sonst nichts passiert. Es hält einen nicht viel in diesem Foto, das Auge wird nirgendwo hingelenkt. Ich habe den Horizont hier etwas geradegezogen und das Foto nach hinten hin etwas aufgehellt.

Ein anderer Standpunkt – tiefer etwa, damit der Ast im Vordergrund prominenter wird – hätte vielleicht etwas ins Bild gebracht, was den Betrachter festhält.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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