Naturfoto:
Mut zur Mitte

Gekonnte Regelbrüche tun einem Foto keinen Abbruch. Im Gegenteil.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Jürgen Hirsch). Kommentar des Fotografen:

Ein winterliches Feld mit einem Baum im Nebel. Diese unwirkliche Situation war mir eine Aufnahme wert. Die etwas zu mittige Platzierung ist der Situation geschuldet. Die außerhalb des Motivs liegenden Bildelemente hätte den Bildeindruck gestört.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Jürgen Hirsch:

Glückwunsch zu diesem meines Erachtens sehr gelungenen Foto. Es ist einfach, aber effektvoll komponiert, und wer könnte schon an einem Baum im Nebel vorbeigehen, insbesondere, wenn noch so schöner Rauhreif auf allem liegt.

Du packst in Deiner Bemerkung zum Bild gleich den Stier bei den Hörnern und sprichst die mittige Komposition an. Das ist auch das, was bei diesem Foto sofort ins Auge springt. Allerdings nicht negativ, denn es war das, was mich an diesem Bild fasziniert hat. Du hast hier instinktiv, aber gekonnt, eine Regel gebrochen – das Schwierige wird sein, das in der Zukunft absichtlich zu tun.

Ja, der Hauptbildgegenstand ist nicht im Goldenen Schnitt, und ich bin eine derjenigen, die bei fokussiert gerne darauf herumreitet – aber nur dann, wenn es für mich angebracht ist. Bei einem so minimalistisch gehaltenen Bild ist Komposition alles, denn nichts lenkt von störenden Elementen ab, und dazu gehören auch falsch platzierte.

Der Baum ist fast komplett in der Bildmitte, aber Du hast die anderen Geraden im Foto so angeordnet, daß das nicht negativ auffällt. Im Gegenteil, der Gesamteindruck würde zerstört. Der Hauptgrund dafür ist, daß der helle Streifen (Feldweg?), der auf den Baum zuläuft und der ob seiner vom Rest des Feldes komplett unterschiedlichen Struktur eine prominente Rolle im Foto spielt, wäre verschoben worden. Dieser Feldweg „stört“ die durch die mittige Platzierung des Baumes hergestellte Symmetrie und bringt dadurch visuelles Interesse ins Bild. Ich würde die Komposition genauso lassen, wie sie ist.

Das Bild des mittigen Baumes in Schwarz Weiss.

Die einzige Anmerkung meinerseits ist die obligatorische zu dem Rahmen, den Du um das Bild gelegt hast. Wie oft genug bemerkt, nicht notwendig. Ansonsten würde ich anregen, das Foto in Schwarzweiß zu verwandeln. Das ist Geschmackssache, aber ein Bild wie dieses ist geradezu zur Schwarzweißumwandlung prädestiniert.

In der Rubrik „Bildkritik“ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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3 Antworten
  1. peter gutzat says:

    meine meinung,

    die schwarz/WEISS aufnahme hat einfach mehr INHALT !!! bringt eine positive aussage in das FOTO. feines motiv.

    viel spass beim grafieren,wünscht peter gutzat.

    Antworten

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