Landschaftsfotografie:
Ränder kontrollieren

In der Komposition von Landschaftsfotos spielt die Kontrolle der Bildränder eine grosse Rolle.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Dietmar Rieder).

Kommentar des Fotografen:

Diese Aufnahme ist im Oktober 2011 in den Tiroler Bergen entstanden. Nach längerer Zeit hatte ich wieder mal die Möglichkeit zum Fotografieren und passend zur Jahreszeit habe ich mir vorgenommen ein frabenkräftiges Herbstbild zu machen welches den Übergang von der warmen zur kalten Jahreszeit -im wahrsten Sinne des Wortes- wiederspiegeln soll. Ob und wie gut mir das gelungen ist würde ich gerne von einem geschulten Profi-Auge erfahren. LG

Peter Sennhauser meint zum Bild von Dietmar Rieder:

Eine Berglandschaft mit herbstlichen Lärchen spiegelt sich in dieser Farbfotografie in einem weitgehend ruhigen, grünblau schimmernden Bergsee. Dessen Ufer zieht sich dabei ungefähr in einem Drittel durch den unteren Rand des Querformats, die Gebirgskette dahinter steigt von links nach rechts an und lässt den Blick auf einen kleinen Anteil blauen Himmels frei.

Ein Klassiker, könnte man von diesem Bild sagen:

Bergsee, Spiegelung, Herbst, gute Linien, knallige Farben – vor allem das Gelb der Bäume im Kontrast zum grünen Wasser und dem reinen Blau des Himmels.

Die Linienführung ist einfach, aber funktional, indem sich die Berggipfel in der hinteren Ebene in ähnlicher Art nach rechts oben aufschwingen wie die Waldlinie im Mittelgrund.

Die Wasseroberfläche ist eine gelungene Mischung aus Spiegelung und Transparenz, die auch den Blick auf den Grund des Bergsees ermöglicht. Falls Du mit Polfilter unterwegs warst, hast Du eine gute Einstllung gewählt, die zwischen den Extremen liegt.

An der Aufnahme ist nicht viel zu bemängeln, allenfalls kann man reklamieren, dass sie keinen wirklich prägnanten Vordergrund hat. Dafür, dass sie offenbar zu einer Tageszeit mit noch sehr steilem Lichteinfall fotografiert wurde, sind aber die Kontraste ebenfalls gut aufgefangen.

Das Problem am Vordergrund ist aber nicht nur, das er etwas ausgefranst ist und weder der FElsblock im Wasser vorne rechts noch jener hinten links wirklich einen Blickfang bildet. Zugleich ist das Bild durch die ungleiche Lichtverteilung – helle, sonnenbeschienene Stellen wechseln mit starkem Schatten – „leckgeschlagen“. Unser Auge hat die Tendenz, hellen Flächen im Bild zu folgen, weshalb in der Landschaftsfotografie eine Devise lautet, die Bildränder von starken Tonwertunterschieden frei zu halten.

Dabei stören mich persönlich hier am Bild die verschieden hellen Vordergrundelemente nicht direkt, aber sie lenken deutlich von den beiden Felsbrocken ab. Würde man das Bild unten leicht beschneiden – oder, besser, hätest Du es so komponiert – dass die Blöcke im Wasser ein fast alleinstehendes Element wären, würde es deutlich an Dynamik gewinnen.

 

In der Rubrik „Bildkritik“ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Antwort
  1. Dietmar Rieder says:

    vielen Dank für die konstruktive Kritik und den Hinweis mit dem Vordergrund, wenn ich das jetzt lese wird mir auch klar was für mich an dem Bild nicht ganz stimmig war. Ich hatte mich wohl zu sehr mit der Belichtung und der Mischung aus Spiegelung und Transparenz beschäftigt und die Ränder etwas aus den Augen verloren.

    LG
    DR

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